"Europeana": Aufbewahren für alle Zeiten

Bilder vom Ersten Weltkrieg für das große Digitalarchiv: Links die beiden Brüder, die an der West- und Ostfront Dienst leisteten. In den vier Jahren sahen sie sich nur einmal - dabei entstand das Foto. Foto: Riggelsen
Bilder vom Ersten Weltkrieg für das große Digitalarchiv: Links die beiden Brüder, die an der West- und Ostfront Dienst leisteten. In den vier Jahren sahen sie sich nur einmal - dabei entstand das Foto. Foto: Riggelsen

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28. April 2012, 03:59 Uhr

Sonderburg | Besitzer persönlicher Zeitzeugnisse aus

den Jahren des Ersten Weltkriegs waren kürzlich gebeten, diese Zeitzeugnisse ins Sonderburger Schloss zu bringen. Dort wurden die Dokumente elektronisch, erfasst, dokumentiert und gespeichert - ein dänischer Beitrag zur "Europeana 1914-1918", ein europäisches Projekt zur Erstellung eines elektronischen Archivs über den Ersten Weltkrieg. Zu diesem Zweck war von Kulturstyrelsen und dem Museum Sønderjylland zum Tag der Digitalisierung ins Museum im Sonderburger Schloss eingeladen worden.

Dort eingefunden hatte sich auch Marie Jørgensen aus Kekenis mit einem ganz

besonderen persönlichen Erinnerungsstück an ihren Vater, der im Ersten Weltkrieg als Soldat an der Front gekämpft hatte. "Das ist ganz fantastisch", freute sich ein Mitarbeiter des Museums über eine alte, dekorativ geschwungene Pfeife, die er voller Bewunderung in der Hand hielt, sie registrierte und sich Notizen dazu machte, bevor er sie zum Fotografieren weitergab.

So etwas habe er noch nie gesehen, sagte der Mitarbeiter zu der 91-jährigen Marie Jørgensen, die sich freute, mit diesem besonderen Stück zum elektronischen Archiv beitragen zu können. Die charakteristische Tabakpfeife habe ihren Vater an der Front begleitet.

Eine persönliche Postkartensammlung ihrer Großmutter hatten die drei Schwestern Bodil und Birgit Reimers und Anne Marie Christiansen zum Tag der Digitalisierung mitgebracht. "In diesem Album sind lauter Postkarten gesammelt, die unser Großvater von der Front an seine Frau und an seine kleine Tochter Anni, unsere Tante schickte", blättert Bodil Reimers im Album.

Ihr Großvater habe bereits von 1910 bis 1912 als deutscher Soldat gedient und wurde mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wieder einberufen. Während er alle vier Jahre an der Westfront, in Frankreich und Belgien diente, wurde sein Bruder an die Ostfront geschickt. Nur einmal sahen sich die Brüder im Laufe der vier Kriegsjahre zu Hause in Ulkebüll. Von diesem Wiedersehen der Brüder wurde ein Foto gemacht. Auch das hatten die

Schwestern zur Registrierung ins Schloss mitgenommen. "Es ist im Grunde nur schade, dass diese Aktion erst jetzt stattfindet. Hätte man sie vor zehn Jahren durchgeführt, würden viele der eigentlichen Zeitzeugen noch leben und könnten ihre Geschichten aus erster Hand erzählen", merkt Anne Marie

Christiansen an.

Peter Duus Andersen hatte ein Fernrohr zur Registrierung gebracht, das sein Opa als Dank für Lebensmittel vom Kapitän eines Kriegsschiffs bekommen hatte. Der Tag der Digitalisierung in Sonderburg galt für ganz Dänemark.

Wer aber nicht die weite Anreise nach Nordschleswig auf sich nehmen wollte oder konnte, wird dennoch zum Archiv beitragen können, wenn nach den Sommerferien in mehreren Bibliotheken des Landes Digitalisierungstage stattfinden.

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