Brand auf dem Erdmann's Hof : Erntevorräte vernichtet: Zu wenig Futter für die Bio-Kuh

Erdmann Voß sorgt sich um seine Tiere.

Erdmann Voß sorgt sich um seine Tiere.

Über 1000 Rundballen sind verbrannt. Der Hof ist jetzt auf Hilfe angewiesen, um seine Produktion zu sichern.

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01. August 2018, 13:49 Uhr

Krukow | Die Feuerwehr hat ihre Sachen eingeräumt, der Rauch hat sich verzogen: Auf dem Erdmannshof in Krukow (Kreis Herzogtum Lauenburg) kehrt nach dem Großbrand vom vergangenen Freitag langsam wieder Ruhe ein. Doch Ute und Erdmann Voß treiben Sorgen um. Sie müssen Futter für ihre etwa 200 Tiere besorgen, denn mit den 1000 verbrannten Rundballen Stroh, Heu und Silage wurde der gesamte Futtervorrat für den Winter vernichtet.

„Eigentlich standen wir mit unserem Futtervorrat ganz gut da und wollten das frühe Ende der Ernte in diesem Jahr nutzen, um neues Grünland einzusäen“, sagt Erdmann Voß am Montag. Doch jetzt muss er zusehen, wie er an Futter für die Tiere kommt. Weil der Erdmannshof ein zertifizierter Biohof (Demeter) ist, darf nur Biofutter eingesetzt werden. „Weil es dieses Jahr so unglaublich trocken ist, haben viele Landwirte mit Kühen ein Problem, an Heu zu kommen. Bei uns hat es sich jetzt durch den Verlust, den das Feuer ausgelöst hat, massiv verschärft“, berichtet Voß. Zwar sind die Rundballen versichert, doch es ist schwer, Ersatz zu bekommen.

Priorität: Sichern der Tier-Versorgung

300 Ballen hat er zum Glück noch auf einem Feld bei Kollow liegen, sechs Hektar Sommergerste kann er noch einfahren und bei Buchhorst zwölf Hektar Extensivierungs-Fläche mähen. Als Extensivierung landwirtschaftlicher Flächen bezeichnet man die Nutzung von landwirtschaftlichen Böden mit geringem Eingriff des Bauern.

„Es gibt Futterbörsen, auf denen ich mich jetzt umsehe und versuche, noch etwas zu bekommen“, so Voß. Bei Rostock hat er bereits 200 Rundballen gekauft. „Da kommt dann aber die Transportproblematik dazu, das ist ja eine Strecke, die ich nicht mit dem Traktor samt Anhänger zurücklegen kann.“ Ein Lkw-Fahrer aus Lauenburg hat spontan Hilfe angeboten. Kraftstoffkosten kann Voß dank einer ins Leben gerufenen Spendensammlung decken.

„Wir können nicht einfach konventionell angebautes Heu oder Stroh nutzen“

Eine Folge des Futter-Notstands ist, dass auf dem Erdmannshof bereits zeitnah Tiere geschlachtet werden, statt wie sonst im Oktober und November. „Die Kühe brauchen jetzt das beste Futter, bei den anderen Tieren müssen wir halt gucken, welche wir noch versorgt bekommen“, erklärt Voß. Der Erdmannshof ist für seinen biologischen Landbau bekannt, außerdem für seinen Käse mehrfach preisgekrönt. „Wir können nicht einfach konventionell angebautes Heu oder Stroh nutzen, damit würde unsere ganze Produktionskette zusammenbrechen“, verdeutlicht der Biobauer die Situation.

Voß: Dank an Feuerwehrleute, Helfer und Spender

Glücklich macht den Landwirt bei aller Sorgen die „gigantische Solidarität“, die man erfahren habe. „Es ist einfach schön, aus welchen Ecken alles Hilfe kommt“, sagt Voß. Dringend nötig sind weitere Transportkapazitäten, um die neuen Futtervorräte nach Krukow holen zu können. Außerdem hofft er auf Regen, damit das neu eingesäte Grünland ordentlich wächst. „Dann können unsere Tiere vielleicht etwas länger draußen bleiben“, sagt er.

Aufgrund der Hitze geben die Kühe aktuell etwa 20 Prozent weniger Milch als üblich, eine weitere Reduzierung durch schlechtes Futter würde zu Engpässen in der für die Käserei nötige Milch führen. „Es ist wirklich gerade eine bescheidene Situation, aber wir tun alles, um sie zu meistern und sind stolz darauf, dass wir so viel Unterstützung erhalten. Das hätte ich so nicht erwartet.“.

Einen ausdrücklichen Dank richtet die Familie Voß auch an alle Einsatzkräfte, die von Freitag bis Dienstag gelöscht und geholfen hatten.

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