Nach Einsatz von giftigem Löschschaum : Ermittlungen gegen Einsatzleiter der Feuerwehr Heide

Der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein und der Kreisfeuerwehrverband Dithmarschen stellen sich hinter einen Einsatzleiter. Er soll bei einem Einsatz im September 2014 giftigen Löschschaum benutzt haben.

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09. Januar 2015, 12:51 Uhr

Kiel | Die Staatsanwaltschaft in Itzehoe hat die Ermittlungen gegen den Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Heide aufgenommen. Grund für die Untersuchungen ist ein Großbrand in Dithmarschen, im September 2014, bei welchem die Feuerwehr mit verbotenem Löschschaum arbeitete. Dieser darf außerhalb von Industrieanlagen nicht eingesetzt werden, sagte der Itzehoer Staatsanwalt Uwe Dreeßen am Donnerstag. Der Löschschaum hatte für die Verunreinigung des Bodens gesorgt. Die Versicherung des geschädigten Landwirtes weigert sich, die Entsorgungskosten zu übernehmen.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung des Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein und des Kreisfeuerwehrverbandes Dithmarschen stellten sich die beiden Verbände hinter den Einsatzleiter. „Dieser Fall zeigt, welch hohe Verantwortung ein Einsatzleiter hat. Aber es darf hier keinesfalls die Verhältnismäßigkeit außer Acht gelassen werden“, sagen Landesbrandmeister Detlef Radtke und Kreiswehrführer Hans-Hermann Peters. Im Einsatzfall müssen binnen Sekunden Entscheidungen getroffen werden, über die sich dann bei Nachbetrachtungen monatelang gestritten werden kann.

Zuvor hatte dem Ehrenamtler bereits die Stadt Heide das Vertrauen ausgesprochen und ihm Rechtsbeistand gewährt, heißt es in der Pressmitteilung.

Bei dem Einsatz in Heide sei eine große Halle betroffen gewesen, in der Tausende von gepressten Rundballen gelagert waren. Um die „Oberflächenspannung des Wassers herabzusetzen“ und eine „löschwirksame Eindringtiefe des Wassers in die gepressten Ballen zu ermöglichen“, sei Schaummittel in geringer Dosis als Netzmittel eingesetzt worden. Aus den Einsatzprotokollen sei belegbar, dass von den Nachbarwehren ausdrücklich „sogenanntes Mehrbereichsschaummittel“ benötigt werde, sagten Radtke und Peters.

Da in der Folge große Mengen Schaummittel angeliefert worden seien, sei eine vorherige Analyse über die Zusammensetzung in der „heißen Phase des Einsatzes“ kaum praktisch durchführbar gewesen. „So ist zu erklären, dass in diesem Fall ein Mittel zum Einsatz kam, das zwar auch die Funktion als Netzmittel erfüllte, aber in seiner chemischen Zusammensetzung nur für Industrieanlagen Verwendung finden darf“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Der Kreisfeuerwehrverband Dithmarschen und der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein würden das weitere Verfahren aufmerksam beobachten und alle Möglichkeiten nutzen, um den Ehrenbeamten zu unterstützen.

Das Ermittlungsverfahren richtet sich zunächst gegen Unbekannt, da nicht feststeht, welche der eingesetzten Wehren im Herbst letzten Jahres den Löschschaum eingesetzt hat. Bei dem Brand eines Strohlagers in Heide im September 2014 waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft insgesamt 17 Wehren beschäftigt. Dem Verantwortlichen drohen bis zu fünf Jahre Haft beziehungsweise eine Geldstrafe, sagte Dreeßen.

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