Payone, Ariva, Comdirect und Co. : Es geht ums Geld: Warum die Finanzindustrie auf Schleswig-Holstein setzt

Wer bei Zalando Waren bestellt, bekommt es mit Finanzdienstleistern aus Schleswig-Holstein zu tun.
Wer bei Zalando Waren bestellt, bekommt es mit Finanzdienstleistern aus Schleswig-Holstein zu tun.

SH hat keine Banken-Türme wie Frankfurt zu bieten. Die Finanzindustrie ist dennoch vertreten – wenn auch unauffälliger.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
25. März 2017, 12:11 Uhr

Kiel | Die großen Banken-Türme, wie sie das Bild von Frankfurt prägen, sucht man in Schleswig-Holstein vergeblich. Doch um den Norden herum kommt Deutschlands Finanzindustrie dennoch nicht. Gerade die Digitalisierung hat zwischen Nord- und Ostsee geholfen, Marktführer im Bereich der Finanzdienstleistungen aufzubauen. Wer heute Immobilien-Kredite vergleicht, im Internet bezahlt, sich über Börsen-Kurse informiert oder ein Online-Depot hat, dürfte mit einiger Sicherheit bei Unternehmen in Schleswig-Holstein landen. Denn ohne die geht inzwischen kaum noch etwas in der digitalen Welt der Finanzdienstleistungen.

Wer bei Zalando bestellt, mag dabei nicht an den Kieler Wissenschaftspark denken. Tatsächlich ist der Online-Händler allerdings einer von gut 3000 Kunden, die ihren Zahlungsverkehr von Payone abwickeln lassen. Das Technologie-Unternehmen, das inzwischen eine Tochter Sparkassen-Finanzgruppe ist, begann einst als Start-up in der Landeshauptstadt und zählt heute zu den am schnellsten wachsenden in Deutschland und ist einer der drei großen Dienstleister in seinem Bereich.

Die Zahl der Menschen, die im Bereich der Finanzdienstleistungen in Schleswig-Holstein tätig sind, ist seit Jahren rückläufig. So arbeiteten nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zuletzt rund 17.800 Menschen in Schleswig-Holstein in diesem Bereich – 1100 weniger als noch vor acht Jahren. In derselben Zeit jedoch sind die mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundenen Tätigkeiten um 700 Beschäftigte gestiegen, jene im Bereich der IT um mehr als 3000. Genau hier spielen viele der Finanzfirmen, die in Schleswig-Holstein Fuß gefasst haben, als Arbeitgeber eine Rolle.

Internetportale wie Ariva aus Kiel, das zu den größten Finanzportalen in Deutschland zählt, und unter anderem auch andere Unternehmen mit Börsennachrichten beliefert, sind da zu nennen. Oder die in Lübeck ansässige „Dr. Klein & Co. AG“, die heute der zweitgrößte Vermittler für private Baufinanzierungen nach dem Branchen-Primus Interhyp ist. „Wir haben letztes Jahr über 28.000 Neukunden dazu gewonnen – über alle Produktkategorien gesehen“, sagt Michael Neumann, der einst selbst bei dem zur niederländischen ING gehörenden Konkurrenten tätig war und seit Sommer letzten Jahres bei „Dr. Klein & Co.KG“ im Vorstand sitzt.

Schon früh hat das inzwischen börsennotierte Unternehmen aus der Hansestadt, dessen Wurzeln bis in die 50er Jahre zurückreichen, auf das Internet gesetzt. Mit Erfolg. 1996 zählt die Seite des Vermittlers zu den drei meist-besuchten Internetseiten im deutschsprachigen Netz. Als Internet-Konzern will Neumann „Dr. Klein & Co. AG“ dann aber doch nicht verstehen. „Wir sind eine Finanzdienstleistungsfirma, die hohe Technologie-Affinität hat“, sagt er. Und während sich Banken aus der Fläche zurückziehen, machen die Vermittler sich breit. Ein Franchise-Netz deckt inzwischen fast ganz Deutschland ab. „Bayern und Baden-Württemberg sind die letzten Bundesländer, die wir derzeit flächendeckend erschließen.“

In Kiel verweist Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) vor allem auf die guten Rahmenbedingungen, die Firmen aus dem Bereich vorfänden. Besonders hebt er die technologische Zusammenarbeit mit den Hochschulen hervor. Daneben spielen aus seiner Sicht auch nicht zuletzt die guten Lebensbedingungen eine Rolle.

Letztlich waren es gerade auch die Standortfaktoren, die einst Comdirect nach Quickborn gelockt haben. Der größte deutsche Online-Broker und obendrein eine der drei größten in Deutschland tätigen Direktbanken zählt heute mehr als drei Millionen Kunden. Neben dem akzentfreien Hochdeutsch, auf das die einst als Telefonbank gestartete Comdirect gesetzt hat, spielten nach Unternehmensangaben auch eine günstige Miete, ein vorteilhafter Gewerbesteuersatz und die Nähe zum Flughafen Hamburg eine Rolle. Neben einem sehr persönlichen Grund: Die einstigen Geschäftsführer sollen einer Sprecherin zufolge eine hohe Affinität zum nördlichsten Bundesland gehabt haben.

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