Trotz guter Impfquote : FDP will Masern-Impfpflicht für Schleswig-Holstein

Die Impfquote bei Kleinkindern in SH ist auf 94 Prozent gestiegen. Liberale sehen weiter Gefahr neuer Ausbrüche.

Margret Kiosz von
14. April 2019, 18:54 Uhr

Kiel | Die Debatte um die Impfpflicht geht weiter. Nachdem sich am Freitag das Brandenburger Parlament und jetzt auch Familienministerin Franziska Giffey (SPD) wegen diverser Masernausbrüche dafür ausgesprochen haben, Kinder nur mit Impfnachweis in der Kita aufzunehmen, werden jetzt aus Schleswig-Holstein neue Daten bekannt.

Demnach ist die Impfquote bei Kleinkindern in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und erreicht mit 94 Prozent bei den 15 Monate alten Kleinkindern einen nach Expertenmeinung guten Schnitt.

Weiterlesen: Masern-Impfpflicht in Deutschland könnte schneller kommen, als gedacht

Wie der FDP-Landtagsfraktion auf Nachfrage vom Gesundheitsministerium mitgeteilt wurde, lag die Quote noch 2005 unter 80 Prozent. Bei der notwendigen zweiten Impfung (bis zum 23. Lebensmonat) stagniert die Quote im Norden seit vier Jahren auf einem hohen Niveau. Sie ist von 75 Prozent im Jahr 2005 auf jetzt 94 Prozent angewachsen. Das Ministerium führt diesen Erfolg auf die hohe Verbindlichkeit bei den Kindervorsorge-Untersuchungen zurück.

Positiver Trend: Die Impfquote gegen Masern bei Kleinkindern in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein kontinuierlich gestiegen.
Bodo Marks/dpa
Positiver Trend: Die Impfquote gegen Masern bei Kleinkindern in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein kontinuierlich gestiegen.
 

Zwar ist die angestrebte Quote von 95 Prozent vor allem bei der Erst-Impfung noch nicht erreicht. Dieses wird jedoch darauf zurückgeführt, dass der Piks wegen banaler Infekte häufig verschoben wird. Das Ministerium spricht dabei von „falscher Kontraindikation“, will heißen, es könne sehr wohl geimpft werden, auch wenn das Kind zum Beispiel Schnupfen hat.

Wörtlich heißt es in der Antwort an die FDP: „Das Erreichen der 95 Prozent-Zielmarke in dieser Altersgruppe steht kurz bevor.“ Bis zum Schuleintritt sind dann laut Robert-Koch-Institut in Schleswig-Holstein über 97 Prozent aller Kinder wenigstens einmal gegen Masern geimpft. Als besonders vorbildlich gelten die kreisfreien Städte Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster sowie die Kreise Stormarn und Plön mit überdurchschnittlichen Impfquoten.

Krankheitsausbrüche nicht ausgeschlossen

Die Daten zeigen nach Ansicht von Dennys Bornhöft, Gesundheitsexperte der FDP-Landtagsfraktion, „dass die Impfquoten in Schleswig-Holstein durchaus erfreulich sind“. Allerdings seien Krankheitsausbrüche wie die Masern weiterhin nicht ausgeschlossen. Dies habe auch die kürzliche Schließung der Dahlmann-Schule in Bad Segeberg gezeigt.

Wir fordern daher die Einführung einer verpflichtenden Masernimpfung, da nur so vorhandene Impflücken wirksam geschlossen werden können. Dennys Bornhöft, Gesundheitsexperte der FDP-Landtagsfraktion
 

Die Debatte über die Impfpflicht wird befeuert, da nach Jahrzehnten des Rückgangs Masernfälle weltweit wieder zunehmen. In Europa erkrankten 2018 mehr als 82.000 Menschen – so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Spitzenreiter war die Ukraine – dort wurden sich laut der Weltgesundheitsorganisation WHO mehr als 53.000 Fälle gemeldet, gefolgt von Serbien mit 5000 Fällen. In Deutschland haben die Erkrankungszahlen in den vergangenen Jahren zwar abgenommen, dennoch kommt es immer wieder zu größeren Ausbrüchen.

Vier Masern-Fälle in SH in 2018

2018 wurden in der Bundesrepublik 543 Fälle gemeldet, die Pro-Kopf-Rate war am höchsten in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Berlin. In diesem Jahr wurden bereits 288 Fälle registriert. Davon vier in Schleswig-Holstein.

Noch ist allerdings offen, ob eine Impfpflicht für Kita-Kinder, die einen rechtlich abgesicherten Platzanspruch haben, überhaupt durchgesetzt werden kann und wie man mit Ausnahmefällen umgeht. Kompliziert wird das Verbot auch dadurch, dass es keine singuläre Masernimpfung gibt, sondern nur Kombinationsimpfstoffe mit Vakzinen gegen Röteln und Mumps. Für die ist aber (noch) keine Impfpflicht im Gespräch.

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