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Marode Infrastruktur : Erste Betriebe investieren nicht mehr in SH

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sind Meldungen über Abwanderung von Unternehemen „Horrorgeschichten“? Grüne und der Unternehmensverband Nord streiten sich.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2014 | 06:33 Uhr

Kiel | Ungewöhnlich scharf haben die Unternehmensverbände Nord die Politik kritisiert: „Wenn die Verkehrspolitik so weiter geht, haben wir kaum eine Chance, Betriebe in der Region anzusiedeln oder zu halten“, sagte UV-Nord Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich gestern in Kiel, wo zeitgleich die Verkehrsministerkonferenz tagte. Erste Unternehmen prüften schon, ob sie nicht aus  Schleswig-Holstein abwandern sollten, so Fröhlich.

Eines davon ist die Firma Wohlert Kühl Logistik mit Sitz in Borgstedtfelde (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und Bollingstedt (Kreis Schleswig-Flensburg). „Wir haben 2011 ein neues Kühlhaus in Bollingstedt errichtet. Hätten wir gewusst, wie die Situation an der Rader Hochbrücke wird, hätten wir das südlich von Hamburg gebaut“, sagt Geschäftsführerin Julia Wohlert. Es sei  schwer, Fahrpläne einzuhalten, Umsatzeinbußen  seien an der Tagesordnung. Auch Harald Striewski vom Hobby-Wohnwagenwerk in Fockbek bei Rendsburg bezeichnet die Verkehrssituation als Katastrophe. „Schon mehrfach ist es vorgekommen, dass wir die Produktion unterbrechen mussten, weil Laster mit Rohstoffen im Stau steckten.“ Und Julia Wohlert sagt: „Wir investieren auf jeden Fall nicht mehr in Schleswig-Holstein. Wir erwarten von der Politik mal ein Signal, damit wir das Gefühl haben, dass sich jemand kümmert.“

Das erwartet auch der UV-Nord, der eine Prioritätenliste der zehn wichtigsten Verkehrsprojekte vorstellte, die der Wirtschaft am Herzen liegen – darunter die Hinterlandanbindung für die feste Fehmarnbeltquerung, die Vertiefung der Elbe, der Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals und der Weiterbau der A20 inklusive westlicher Elbquerung. „Wir wollen in Berlin mehr Dampf auf den Kessel bringen“, sagte Fröhlich, der die Arbeit von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) lobte. An den Grünen ließ Fröhlich jedoch kein gutes Haar. „So lange die Grünen in welchem Land auch immer in Regierungsbeteiligung sind, wird das nichts mit einem vernünftigen Verkehrskonzept.“ Ein Verkehrsminister sei nicht glaubwürdig, wenn er „seine eigene Koalition nicht in Ordnung“ habe. Folge man den Plänen der Grünen, werde die A20 endgültig beerdigt, und das schade der gesamten deutschen Wirtschaft.

„Herrn Fröhlichs Vorwurf ist eine polemische Attacke. Der UV Nord sollte aufpassen, dass er nicht in ein parteipolitisches Lager abdriftet“, sagt Andreas Tietze, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. Meldungen über Abwanderung von Unternehemen nennt er „Horrorgeschichten“. Die Grünen hätten dafür gesorgt, dass mit der Energiewende Potenzial für neue Unternehmen in Schleswig-Holstein entstehe. Tietze: „Herr Fröhlich stützt nur die old economy.“

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