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Mecklenburg-Vorpommern : Escortaffäre: AfD-Frau Federau und ihre zweifelhaften Geschäftsgebaren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es scheint, als sei Petra Federau nicht nur einmal unangenehm aufgefallen – auch am Schaalsee.

shz.de von
erstellt am 28.Mär.2016 | 11:55 Uhr

Schwerin | So lange sie lebe, werde sie für ihr Volk und ihr Land kämpfen, postulierte Petra Federau zu Wochenbeginn auf ihrem Facebook-Profil. Danach beschloss der Landesvorstand der Alternative für Deutschland (AfD), sich von ihrer Spitzenfrau trennen zu wollen. Petra Federau soll Frauen für einen Escort-Service angeworben haben - doch das war offenbar nicht das einzige.

Kämpfen mussten mit der kampfeslustigen Dame in der Vergangenheit offenbar eher andere, unter anderem Geschäftspartner und Kommunalpolitiker. Nach Recherchen unserer Redaktion passten also bereits vor vielen Jahren Anspruch und Wirklichkeit der rührigen Unternehmerin nicht zusammen.

So hatte sie bis 2004 einen Pferdestall in Groß Rogahn gepachtet, um dort eine „Araber-Zucht“ zu etablieren. Federau stellte damals schon gern heraus, berichten Gesprächspartner, welch gute Kontakte sie in den Orient habe, und lockte Geschäftspartner wie Lokalpolitiker mit der Aussicht darauf, dass eines Tages durchaus ein Scheich vorbeischauen und Geld hier lassen könnte.

Das Problem: Der Pferdestall, den sie von einer Eigentümergemeinschaft gepachtet hatte, lag hinter dem Gutshaus Groß Rogahn und hatte keine eigene Zuwegung. Also nutzte sie für Veranstaltungen, aber auch für Bauarbeiten das Gutshaus-Grundstück – gegen den Willen des Eigentümers und ohne dafür ein Wegerecht zu haben. Nicht nur das: In den Pferdestall ließ sie – ohne Bau- und Umnutzungs-Genehmigung und ebenfalls ohne Wissen der Eigentümergemeinschaft eine Wohnung bauen. Die Ver- und Entsorgungsleitungen dafür wurden ebenfalls illegal über die Nachbargrundstücke verlegt. Federau selbst wies in einem langwierigen Rechtsstreit alle Vorwürfe zurück, gab sich ahnungs- und schuldlos. Schließlich schrieb sie dem Guthaus-Eigentümer, sie hätte doch „nie ein Grundstück gepachtet, das nur per Hubschrauber zu erreichen ist“.

Was folgte, war eine lange juristische Auseinandersetzung, in der sie sich vermeintlich durch einen Anwalt vertreten ließ: einen Dr. Ole Konrad mit Sitz in der Johannes-R.-Becher-Straße 31 in Schwerin. Der Gutshaus-Eigentümer ließ die Echtheit der Angaben überprüfen. Die Rechtsanwaltskammer MV bestätigte ihm, dass ein solcher Rechtsanwalt weder registriert noch zugelassen sei. Die Staatsanwaltschaft kam nach langer Prüfung, Wohnungsdurchsuchungen und Vernehmungen zwar zu dem Schluss, dass eine Strafbarkeit seitens Federau formal nicht nachzuweisen sei, doch koscher fand auch die Justiz ihr Vorgehen offenbar nicht. „Die Beschuldigte hat vielmehr eine nicht existierende Person erfunden und diese als Rechtsanwalt betitelt, um so den Eindruck zu erwecken, dass sie einen Rechtsanwalt beauftragt habe.“

Letzten Endes kamen Pächterin Federau, Pferdestall-Eigentümergemeinschaft und Gutshaus-Nachbar nicht mehr überein. Der Pachtvertrag wurde gekündigt. Die Eigentümer blieben auf erheblichen Kosten wegen rückständiger Pachtzahlungen und notwendiger Rückbauarbeiten sitzen, sagen sie. Allein die Bereinigung des Pferdestalls, der nach Erinnerung der Eigentümer „wie eine Messi-Bude“ hinterlassen wurde, war aufwendig. Die Enttäuschung saß tief, schließlich hatte die Eigentümergemeinschaft ursprünglich Petra Federau aus drei Bewerbern ausgewählt, „weil sie den Eindruck einer taffen Geschäftsfrau vermittelt hatte, die wüsste, wohin sie will“.

Petra Federau zog unterdessen weiter: In Badow nahe Gadebusch pachtete sie 2004 ein Schloss und etablierte dort ein Schloss- und Reithotel. Wieder schien sie überzeugend gewesen zu sein. Ein Pferdezüchter aus Pampow bei Schwerin zog zu ihr, um das „Gestüt“ zu führen. Ihr Faible für Vollbut-Araber war unstillbar, so scheint es. Das Hotel bekam relativ schnell sogar das regionale Gütesiegel „Biosphärenreservat Schaalsee – für Leib und Seele“. Unter anderem für „die vorbildliche Führung des Gestüts und dessen ökologische Bewirtschaftung“.

Doch auch hier war irgendwann plötzlich Schluss. Der genaue Zeitpunkt konnte noch nicht rekonstruiert werden, aber Betroffene berichten von ausgebliebenen Lohnzahlungen und anderen Unregelmäßigkeiten. Am Tage der Schließung wurden – so erinnern sich Augenzeugen – vorn im Hotel die Mitarbeiter vorzeitig nach Hause geschickt, während hinterm Schloss bereits Möbel in Lastwagen verladen wurden.

Doch trotz der offenkundigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten versuchte Petra Federau seinerzeit schon, in die Politik einzusteigen. Damals allerdings noch für die CDU. Sie bewarb sich für die Gemeindevertretung sowie das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Badow, zeigte zudem Ambitionen für den Kreistag Nordwestmecklenburg.

Hinweise aus der Parteimitgliedschaft erreichten den damaligen CDU-Kreisvorsitzenden Dr. Ulrich Born, vormals Justizminister von Mecklenburg-Vorpommern. Die Hinweise bezogen sich auf das zweifelhafte Geschäftsgebaren von Petra Federau in Groß Rogahn und Badow. Hinzuzufügen wären gegebenenfalls „noch andere Hinweise aus der gemeindlichen Umgebung, die ein moralisch einwandfreies Bild nicht ergeben“, hieß es in dem Schreiben von 2004. „Es mag nachvollziehbar erscheinen, dass aufgrund solcher Charakteristik ein öffentliches Amt nicht zugestanden werden kann“, formulierte der Beschwerdeführer. „Zumindest ist dies in meinem staatsbürgerlichen Denken nicht einzuordnen.“

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