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Landwirtschaft und Schiffsabgase : Feinstaub-Partikel: Hohe Belastung besonders am Nord-Ostsee-Kanal

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Frische Brise von der Küste? Von wegen. Eine Untersuchung von Helmholtz-Forschern hat überraschende Ergebnisse.

Kiel | Die Küste als Synonym für frische Luft? Damit ist es nicht so weit her wie oft gedacht. Gerade dort, wo das Land aufs Wasser trifft, ist die Belastung mit Feinstaub-Partikeln höher als vermutet. Wenn Ammoniak-Gase aus der Landwirtschaft auf Emissionen des Schiffsverkehrs treffen – dann begünstigt das die Bildung kleinster Feinstaub-Teilchen. In einer Simulation haben die Umweltwissenschaftlerin Anna M. Backes vom Helmholtz-Zentrum für Material- und Küstenforschung in Geesthacht und mehrere Kollegen aus der Abteilung Chemietransport-Modellierung den Zusammenhang gezeigt.

Schleswig-Holsteins Küstenregionen leben auch vom Tourismus - denn Städter genießen gern die vermeintlich gute und gesunde Luft.

„Diese Erkenntnis gilt längst nicht nur, aber auch für Schleswig-Holstein“, erklärt Backes. Und dort wiederum auch nur für einen Teil des Landesinneren: „Besonders exemplarisch lässt sich das Phänomen am Nord-Ostsee-Kanal beobachten“, stellt Backes fest. Mit Chemietransport-Modellen lässt sich die Ausbreitung von Schadstoffen in der Atmosphäre simulieren. „Der Kanal zeichnet sich in der Simulation der Schiffsemissionen klar ab“, berichtet die Forscherin. Auf der künstlichen Wasserstraße herrscht nicht nur besonders viel Schiffsverkehr. Sondern es gibt auch viel Tierhaltung in unmittelbarer Nähe und reichlich Felder, auf denen gedüngt wird.

Konkret geht es um eine Kombination von Ammoniak mit Stickoxiden und Schwefeldioixiden aus den Verbrennungsmotoren der Schiffe. Am stärksten ist diese Belastung durch Feinstaub-Partikel im Winter. Die kältere Jahreszeit beeinflusst die Bildung der Partikel positiv. Gründe sind zum einen weitere Emissionsquellen wie vermehrtes Heizen, und zum anderen saisonal typische meteorologische Situationen mit mehr Feuchtigkeit und weniger Luftvermischung. Dabei handelt es sich um winzige Teilchen mit einer maximalen Größe von 2,5 Mikrometern. So klein das klingt – „sie können bis weit in die Lunge gelangen und dort gesundheitsschädigend wirken“, sagt Backes.

Für Schleswig-Holstein verzeichnen die Geesthachter Wissenschaftler eine Belastung von durchschnittlich bis zu zehn Mikrogramm pro Kubikmeter in den Wintermonaten. An die größten Extreme wie in Ballungsräumen in einer gewissen Tallage reicht dies allerdings noch längst nicht heran. So liegt die Belastung etwa in Paris bei bis zu 25 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Anna M. Backes und ihr Team konnten in ihren Simulationen zeigen: Gelänge es, durch eine Reduzierung der Tierhaltung die Ammoniak-Emissionen zu halbieren, würde dies die Konzentration der Feinstaub-Partikel immerhin um ein Viertel minimieren. „Die Politik versucht, vornehmlich die Schadstoff-Emissionen des Verkehrs zu reduzieren – die landwirtschaftliche Komponente hingegen wird kaum angeschaut“, sagt Backes. „Unsere Studie soll einen Anstoß geben, dies zu ändern.“ 

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