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Energiewende : EU überlegt: Strom im Norden bald günstiger als im Süden?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die EU-Kommission will den deutschen Strommarkt in zwei Zonen aufspalten. Grund sind Proteste von EU-Nachbarn.

shz.de von
erstellt am 07.05.2016 | 00:00 Uhr

Gibt es bald unterschiedliche Strompreise in Nord- und Süddeutschland? Einem Bericht des „Handelsblatt“ zufolge gibt es in Brüssel offenbar Pläne, den deutschen Strommarkt in zwei Preiszonen aufzuteilen. Im Ergebnis würden die Preise im Norden aufgrund des reichlich vorhandenen Stroms sinken, im Süden hingegen würden die Preise wegen der fehlenden Kraftwerkskapazitäten steigen, so die Überlegung. In Süddeutschland würde es dadurch einen Anreiz geben, neue Kraftwerke zu bauen und idealerweise selbst auch die Energiewende voranzutreiben.

Während die Produktion erneuerbarer Energien in Norddeutschland immer weiter zulegt, ist die Situation in Süddeutschland umgekehrt. Auf den Großhandelspreis hat das bislang jedoch keinen Einfluss – er ist in ganz Deutschland einheitlich. Doch genau das könnte die EU-Kommission bald ändern, um so einen Teil des Strommarkt-Problems in den Griff zu bekommen.

Gänzlich neu ist die Idee, Deutschlands Strommarkt aufzuteilen nicht. Dass Verbraucher – und nicht nur Großkunden – am Ende wirklich deutlich mehr oder weniger für ihren Strom zahlen müssten, wie vom „Handelsblatt“ behauptet, wird von Branchenexperten auf Nachfrage allerdings bezweifelt.

So waren gerade in Norddeutschland beispielsweise zuletzt vor allem die rasant steigenden Netznutzungsentgelte für steigende Strompreise verantwortlich. Daran würde auch der neue Zuschnitt neuer Preiszonen in Deutschland nichts ändern, da die Netznutzungsentgelte regional umgelegt werden. Zudem gibt es rechtliche Bedenken auch mit Blick auf die Umlage aus dem Gesetz zum Ausbau der erneuerbaren Energien (EEG).

Ohnehin müssen die Pläne für zwei deutsche Preiszonen wohl eher im Kontext einer größeren Diskussion gesehen werden. Die EU-Kommission sucht seit Monaten nach Wegen, um die Probleme einzudämmen, die mit Deutschlands Energiepolitik einhergehen. So beklagt Dänemark Berichten zufolge beispielsweise, seinen Ökostrom nicht nach Südeuropa leiten zu können. Ähnliche Klagen kommen aus Norwegen. Polen und Tschechien wiederum kritisieren seit längerem, dass deutscher Strom aus Deutschlands Netzen aufgrund fehlender Trassen in die Netze der Nachbarländer drängt und dort zu Überlastungen führt. Daher hatten Polen und Tschechien zuletzt eine Teilung des gemeinsamen Stromgebietes von Österreich und Deutschland gefordert. Unterstützt wurden sie dabei von der EU-Energieagentur Acer.

Hintergrund ist, dass Österreich und Deutschland sich eine Preiszone teilen. Durch eine Teilung Deutschlands und Österreichs würde, so die Überlegung, die Sogwirkung für Billigstrom aus dem Norden verringert und die Netze weniger belastet werden. Gespräche zwischen den Bundesnetzagenturen in Österreich, Polen, Tschechien und Deutschland dazu verliefen ohne Ergebnis. Eine Empfehlung der Acer zur Trennung verlief ohne Wirkung, da sie rechtlich nicht bindend war. Voraussichtlich noch in diesem Jahr will die EU neue Pläne zum Strommarkt-Design in der EU vorlegen. Gut möglich, dass Teilungspläne dann wieder in den Fokus rücken.

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