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Pro und Contra : Feste Fehmarnbeltquerung: Wer will was?

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Streitthema Beltquerung erhitzt seit Jahren die Gemüter. Viele verschiedene Interessengruppen haben unterschiedliche Meinungen zu dem Projekt. Eine Übersicht.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2014 | 20:02 Uhr

Puttgarden | Die Feste Fehmarnbeltquerung ist ein umstrittenes Projekt, das seit Jahren für Diskussionen über die Landesgrenzen hinaus sorgt. shz.de listet auf, welche Gruppen für und welche gegen den Bau sind.

Das sind die Befürworter:

Lokale Wirtschaft

Die Industrie- und Handelskammer und der Unternehmensverband Ostholstein sind für den Belt-Tunnel. Ihr Argument: Der Bau und der Betrieb einer festen Querung werden dauerhafte höherwertige Arbeitsplätze sichern.

Femern A/S

Femern A/S ist ein staatliches Unternehmen aus Dänemark. Es ist für den Entwurf und den Bau der festen Querung zwischen Deutschland und Dänemark verantwortlich. Als alleiniger Eigentümer der Femern A/S – und damit der Verbindung von Küste zu Küste über den Fehmarnbelt – bürgt der dänische Staat für die Kredite, die zur Finanzierung des Vorhabens aufgenommen werden müssen.

Dänische Regierung

Dänemark ist aus mehreren Gründen für die Feste Fehmarnbeltquerung:

  1. Man erhofft sich für die bisher abgehängten Regionen südlich von Kopenhagen – für die Inseln Lolland und Falster – wirtschaftlichen Aufschwung.
  2. Den prosperierenden, aber für dauerhaften Erfolg zu bevölkerungsarmen Regionen Kopenhagen und Südschweden will Dänemark durch die Verbindung mit Europas größten Märkten langfristigen Wohlstand sichern. Der Weg von Malmö bis zur deutschen Grenze wird nach Fertigstellung des Tunnels nur noch zwei Stunden dauern.
  3. Dänemark verspricht sich vom Ostseetunnel erheblich mehr Fluggäste für den dänischen Großflughafen Kopenhagen-Kastrup, der seine Position als wichtigster Airport Nordeuropas ausbauen will.
Bundesregierung Deutschland

Deutschland ist laut Staatsvertrag für die Finanzierung und den Ausbau der deutschen Hinterlandanbindung verantwortlich. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ist sich sicher, die neue Trasse sorge „für eine wichtige Anbindung an die Fehmarnbeltquerung“ und  biete „echte Chancen für die Tourismusgebiete an der Ostseeküste, weil sie vom Schienenlärm entlastet werden“.

Landesregierung Schleswig-Holstein

Die schleswig-holsteinische Landesregierung hat sich mit Kabinettsbeschluss vom 14. Dezember 1999 für die Realisierung einer festen Fehmarnbeltquerung ausgesprochen. Auf einer Dossierseite zum Thema im Internet erklärt die Landesregierung, sie habe ein Interesse an einer hochwertigen Erschließung der Region und werde sich dafür einsetzen, dass entlang der neuen Magistrale neue Arbeitsplätze und Wertschöpfungspotentiale entstehen.

Außerdem werden „fünf gute Gründe“ für die Feste Fehmarnbeltquerung aufgelistet. Die Meinung der Landesregierung in Kürze zusammengefasst: „Die Feste Fehmarnbeltquerung ist ein Projekt mit europäischer Dimension. Mit ihr wird eine letzte Lücke im Transeuropäischen Verkehrsnetz Nordeuropas geschlossen. Gesamtwirtschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die gesamte Region (Ostholstein und Lolland sowie die Metropolregionen Hamburg und Kopenhagen) wirtschaftlich von der Verbindung profitieren kann. Die Feste Fehmarnbeltquerung wird den Transport von Gütern und Personen von und nach Skandinavien schneller, billiger und umweltschonender machen.“ Von Risiken ist in dem Dossier auf schleswig-holstein.de nichts zu lesen.

