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Wölfe in Deutschland : Experte fordert bundesweites Wolfsmanagement

vom

Die Rückkehr der Wölfe führt zu heftigen Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern. Experte Frank Faß fordert eine Lösung auf Bundesebene. Bei Debatten dürfe es keine Tabus geben.

shz.de von
erstellt am 08.Mär.2015 | 12:07 Uhr

Die Rückkehr der Wölfe braucht einen gesellschaftlichen Konsens, sagt Wolf-Experte Frank Faß. Der Leiter des Wolfcenters Dörverden fordert die Schaffung einer Behörde auf Bundesebene. Langfristig dürfe auch die Bejagung des Wolfes kein Tabu sein, sagt Faß im Interview.

Was sind die Argumente von Befürwortern und Gegnern einer Rückkehr des Wolfes?
Wölfe regulieren unsere hohen Wildbestände. Sie erbeuten außer Jungtieren vor allem alte, kranke und schwache Stücke. Andererseits entstehen bei der Weidehaltung von Nutztieren künftig erhebliche Mehrkosten durch Sicherungsmaßnahmen wie Zäune oder Schutzhunde. Es bleibt zu befürchten, dass für die Jäger mancherorts weniger Wildbret übrig bleibt. Bei den Gegnern geht es auch um ganz andere, eher unbewusste Ängste, glaube ich.

Wir wollen hierzulande alles regeln, die Natur entzieht sich aber letztlich der Kontrolle, das gilt auch für den Wolf. Idealistische Tierschützer sehen im Wolf ein Symbol der unberührten Wildnis, einer zurückkehrenden Natur in unserer Kulturlandschaft.

Wie sollte die Politik auf die Rückkehr des Wolfes reagieren?
In Deutschland ist es ohne eine Regulierung der Wolfsbestände nicht realistisch, eine dauerhafte Akzeptanz der Tiere bei allen Bevölkerungsgruppen zu schaffen. Es muss erlaubt sein, auch die Bejagung zu diskutieren. Wir müssen uns fragen, ob es nicht wolfsfreie Regionen geben sollte, weil dort ein effektiver Herdenschutz nicht möglich ist oder der Tourismus getroffen wird.

Alle Beteiligten müssen an der Diskussion teilnehmen. Abgesehen von Problemwölfen darf eine reguläre Bejagung aber erst erfolgen, wenn es etwa tausend erwachsene Wölfe in Deutschland und dem westlichen Polen gibt. Dann wäre der sogenannte Selbsterhaltungszustand erreicht.

Halter von Nutztieren müssen einen festen Rechtsanspruch auf Entschädigung bekommen. Bejagung ersetzt keinen Herdenschutz.

Wie lassen sich die offenen Fragen klären?
Wir brauchen ein länderübergreifendes Wolfsmanagement. Meiner Meinung nach muss eine entsprechende Behörde auf Bundesebene eingerichtet werden, die sich um alle Fragen im Zusammenhang mit dem Wolfsmanagement kümmert. In einer beratenden Kommission sollten dann die Interessenvertreter sitzen, etwa Nutztierhalter, Naturschutzverbände, Forst- und Tourismus-Experten sowie Jäger - aber auch Bürger und Kommunalpolitiker. Auf die Gesellschaft kommen Folgekosten und Restrisiken zu - deshalb muss auch ein breiter Konsens gefunden werden.

Frank Faß leitet mit seiner Frau Christina das Wolfcenter Dörverden mit derzeit zwölf Wölfen in drei Rudeln. Der 40-Jährige ist Vorsitzender des Arbeitskreises Wolf, der das niedersächsische Umweltministerium in Hannover berät.
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