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Propaganda im Internet : Facebooks falsche Freunde

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Immer öfter werben Rechtsextreme ihren Nachwuchs im Internet. Sie haben sogar ein Erkennungs-Symbol für Facebook-Profile.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2011 | 12:35 Uhr

# | Im Fackelschein marschieren sie die Straße entlang. Vor den Gesichtern kleben weiße Masken, nur die blank polierten Glatzen sind erkennbar. Martialische Musik dröhnt aus den Lautsprechern. "Du hast die Unsterblichen gesehen, und bist neugierig geworden?" lautet eine Einblendung. Und: "Dein kurzes Leben mach unsterblich - damit die Nachwelt nicht vergißt, dass Du Deutscher gewesen bist."
Spätestens jetzt ist klar: Der Fackelzug ist eine Demonstration von Neonazis im ostdeutschen Bautzen. Etwa 20.000 Nutzer des Internetportals Youtube haben die Rechtsextremen schon über ihren Bildschirm marschieren lassen - seit Mai. Grund genug für das von den Bundesländern betriebene Projekt "Jugendschutz.net", nun Alarm zu schlagen. Die Zahl der Angebote von Rechtsextremisten im Internet habe sich "dramatisch zugespitzt", sagt der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger. Rechtsextremisten versuchten gezielt, in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Portalen wie Youtube auf Jugendliche zuzugehen. Denn im Internet erreichen sie ein Millionenpublikum. "Die Dienste des Web 2.0 stellen ein ideales Feld für Breitenwirkung dar", sagt Stefan Glaser, Leiter des Bereichs Rechtsextremismus bei "jugendschutz.net". Das Symbol einer weißen Maske diene auf Facebook-Profilen mittlerweile als ein Erkennungszeichen der Rechtsextremen. Eigentlich harmlos wirkende Videos würden in Nutzerkommentaren mit rassistischen oder volksverhetzenden Bemerkungen versehen. Sogar Rapsongs hätten Neonazis bereits bei Youtube eingestellt. "Man suggeriert: Man hat was mit Jugendkultur zu tun, und ist vielleicht gar nicht so schlimm, wie die Leute immer meinen", sagt Glaser.
"Eltern kennen sich kaum aus"
Doch nur rund 15 Prozent der rechtsextremen Angebote sind tatsächlich illegal. Und viele von ihnen liegen auf Servern im Ausland, auf die die deutsche Justiz keinen Zugriff hat. Die Betreiber von "jugendschutz.net" setzen deswegen auf eine Zusammenarbeit mit den Betreibern von Portalen wie Facebook oder Youtube und schlagen Seiten gezielt zur Löschung vor. Dennoch müssten die Betreiber von Web2.0-Angeboten mehr Vorsorge treffen, meint Glaser. So sollten sie strafbare Kommentare konsequent entfernen und einen Missbrauch ihrer Angebote, etwa durch das erneute Hochladen eines bereits entfernten Videos, vermeiden.
Doch auch Eltern und Lehrer ruft "jugendschutz.net" zur Wachsamkeit auf: "Eltern kennen sich bei Facebook oder Twitter oft kaum aus", sagt der Leiter der Online-Beratung gegen Rechtsextremismus, Martin Ziegenhagen. "Die Eltern erleben ihre Kinder oft wie die Bewohner einer fremden Welt, von deren Existenz sie nichts wissen." Bis dann plötzlich die Musik eines rechtsextremen Liedermachers aus dem Kinderzimmer tönt, weil der eigene Nachwuchs auf Facebook schon längst im Kontakt mit den falschen Freunden steht.
(shz)

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