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Öl in Angeln : Erdöl-Suche nicht transparent genug: Angeliter greifen Habeck an

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Der Umweltminister versprach umfassende Information. Die Erdöl-Gegner bemängeln, dass sie von der zusätzlichen Suche nach Gas nichts gewusst hätten.

shz.de von
erstellt am 17.Jun.2016 | 12:50 Uhr

Sterup | Die Erdöl-Suche in der Region Angeln ist seit Monaten ein Streitthema. Nun haben Gegner des Projekts Landesenergieminister Robert Habeck (Grüne) erneut angegriffen. Habecks Versprechen, das bergrechtliche Verfahren transparent zu gestalten, sei auf ganzer Linie gescheitert, heißt es in einer Erklärung der Initiative „Angeliter bohren nach“. Demnach soll das Ministerium verschleiert haben, dass das Unternehmen Central Anglia neben Öl auch nach tieferliegendem Gas suchen will.

Im Januar 2015 wurden bei Oberflächenbohrungen Hinweise auf Erdölvorkommen in der Nähe von Sterup gefunden. Auch wenn das umstrittene Förderungsverfahren Fracking ausgeschlossen wurde, fürchten die Bewohner der Region größere Eingriffe in die Natur, Erdbeben, Verseuchungen und Unfälle.

Eine Ministeriumssprecherin wies den Vorwurf zurück. Die Behörde habe in ihren Mitteilungen beide Bodenschätze genannt und dies stünde auch in den der Bürgerinitiative (BI) vorliegenden Anträgen. „Dass sich die Diskussionen vor allem um die Aufsuchung von Erdöl drehten, ist richtig, da dies der wahrscheinlichere Bodenschatz ist“, teilte sie mit. Aus einem Änderungsantrag gehe zudem hervor, dass weniger als 1500 Meter tief gebohrt werden solle, was ebenfalls für die Suche nach Erdöl spreche.

Bemerkenswert ist der Streit dennoch: So waren unter anderem in der öffentlich gemachten Fassung des Hauptbetriebsplans für die Rohstoffsuche Passagen geschwärzt worden, die die Gassuche thematisieren. Dies habe das auch für Schleswig-Holstein zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover zu verantworten, erklärte die Ministeriumssprecherin. Aus der Sicht ihres Hauses, das zugleich die Fachaufsicht über das LBEG hat, hätten die Stellen nicht entfernt werden müssen. „Entsprechende Austauschseiten werden der BI kurzfristig zur Verfügung gestellt“, versprach die Sprecherin nun den Angelitern. Bereits vor Wochen hatte das Ministerium dem LBEG nach einem Streit zudem die Zuständigkeit für die Entgegennahme von Anträgen auf Öl- oder Gassuche entzogen.

Ob die neuen Seiten die Bürgerinitiative umstimmen? „In jedem Fall ist das Vertrauensverhältnis zu der Firma und den Genehmigungsbehörden bereits jetzt irreparabel zerstört“, hieß es in der zuvor verbreiteten Erklärung. Dabei geht der Ministeriumssprecherin zufolge selbst mit den Schwärzungen „deutlich hervor, dass auch die Erkundung von potenziellen Gaslagerstätten im Zechstein umfasst ist“.

Grundsätzlich gelte zudem: Informationen über die berechtigte Vermutung, in welcher Schicht und Tiefe welche Bodenschätze vorhanden sein könnten, „können Betriebsgeheimnisse darstellen“. Die BI spricht dagegen von einem rechtswidrigen Vorgang. Geschwärzt werden dürften nur Geschäftsgeheimnisse.

Unter dem Grund und Boden der Angeliter vermutet Central Anglia jede Menge Öl und Gas. In einem rund 183 Quadratkilometer großen Sektor darf die in Norwegen registrierte Aktiengesellschaft, hinter der ein unbekannter nordrhein-westfälischer Geldgeber steckt, zunächst oberflächlich Bodenproben nehmen. Die Angeliter befürchten bei einer etwaigen Förderung unter anderem Verunreinigungen ihres Trinkwassers.

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