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Mit Video : Feuer in Mehrfamilienhäusern in der Heider Innenstadt - Feuerwehr klagt über Gaffer

vom

Mindestens zehn Menschen wurden verletzt.

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2016 | 15:41 Uhr

Heide | Bei einem Großbrand in der Innenstadt von Heide sind am Donnerstagmorgen zehn Menschen verletzt worden, darunter drei Personen, die schwere Rauchvergiftungen erlitten. Nach Angaben des Rettungsdienstes befand sich unter den sieben Erwachsene und drei Kindern auch ein  Feuerwehrmann, der bei Löscharbeiten verletzt wurde. Die Rettungskräfte beklagten auch, dass Gaffer die Arbeiten behindert hätten.

Nach Angaben der Polizeidirektion Itzehoe wurde das Feuer in einem Mehrfamilienhaus in der Süderstraße kurz nach 9 Uhr gemeldet. Das Feuer brach in der ersten Etage einer Buchhandlung aus. Die Flammen griffen auf ein benachbartes Gebäude in der Fußgängerzone über, in der ein Immobiliengeschäft untergebracht ist. In den brennenden Gebäuden befinden sich keine Personen mehr. Die Feuerwehr hat den Brand unter Kontrolle.  

Passanten, die aus dem Postgebäude traten, trauten ihren Augen nicht. Aus dem gegenüberliegenden Haus drangen schwarze Qualmwolken, Fenster wurden aufgerissen, markerschütternde ununterbrochene Hilfeschreie einer Frau erschallten. Sie hielt einen Säugling auf dem Arm aus dem Fenster.

Eilig wurde im ersten Rettungsversuch ein Sprinter vor das Haus gefahren, ein Mann rannte los, um eine Leiter zu holen. Beides ließ sich aber zur Rettung nicht umsetzen. Die Hilfeschreie wurden lauter: „Meine Kinder, meine Kinder!“, rief die Frau immer wieder laut. Innerhalb weniger Minuten war die Fußgängerzone von schwärzestem Qualm eingehüllt, der rasch auch aus dem Dach des brennenden Gebäudes drang.

Die Leitstellen wurden sofort über Notruf alarmiert; es wurde darauf hingewiesen, dass Menschen – auch mehrere Kinder - im Gebäude seien und unentwegt laute Hilferufe ertönten. Doch in der Leitstelle West in Elmshorn waren vermutlich schon alle Annahmeplätze belegt, denn es lief ein Band mit der Ansage „Bitte warten“.

Das Feuer breitete sich rasch aus, erste Rettungswagen rollten rund sechs Minuten nach dem Notruf heran. Die Rettungskräfte konnten aufgrund der äußerst starken Rauchentwicklung nicht ins Haus gelangen; mittlerweile hatten die darunterliegenden Geschäftsinhaber ihre Läden eilig verlassen.

Das erste Feuerwehrfahrzeug fuhr in die Fußgängerzone ein, der Drehleiterwagen blieb am Eingang der Fußgängerzone beim Marktkauf-Einkaufsmarkt stehen.

Die Ursache des Feuers ist noch unklar.

Die Ursache des Feuers ist noch unklar.

Foto: Helmuth Möller

Sofort nach Ertönen der ersten Hilferufe waren beherzte Passanten durch einen Häusergang zur Rückseite des Gebäudes gelaufen; dort stand ein Vater in Unterhosen am Fenster und rief laut um Hilfe und die Worte: „Meine Kinder, meine Kinder – da sind Kinder drinnen!“ Eine Frau brachte mehrere Brotkästen, um diese aufzustapeln, ein Tisch wurde herbeigeschleppt. Der Mann oben am Fenster signalisierte, dass das aber nicht reichen würde. Mehrfach wurde die Leitstelle angerufen; das Handynetz vor Ort ließ dabei nach einigen Minuten einen Besetzt-Ton erkennen, vermutlich Netzüberlastung.

Eine Helferin lief unter bereits berstenden Scheiben hindurch zur Rückseite des Hauses und übernahm eiligst ein nur dünn bekleidetes Kind und wickelte es in ihren Mantel ein. Nach und nach traf ein Großaufgebot von Rettungswagen sämtlicher umliegender Wachen ein. Feuerwehren rollten aus den Nachbargemeinden heran. Vermutlich konnte die Feuerwehr nicht sofort beginnen und musste zunächst Atemschutzgeräteträger ins Gebäude schicken. Die Sicht war dort gleich Null.

Die starke Rauchentwicklung behinderte die Löscharbeiten.
Die starke Rauchentwicklung behinderte die Löscharbeiten. Foto: gkn
 

Mehrere Streifenwagen sperrten den Bereich weiträumig ab und die Rettungsteams rollten Tragen in die Fußgängerzone. Unvermittelt - und mitten in den Rettungsarbeiten und noch während die Feuerwehren auf der Rückseite des Hauses Schläuche verlegten – geriet das Nachbarhaus in Brand, der sich auch hier rasch zu einem Vollbrand entwickelte. Meterhohe helle Flammen schlugen aus dem Dach und aus geborstenen Fenstern empor. Teile des Daches der erstbrennenden Hauses krachten zu Boden.

Auch Autofahrer hatten in dem Bereich eine sehr schlechte Sicht. Streifenwagen sperrten die Zufahrten weiträumig ab – immer wieder wurden weinende Passanten gesichtet, die sich teils in den Armen lagen.

Die Verunglückten wurden in das Heider Westküstenklinikum sowie benachbarte Krankenhäuser transportiert. Insgesamt waren rund 80 Kräfte der Feuerwehr, der Rettungskooperation der DRK-Bereitschaft Heide und der Polizei im Einsatz.

Experten der Kripo begannen mit den Ermittlungen zur Brandursache. Erste Ergebnisse wurden frühestens am Freitag erwartet.

Unser Autor Helmuth Möller wurde zufällig Augenzeuge des Feuers in Heide und half bei den Rettungsarbeiten.

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