Zu den Gegnern der Festen Fehmarnbeltquerung zählen diese Akteure:

Naturschutzbund (Nabu)

Der Naturschutzbund Schleswig-Holstein schätzt die Entscheidung für einen Absenktunnel und gegen den Bau einer Brücke als Teilerfolg ein. Die grundsätzliche Kritik an Europas größtem Infrastrukturprojekt bleibt jedoch bestehen. „Auch ein Absenktunnel birgt während der sechsjährigen Dauerbaustelle mitten in einer der weltweit am meisten befahrenen Wasserstraßen erhebliche Havarierisiken für Schiffe und schädigt durch 15 Millionen Kubikmeter Aushub die maritime Lebensumwelt und den Tourismus“, sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Außerdem sei der Tunnel - wie jede andere Querungsvariante auch - unwirtschaftlich. Trotz der Finanzierung durch Dänemark, kämen auf Deutschland für den Ausbau der Hinterlandanbindung Kosten in Höhe von bis zu 2,5 Milliarden Euro zu. „Andere wichtige Verkehrsprojekte werden wegen einer für Deutschland unwichtigen Fehmarnbeltquerung auf Jahrzehnte nicht realisiert werden können“, sagt Nabu-Fehmarnbeltexperte Malte Siegert.

Tourismus

Die Tourismusbranche stellt den Hauptwirtschaftszweig auf der Insel Fehmarn dar. Eine starke Verlagerung des Autoverkehrs von der Großer-Belt-Verbindung auf die Vogelfluglinie würde den Tourismus auf Fehmarn erheblich beeinträchtigen, zumal die Insel seit Jahren versucht, durch neue Konzepte im Nahverkehr und aktive Programme zur alternativen Energiegewinnung ein Image des umweltfreundlichen Tourismus aufzubauen.

Scandlines

Scandlines ist eine deutsch-dänische Reederei und betreibt die Fährverbindung von Fehmarn nach Dänemark. Das Unternehmen hat bisher erklärt, den Fährbetrieb auch nach Öffnung der festen Fehmarnbeltquerung aufrechtzuerhalten. Scandlines wird dann im Wettbewerb mit dem Tunnel stehen.

Im September 2014 eröffnete die Reederei im Fährhafen von Puttgarden einen Info Point über nachhaltige negative Auswirkungen einer Festen Fehmarnbeltquerung auf Umwelt, Wirtschaft, Tourismus und Arbeitswelt in der Region Fehmarn und auf die Verkehrsströme der Ostseehäfen.

Scandlines erklärt: „Veraltete Verkehrsprognosen und Unkenntnis des Marktes führen auf Seiten der Planungsgesellschaft Femern A/S zu unrealistischen Kostenansätzen für die Refinanzierung des Tunnels. Die in Folge der Fehlkalkulationen entstehenden Mehrkosten sowie die Kosten der Hinterlandanbindung für eine Feste Fehmarnbeltquerung trägt der Steuerzahler.“

Bürgerinitiativen

Zahlreiche Bürgerinitiativen haben sich die gegen die Beltquerung formiert. Zusammen bilden sie die „Allianz gegen eine feste Fehmarnbeltquerung“. Sie befürchten einen massenhaften Rückgang des Tourismus und damit einhergehend Arbeitsplatzverluste, Lärmbelästigung und Gesundheitsschädigung bei Einwohnern und Urlaubern, Einbußen für die Landwirtschaft durch Landverbrauch und Zerstückelung von Ackerflächen, eine Entwicklung der Region zu einer reinen Transitstrecke und die Verminderung von Immobilienwerten und damit einhergehend eine Gefährdung der Altersversorgung.

Außerdem gibt es noch weitere Beteiligte, die eher als neutral zu bewerten sind:

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist weder für, noch gegen eine feste Beltquerung. „Es ist im Staatsvertrag zwischen Dänemark und der Bundesrepublik klar geregelt und vereinbart worden“, erklärt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Die Bahn richte sich nach dem Vertrag. Sie baut die Schienenanbindung auf deutscher Seite bis Puttgarden.

Kreis Ostholstein

Der Kreis Ostholstein bringt sich aktiv in den Planungsprozess zur Schienenhinterland-Anbindung ein. Als Interessenvertreter der Region setzt sich der Landrat Reinhard Sager dafür ein, dass die Auswirkungen der Querung auf die Regionalentwicklung konstruktiv und kritisch erörtert werden, um die Chancen für Ostholstein bestmöglich zu nutzen und die Risiken zu minimieren.

Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung

Das Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung wurde von der Landesregierung eingerichtet, um Gegner und Befürworter an einem Tisch zu versammeln. Vorsitzender ist Johann Christoph Jessen, der bis 2011 deutscher Botschafter in Dänemark war. Auf der Homepage schreibt die Initiative über sich selbst: „Wir hinterfragen Sinn und Fakten und suchen gemeinsam nach Lösungen. Bei uns werden Betroffene zu Beteiligten.“

 


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