Kampf gegen das Insektensterben : Erfolgreiches Projekt: Der Goldene Scheckenfalter zurück im Norden

Symbol für eine intakte Natur: Der Goldene Scheckenfalter.
Symbol für eine intakte Natur: Der Goldene Scheckenfalter.

Die Stiftung Naturschutz hat es geschafft, den seltenen Schmetterling wieder anzusiedeln.

shz.de von
30. August 2018, 20:44 Uhr

Das Projekt war hoch umstritten, weil 15 Hektar Fichtenwald abgeholzt und der Waldboden auf drei Meter Tiefe für viel Steuergeld ausgetauscht wurde. Doch inzwischen gibt es nicht nur Tadel, sondern auch viel Lob für die Stiftung Naturschutz, der es mit diesen Eingriffen gelungen ist, den seltenen Goldenen Scheckenfalter in Schleswig-Holstein wieder anzusiedeln.

Insgesamt 15 Millionen Euro (davon zwölf aus Brüssel) wurden ausgegeben, um im Rahmen des „Life Aurinia“-Projekts die Artenvielfalt im Norden zu erhöhen. „Es ging darum, Lebensräume aufzuwerten, seltene Pflanzen zu etablieren und zahlreiche Insekten anzusiedeln“, betonte am Donnerstag Stiftungschef Walter Hemmerling in Kiel.

Mehr als 120.000 Pflanzen wurden in der Stiftungseigenen Gärtnerei in Eggebek bei Schleswig aus Wildsamen gezogen und in 14 ausgewählten Projektgebieten ausgepflanzt. Darunter der Teufelsabbiss – das Leibgericht der Scheckenfalter –, aber auch Arnika , Klappertopf oder die Heidenelke. Die neuen bunten Wiesen pflegen jetzt Robustrinder, halbwilde Pferde und neuerdings Ziegen. „Wir haben die wohl größte Ziegenherde in ganz Nordeuropa“, berichtet der Stiftungs-Chef stolz. Die meisten grasen bei Itzehoe.

Der große Star ist jedoch der Goldene Scheckenfalter, der in fünf der 14 Projektflächen inzwischen heimisch geworden ist. Dafür wurden 100.000 Raupen in Dänemark, in der Region Skagen, eingesammelt und 1300 Schmetterlinge gezogen und ausgesetzt. Der Falter gilt als „Schirmart“ und Indikator für naturnahen Lebensraum. „Wo er fliegt, geht es auch anderen Insekten gut“, erklärte Projektleiterin Antje Walter. Dafür sei es nötig gewesen, zunächst geeignete Lebensräume zuschaffen – also Moore, Dünen und Heidelandschaften – und dann die Art anzusiedeln. Die Stiftung habe mit diesem von Brüssel großzügig unterstützten Programm dem Insektensterben gegengewirkt und auch Neuland betreten. Bislang seien solche Ansiedlungen nur bei Wirbeltieren üblich gewesen.

Ob die Wiederansiedlung des Scheckenfalters von Dauer ist, bleibt dennoch abzuwarten. Momentan wird der Bestand auf rund 1000 Falter geschätzt. Wie sich der diesjährige heiße Sommer auf die Population auswirke, werde das kommende Jahr erst zeigen. Der Akzeptanz der Renaturierungsmaßnahmen, die vor fünf Jahren auf breiten Protest in der Bevölkerung stieß, weil im waldarmen Norden Fichtenschonungen abgeholzt wurden, werde das jedoch nicht schaden. „Das Projekt betrachten viele jetzt wohlwollend“, so Hemmerling.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen