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Überfälle in Hamburg und SH : Falsche Paketboten: Polizei schnappt brutale Bande

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie wollten gerade eine Seniorin überfallen – da schlug das Mobile Einsatzkommando zu.

Das Mobile Einsatzkommando (MEK) des Landeskriminalamts hat vier Männer (28 bis 50) überwältigt, die für eine Serie von Raubüberfällen in Schleswig-Holstein und Hamburg verantwortlich sind. Die Täter hatten bei Senioren geklingelt – verkleidet als Paketboten.

„Es war eine perfide Vorgehensweise, da die Menschen zur Weihnachtszeit natürlich in freudiger Erwartung die Türen öffnen, wenn ein Paketbote kommt“, sagte Axel Bieler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kiel. „Außerdem sind so viele Paketboten unterwegs, dass man als Täter nicht groß auffällt.“

Der Fall war brisant für die Ermittler

Am 24. November war eine 79 Jahre alte Rentnerin in Norderstedt ausgeraubt worden. Ein Mitglied der Bande hatte am Nachmittag bei ihr geklingelt, ein Hermes-Paket in der Hand. Als sie öffnete, richtete er eine Schusswaffe auf die alte Dame und drückte sie in den Hausflur. Silke Westphal, Sprecherin der Polizeidirektion Bad Segeberg: „Der Täter forderte Schmuck und Bargeld.“ Nachdem die verängstigte Frau ihm alles ausgehändigt hatte, fesselte und knebelte sie der Räuber – und rief einen der Komplizen. Mit ihm durchsuchte er noch das gesamte Haus, bevor beide mit ihrer Beute flüchteten. Eine Nachbarin, die kurze Zeit später erschien, befreite die Rentnerin und alarmierte Polizei und Rettungsdienst.

Nach der gleichen Masche beging die Bande wenig später einen Raubüberfall in Pinneberg und möglicherweise noch einen weiteren in Norderstedt. Auf die Spur kamen die Ermittler den Räubern, durch einen Zeugenhinweis zum ersten Überfall. Ein Audi mit Segeberger Kennzeichen war aufgefallen, die Ermittlungen führten zu Männern, die bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten waren. „Es erfolgte eine Observation durch das Mobile Einsatzkommando“, sagte Bieler. Und so bemerkten die Ermittler, dass die Bande am Montag zu einem weiteren Raubzug aufbrach und folgten ihr.

Die vier Täter, alle unterschiedlicher Nationalität, wollten ihre Masche bei einer alten Dame (69) im Hamburger Bezirk Harburg durchziehen. Während einer der Männer, wieder mit dem Hermes-Paket, an der Tür klingelte, standen seine drei Komplizen Schmiere. Als die Frau öffnete und der falsche Paketbote sie mit einer Pistole in den Flur stieß, griffen die MEK-Beamten zu.

„Es gelang den Spezialkräften nicht nur, den Täter an der Tür festzunehmen, sondern auch seine drei Komplizen“, sagte Polizeisprecherin Westphal. „Die Geschädigte wurde bei der Tat leicht verletzt, konnte aber nach ambulanter Behandlung wieder in ihre Wohnung zurück.“

Warum haben die Spezialkräfte nicht zugegriffen, bevor die Rentnerin öffnete und verletzt wurde? Oberstaatsanwalt Bieler: „Um juristisch auf der sicheren Seite zu sein, mussten wir die Täter dicht heranlassen. Das war ein grandioser Einsatz der Spezialkräfte.“ Den vier Männern wird jetzt versuchter und vollendete schwerer Raub vorgeworfen, sie kamen in U-Haft. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnungen entdeckten die Ermittler außerdem einen Tresor, der aus einem Wohnungseinbruch im Kreis Herzogtum Lauenburg stammt.

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erstellt am 14.Dez.2016 | 20:27 Uhr

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