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Tourismus-Industrie : Esbjerg kapert Traumschiffe

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Die dänische Nordseestadt will regelmäßiges Ziel für Kreuzfahrten werden. Ein EU-Projekt soll helfen.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 07:18 Uhr

esbjerg | Vor Sylt tauchen sie seit einigen Jahren bereits immer wieder auf - nun möchte im nördlichen Anschluss auch Esbjerg regelmäßiger Anlaufpunkt von Kreuzfahrtschiffen werden. Dazu nimmt es an einem EU-Projekt teil, das die Chancen der Nordsee-Region insgesamt für Traumschiffe ausloten soll. Die kaufkräftigen Passagiere der Traumschiffe stellen ein lukratives Kunden-Potenzial für einen krisengeplagten Einzelhandel und für die Tourismus-Industrie im Allgemeinen dar.

500 Touristen dieser Art sind erstmals in diesem Jahr jetzt an Bord der "MS Astor" der Bremer Reederei "Transocean" im Hafen der dänischen Westküstenmetropole eingetroffen. Sowohl die Betriebsgesellschaft des Hafens als auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt hegen den Wunsch, dass es viele Wiederholungen gibt. Deshalb machen sie beim EU-Projekt "Cruisegateway North Sea" mit. Es steht unter der Federführung des Hafen Hamburg Marketing e.V. Das Bündnis umfasst unter anderem Häfen wie Antwerpen, Rotterdam, Ostende und Aberdeen. Unterstützt von 1,9 Millionen Euro aus dem Interreg-Programm der EU lotet "Cruisegateway North Sea" die Möglichkeiten für mehr Kreuzfahrt-Tourismus in der Nordsee aus - nachdem dieser Wirtschaftszweig auf der Ostsee einen wahren Boom erlebt hat. "Wir wollen klären, ob es einen Markt für Kreuzschifffahrten in der Nordsee gibt", erklärt Søren Clemmensen, Verkaufs- und Marketingchef bei der Hafengesellschaft Esbjerg Havn. Er räumt jedoch ein, dass es eine schwierige Aufgabe ist, seine erst vor gut 100 Jahren entstandene Stadt zu einem Kreuzfahrthafen zu machen. "Wir haben es über viele Jahre versucht. Andererseits haben wir nicht die Ambitionen, so viele Schiffe zu uns zu holen wie es etwa Kopenhagen schafft. Es wäre schon interessant, wenn wir das Niveau ein bisschen heben könnten", sagt Clemmensen. "Denn ich denke doch, dass wir etwas anzubieten haben: den Nationalpark Wattenmeer, die Altstadt und die lange Geschichte von Ribe, Einkaufsmöglichkeiten in Esbjerg und Billund mit dem Legoland und dem zweitgrößten dänischen Flughafen." Als ein Vorteil der Nordseeregion gilt in der Branche der kurze Abstand zwischen den Häfen.

Städte wie Kopenhagen, Aarhus, Helsingør und Rønne erleben seit 2005 ein Wachstum beim Anlauf von Kreuzfahrtschiffen. In Esbjerg wurden im letzten Jahr vier Anläufe verzeichnet, aber in den Jahren zuvor gab es überhaupt keine.

Auf dem Sonnendeck der "MS Astor" herrschte bei dem Zwischenstopp breite Einigkeit, dass sich Esbjerg hervorragend als Ausflugsziel eignet. Die Wettergötter hatten getan, was sie konnten, damit sich die Gäste auf dem deutschen Schiff gut fühlten. Ein Teil von ihnen war auf eigene Faust durch die Stadt gewandert. "Wir sind zu Fuß bis zu den ,Menschen am Meer’ (Anmerkung der Redaktion: eine große Skulptur) spaziert - ein wirklich imponierendes Kunstwerk", findet Wolfgang Leyffer aus Chemnitz. Er und seine Frau Angela haben abgemacht, dass sie auf ihren Fahrrädern später im Jahr nach Esbjerg zurückkehren wollen. "Ein Tag ist zu kurz. Wir würden gerne mehr von der Umgebung entdecken", sagt Wolfgang Leyffer, der sich überrascht darüber zeigt, wie sauber Esbjerg ist. Das Gleiche gilt für Günter Nielebock aus Hannover. "Es ist hier auffallend rein. Und still und ruhig mit reichlich Platz für Fußgänger." "Und dann sind da die vielen richtig guten Schuhgeschäfte", frohlockt Marianne Lambrechts, die in mehrere Paar investiert hat. "Esbjerg ist eine tolle Stadt und ein gutes Ziel, um in eine Reise wie diese eingepasst zu werden", findet Brigitte Draganski aus Essen. "Ihr habt hier ja alles, was man braucht."

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