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Energiewende : Erneuerbare Energien: Wegwerf-Strom verschlingt Hunderte Millionen Euro

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Oft bleiben erneuerbare Energien ungenutzt. Die Bürger müssen trotzdem zahlen.

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2016 | 21:27 Uhr

Laut Prognose der Bundesnetzagentur werden die Schleswig-Holsteiner so viel Geld wie nie zuvor für Ökostrom ausgeben, der gar nicht verbraucht wird. Wie die Antwort des Energiewendeministeriums von Robert Habeck (Grüne) auf eine Kleine Anfrage der Piratenfraktion zeigt, haben sich die Ausgaben für Entschädigungen der Ökostromproduzenten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2012 wohl verzehnfacht.

Schleswig-Holstein produziert viel Strom aus erneuerbaren Energien. Doch der Netzausbau kann damit nicht Schritt halten. Das Resultat: Es bleibt Strom in der Luft hängen.

Vor vier Jahren zahlten die Bürger über Netzentgelte noch 25 Millionen Euro für nicht genutzten Ökostrom – allein für die ersten drei Quartale 2015 waren es aber schon 173 Millionen. Das liegt daran, dass immer häufiger Strom aus Erneuerbaren Energien abgeregelt – also gar nicht in die Netze eingespeist – wird, weil die überlastet sind. 2013 betrug der Anteil 2,2 Prozent, im Jahr 2014 lag er schon bei 8,1 Prozent des produzierten Stroms. Allein mit dem Wegwerfstrom, der in den ersten drei Quartalen 2015 angefallen ist, hätte man 484.000 Haushalte ein Jahr lang mit Energie versorgen können.

Der Strom aus Erneuerbaren Energien bleibt ungenutzt, weil der Netzausbau zulange verschleppt wurde. „In Schleswig-Holstein sind wir seit vier Jahren gut davor und kommen schneller voran als der Rest der Republik – aber vor allem der Bund hängt“, klagt Habeck. „Der Netzausbau muss mit hoher Priorität vorangetrieben werden.“ Zudem brauche das Land zusätzliche Möglichkeiten, den Strom zu nutzen statt ihn abzuschalten.

Genau das verlangt Nicole Knudsen, Sprecherin des Bundesverbandes Windenergie in Schleswig-Holstein. „Wir haben tierisch Bock auf die Energiewende“, sagt sie. Die Windmüller seien auch unzufrieden, wenn die Räder abgeregelt werden, denn die Entschädigung zu erhalten dauere wegen des hohen bürokratischen Aufwands mitunter Jahre. „Deswegen wollen unsere Windmüller neue Märkte erschließen und etwa Strom ins Fernwärmenetz bringen – oder damit Wasserstoff produzieren und ins Erdgasnetz gehen.“

Habeck unterstützt das, verweist jedoch auf die gerade im Bundeskabinett verhandelte Reform des Erneuerbare Energiengesetzes: „Der Vorschlag der Bundesregierung bleibt hinter dem, was möglich und sinnvoll ist, zurück.“ Und deswegen „erwarten die Netzbetreiber in Schleswig-Holstein in den nächsten Jahren einen phasenweisen weiteren Anstieg von Abregelungen und Entschädigungsansprüchen“.

Das findet Jutta Reichardt „skandalös“. Die Sprecherin der Initiative Windwahn aus Neuendorf-Sachsenbande (Kreis Steinburg) fordert eine Abschaffung des Gesetzes. „Warum wird eine Branche, die läuft, weiter gefördert? Der Bäcker, der seine Brötchen nicht verkauft, bekommt dafür doch schließlich auch keine Entschädigung.“ 


Kommentar: Eine teure politische Irrfahrt

Von Bernd Ahlert

Das kommt dabei raus, wenn von staatlicher Seite marktwirtschaftliche Regeln außer Kraft gesetzt werden und Planwirtschaft verordnet wird. Nichts anderes ist im Zuge der Energiewende geschehen. Das Resultat: Die Windmüller reiben sich die Hände und produzieren, was das Zeug hält, weil mit jeder Kilowattstunde Strom satte und vor allem garantierte Gewinne erzielt werden.

Egal, ob der produzierte Ökostrom verwendet wird oder nicht – er wird üppig zum Festpreis bezahlt. Das ist der Traum eines jeden Unternehmers. Zugleich herrscht pures Planungschaos: Wildwuchs beim Bau neuer Windkraftanlagen und Schneckentempo beim Bau neuer Stromleitungen. Und der Gipfel dieses Irrsinns: Durch den staatlich verordneten Verkauf des Ökostroms an der Börse sinken die Einkaufspreise, was dazu führt, dass die EEG-Umlage immer weiter steigt. Das ist absurd. Aber die Energiewende-Politiker dieser Republik stört das alles herzlich wenig. Es kommt ja nicht darauf an.

Schließlich sind es die Verbraucher, die zur Kasse gebeten werden, die Jahr für Jahr höhere Stromrechnungen begleichen müssen, ohne Hoffnung auf sinkende Preise – und die damit die volle Rechnung für die Energiewende bezahlen. Das Ganze ist ein outgesourctes Subventionssystem auf Kosten der Stromverbraucher – ein teure politische Irrfahrt. 
 

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