Nach Ausstieg : Erster Gesellschafter tritt aus: Landestheater vorm Kollaps

Will vermitteln: Anke Spoorendonk.
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Will vermitteln: Anke Spoorendonk.

Nach dem Ausstieg des Kreises Dithmarschen droht das Gesamtkonstrukt des Landestheaters Schleswig-Holstein zusammenzubrechen. Kulturministerin Anke Spoorendonk will dies verhindern.

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19. Juli 2015, 11:16 Uhr

Heide | Seit gut einem Jahr stehen das Schleswig-Holsteinische Landestheater und das Sinfonieorchester unter der Kategorie „gefährdet“ auf der „Roten Liste Kultur“ des Deutschen Kulturrates. Doch  ab jetzt muss die größte Landesbühne in Deutschland mit Spielstätten in Flensburg, Schleswig, Itzehoe, Rendsburg, Neumünster, Heide, Husum, Meldorf und Friedrichstadt als „akut gefährdet“ geführt werden.

Nach einer umkämpften Debatte votierte am späten Freitagabend der Kreistag Dithmarschen auf einer eigens zu diesem Thema angesetzten Sondersitzung mit 25 zu 16 Stimmen bei zwei Enthaltungen für die Kündigung der Beteiligung am Landestheater zum 31. Juli dieses Jahres. Damit ist Dithmarschen der erste Gesellschafter, der das Landestheater Ende Juli 2019 verlässt.  

Für Kulturministerin Anke Spoorendonk ein schwerer Schlag. „Diese Entscheidungen ist für mich als Kulturministerin dieses Landes nicht nachvollziehbar. Ich bedauere die Entscheidung sehr. Hier wird weit über den Kreis Dithmarschen hinaus ein großer Schaden angerichtet. Dieses Signal ist umso unverständlicher, als dass selbst die Dithmarscher Kreisstadt Heide und die Stadt Meldorf als Gesellschafter sich klar zum Landestheater bekennen. Ich bitte alle Beteiligten daher eindringlich, sich an einen  Tisch zu setzen und alle Möglichkeiten zu prüfen, um diesen Schaden abzuwenden. Ich bin gerne bereit, dabei zu sein“, so die SSW-Politikerin gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag und warnt: „Die Landestheater-GmbH ist ein Erfolgsmodell, das nur im Verbund aller Gesellschafter funktioniert. Gemeinsames kulturpolitisches Ziel muss daher sein, das Landestheater in seiner Struktur zu erhalten.“

Doch gerade dieser Verbund bröckelt. Nachdem das Theater in Schleswig 2011 wegen Einsturzgefahr geschlossen worden war, hatten bereits mehrere Kreise über eine Kündigung ihrer Beteiligung nachgedacht, sich bislang aber trotzdem immer zum Landestheater bekannt. Generalintendant Peter Grisebach warnte im Vorfeld der Sondersitzung in Heide, dass ein Ausstieg „inhaltlich nicht abzufangen und für die Menschen in diesem Gebiet nicht zu vertreten“ sei.

Dominoeffekt droht Und was noch schwerer wiegt: der nächste Gesellschafter steht auf dem Sprung, um von Bord zu gehen. Im Landkreis Schleswig-Flensburg steht ebenfalls ein Austritt auf der Agenda, dies hatten mehrere Parteien für den Fall angekündigt, dass ein Gesellschafter die Theater-GmbH verlassen sollte. Daher droht durch den Beschluss des Kreistages Dithmarschen ein verheerender Dominoeffekt für das Landestheater, dessen rund 330 Beschäftigte für über 700 Vorstellungen pro Spielzeit auf die verschiedenen Bühnen bringen.

Im Kreis Dithmarschen sieht man das Problem aus ganz anderen Perspektiven: „Die Kündigung bedeutet für den Kreis nicht weniger Kultur“, sagt der FDP-Kreisvorsitzende Oliver Kumbartzky, dessen Fraktion den Austritt gemeinsam mit von CDU und UWD gegen den Widerstand von SPD, Grüne und Linken durchgesetzt hatte. Der Kreis spart dadurch künftig 180.000 Euro jährlich. Davon sollen 100.000 Euro für die Förderung von Kulturprojekten im Dithmarschen eingesetzt werden, ein entsprechendes Konzept wird in den nächsten vier Jahren erarbeitet. So soll zum Beispiel das Elbeforum in Brunsbüttel davon profitieren, das jährlich 25.000 Besucher anlockt, aber nicht vom Landestheater gefördert wird. Und außerdem, so die Überzeugung der Theater-Verlasser, sei das Kulturangebot in und um Hamburg deutlich attraktiver und vor allem näher. Die großen Spielstätten des Landestheaters in Rendsburg, Flensburg und Schleswig seien für Dithmarscher nur schlecht zu erreichen.

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