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Verkaufsoffener Sonntag in SH : Es geht um die Existenz: Neuer Widerstand gegen Bäderregelung

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tourismushochburgen an der Lübecker Bucht rüsten sich für weitere Debatte über verkaufsoffene Sonntage in Urlaubsorten.

shz.de von
erstellt am 10.Mär.2016 | 15:54 Uhr

Es soll die Keimzelle werden für erneuten Widerstand gegen beschränkte Ladenöffnungszeiten in den Küstenorten: Am Freitag treffen sich die Verbände der Einzelhändler aus Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Travemünde. „Dabei wollen wir diskutieren, wie wir weitere Orte einbeziehen und uns für Gespräche mit der Politik aufstellen“, kündigt Heinz Meyer, Vorsitzender des Aktivkreises Timmendorfer Strand, an. „Spätestens ab 2017 werden wir das Thema Bäderregelung wieder hochfahren.“ Denn im Dezember 2018 endet der derzeitige, nach langem Ringen mit der Kirche Ende 2013 gefundene Kompromiss. Und dem wollen sich die Ladenbetreiber an der Lübecker Bucht nicht länger fügen.

Kein Einkauf an Wintersonntagen - viele Tourismusorte in Schleswig-Holstein haben sich damit arrangiert. Die Händler an der Lübecker Bucht dagegen klagen über Umsatzeinbußen.

Noch ist sie sonntags wieder zu erleben, die tote Zeit in den Küstenorten. Erst nach dem 15. März dürfen Geschäfte am siebten Tag der Woche öffnen: zwischen 11 und 19 Uhr für bis zu sechs Stunden. Ab dem 1. November ist wieder Schluss; mit einer kurzen Ausnahme rund um Weihnachten und Silvester. Gegenüber der alten Bäderregelung springen acht bis zehn verkaufsoffene Sonntage weniger heraus und zwei Stunden weniger pro erlaubtem Sonntag.

„Von Jahr zu Jahr werden die Auswirkungen dramatischer“, sagt Meyer. „2014 waren sich längst nicht alle Ausflügler im Klaren über die neuen Zeiten und sind trotzdem gekommen. Inzwischen bleiben immer mehr weg, und der Umsatz in diesem Winter läuft weit unter Vorjahr. Eine mittlere Katastrophe.“ Von Einbußen von „im Schnitt um die 40 Prozent“ spricht der Vorsitzende der Einzelhändler im bekanntesten Ostseebad des Landes. „Inzwischen geht es um Existenzen.“

Laut Meyer besitzt eine große Zahl der Shops im Durchschnitt gerade mal 60 Quadratmeter Verkaufsfläche. Realistisch sei da günstigstenfalls ein Jahresumsatz von 300.000 Euro. „Wenn davon nur 20 Prozent wegfallen, reicht es nicht mehr zum Leben.“ Der Aktivkreis-Chef mit acht eigenen Boutiquen musste fünf Beschäftigte entlassen. Für den ganzen Ort spricht er von „Kündigungen im dreistelligen Bereich“, beziehe man die Gastronomie ein. Die habe auch zu leiden – „denn angesichts geschlossener Läden kommen viele Besucher auch wegen anderer Dinge gar nicht erst. „Wir haben versucht, mit verändertem Marketing den Sonnabend zu bewerben – aber da haben die Leute anderes vor“, sagt Meyer. „Ausflugstag ist und bleibt der Sonntag.“

Auch Timmendorfs Tourismusdirektor Joachim Nitz findet: „Wir müssen an das Thema Bäderregelung auf jeden Fall wieder ran.“ Nitz kündigt Gästebefragungen über das Ausflugsverhalten an. Die Antworten will er dann gegenüber der Politik als Argumentationshilfe verwenden. Ihm schwebt vor, dass eine überarbeitete Bäderregelung nicht wie jetzt für 110 staatlich anerkannte Kur- und Erholungsorte gleich ist: „Wir brauchen eine Differenzierung.“ Es solle danach gehen, „welcher Ort sich von seiner Struktur überhaupt für Einkaufserlebnisse in größerem Stil anbietet“. Nach Einschätzung von Nitz geht es dabei landesweit um rund zehn Gemeinden, denen längere Öffnungszeiten wichtig sind.

Laut Aktivkreis-Chef Meyer entscheidet vor allem die zügige Erreichbarkeit aus dem Raum Hamburg darüber, ob ein Ort Sonntagsöffnungen braucht. Je dichter dran, desto mehr Tagesgäste ließen sich mobilisieren. So erklärt er sich auch, warum gerade die Lübecker Bucht immer wieder als Widerstandsnest gegen die Bäderregelung von sich reden macht.

Nach Wahrnehmung von Dierk Böckenholt, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Nord, ist „die Kritik anderswo inzwischen nahezu verhallt“. „Klar war es vorher besser, aber die meisten leben jetzt damit“, sagt etwa Ron Glauth vom Verein Sylter Unternehmer. „Die Regelung ist halt ein Kompromiss – ein bisschen weh tut sie deshalb beiden Seiten.“

Martin Krohn vom Wirtschaftskreis Eckernförde erklärt: Wenn an einem Wintersonntag die Sonne scheine, seien die Umsatzeinbußen zwar „nicht unwesentlich“ – aber es sei eben auch längst nicht an jedem Wintersonntag gutes Wetter. „Im Großen und Ganzen haben wir uns damit arrangiert, wie es jetzt ist“, sagt Krohn. „Die Frage ist, ob es bei Neuverhandlungen besser würde als bei einer schlichten Verlängerung der jetzigen Regelung – denn dann bringt ja nicht nur der Handel, sondern auch die Kirche ihre Anliegen neu ein.“

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