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Herbst-Konjunkturumfrage : Fachkräftemangel, steigende Kosten: Metall-Branche im Norden blutet aus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Arbeitgeber warnen vor einem verschärftem Fachkräftemangel. Jeder neunte Betrieb denkt an Abwanderung.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 07:22 Uhr

Kiel/Hamburg | Im Norden ist der Personalmangel besonders drastisch: Von den befragten Betrieben der Metall- und Elektroindustrie (M+E) in Schleswig-Holstein beklagen 72,5 Prozent, dass es schwierig bis aussichtslos ist, Fachkräfte und geeignete Azubis zu finden. Damit bewerten die Arbeitgeber im nördlichsten Bundesland die Situation deutlich schlechter als ihre Kollegen in den anderen norddeutschen Bundesländern. Unter ihnen beklagen „nur“ 57,5 Prozent den Fachkräfte- und Azubi-Mangel. Das ist ein Ergebnis der Herbst-Konjunkturumfrage des Arbeitgeberverbandes Nordmetall unter 166 Betrieben in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und dem nordwestlichen Niedersachsen.

„Händeringend suchen insbesondere Unternehmen in den Flächenländern qualifiziertes Personal, in immer größerem Ausmaß können Ausbildungsplätze nicht besetzt werden“, sagte Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch am Donnerstag bei der Vorstellung der Ergebnisse und sieht die Politik in der Verantwortung: Wenn es nicht bald gelänge, die Zahl geeigneter Azubis zu erhöhen, werde die Produktion am Standort Norddeutschland erheblich behindert werden. Eine schlechte Schulbildung, insbesondere die Vernachlässigung der Fächer Mathe und Deutsch, führten dazu, dass Azubis nicht gut genug qualifiziert seien. Aber auch der demografische Wandel und das schlechtere Ansehen eines Facharbeiters in der Gesellschaft gegenüber Abiturienten und Studenten bereiteten der M+E-Branche große Sorgen. Gleichzeitig wurde beklagt, dass Personal- und steigende Materialkosten den Betrieben der Branche immer mehr zu schaffen machten.

Laut Umfrage können 42 Prozent der Unternehmen die Kostensteigerungen nicht durch Preiserhöhungen auffangen. Die Lohnkosten seien in den vergangenen sechs Jahren um 18,5 Prozent gestiegen, die Produktivität in der M+E-Industrie habe jedoch nur um 1,6 Prozent zugenommen. Deshalb dächten inzwischen 14 Prozent der Betriebe über Produktionsverlagerungen ins Ausland nach. In Schleswig-Holstein sind es knapp elf Prozent.

Angesichts des Kostendrucks warnt Nordmetall-Chef Lambusch die Gewerkschaften im Vorfeld der am kommenden Mittwoch beginnenden Tarifverhandlungen schon mal vor überzogenen Forderungen. „Die Lage der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie ist prächtig“, kommentierte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, die Konjunkturumfrage. „Der von uns geforderte Anspruch auf zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit hilft auch bei der Werbung um Fachkräfte.“ Und tatsächlich geht es den meisten Betrieben der M+E-Branche gut: 86 Prozent der befragten Firmen beurteilen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend, etwa drei Prozent mehr als im Frühjahr. 66 Prozent erwarten, dass sich diese Situation im kommenden halben Jahr nicht verändert, 26 Prozent rechnen mit einer Verbesserung. Demzufolge blicken nur acht Prozent pessimistisch in die Zukunft.

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