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Organspende : Er schenkte ihr ein neues Leben

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Ein großer Liebesbeweis: Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier spendete seiner Frau in der vergangenen Woche eine Niere. Auch ein Paar aus Flensburg unterzog sich dieser Prozedur.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2010 | 07:17 Uhr

Flensburg | Die Krankheit kam schleichend. Barbara Matthiesen*, die aus privaten Gründen ihren richtigen Namen nicht öffentlich machen möchte, ahnte schon vor 20 Jahren, dass mit ihrem Körper etwas nicht stimmt. Immer wieder hatte sie Blut im Urin.
2004 brachte eine Biopsie die traurige Gewissheit: Die gelernte Krankenschwester aus Flensburg litt unter einer fortschreitenden Nierenentzündung. MPGN Typ 1 lautete die Diagnose, eine chronische Erkrankung. Die Ärzte bereiteten Matthiesen auf ein Leben mit Dialyse (Blutwäsche) vor.
2006 starb sie ihren "ersten Tod"
"Ich habe mich an dieser Diagnose abgestrampelt, sie verdrängt, nach alternativen Therapiemöglichkeiten gesucht", sagt die heute 45-Jährige. Doch das Nierenversagen war unaufhaltsam. Im Mai 2006 starb Matthiesen, wie sie sagt, ihren "ersten Tod". Ihre Blutwerte wurden immer schlechter, Durchfall kam hinzu, das Wasser in ihren Beinen stieg. Auf ihrem 500 Meter langen Fußweg zur Arbeit musste sie sich drei Mal hinsetzen. Chronische Erschöpfung führte dazu, dass sie viel schlief, schließlich gar nicht mehr richtig wach wurde.
Barbara Matthiesen war dem Tod näher als dem Leben, als sie das erste Mal ins PHV-Dialysezentrum Flensburg-Weiche kam. "Für mich war das ein schlimmer Schritt. Aber selten habe ich mich so gut aufgehoben gefühlt wie dort." Drei Mal in der Woche wurde nun ihr Blut gereinigt. Montags, mittwochs und freitags hing sie nachts an der Maschine, die die Aufgaben ihrer Nieren übernahm. "Mir ging es sofort besser, ich konnte auch wieder arbeiten gehen", sagt Matthiesen. Trotzdem war ihre Lebensqualität stark eingeschränkt. "Die Dialyse macht einsam, weil sie viel Zeit in Anspruch nimmt, weil man oft erschöpft ist, früh ins Bett geht." Außerdem musste sie eine strenge Diät einhalten, beispielsweise auf Schokolade und Obst fast vollständig verzichten.
"Ich hätte ihn nie gebeten, das zu tun"
Sie entschied bald, sich auf die Warteliste für eine Organtransplantation setzen zu lassen. Doch schnell war klar, dass es bis zu neun Jahre dauern konnte, bis für Barbara Matthiesen eine Spenderniere zur Verfügung steht. Im Mai 2007 geschah dann für die Flensburgerin das Unfassbare: Ihr Lebenspartner Alexander Petersen*, mit dem sie damals erst ein gutes Jahr zusammen war, bot ihr eine seiner Nieren an. "Ich hätte ihn nie gebeten, das zu tun. Für mich war es eine Herausforderung, dieses Geschenk anzunehmen."
Petersen hält sich dagegen nicht für den großen Gönner. "Natürlich habe ich es getan, weil ich wusste, dass ich ihr damit helfe. Aber ich traf die Entscheidung nicht völlig uneigennützig. Auch für mich hat es Vorteile, dass meine Partnerin nicht mehr zur Dialyse muss und jetzt fitter ist als früher." Eineinhalb Jahre bereitete sich das Paar intensiv auf die Transplantation vor. Am 1. Oktober 2008 war es dann so weit: In der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) kam erst Petersen, dann Matthiesen auf den Operationstisch.
Zweifel, ob sich die OP gelohnt hat
Die Zeit nach der Operation war nicht einfach. Während es Petersen schnell besser ging und ihn heute nur noch eine Narbe an die Transplantation erinnert, litt seine Freundin unter starken Schmerzen und immer neuen Nierenbeckenentzündungen. Die Angst war groß, dass Matthiesens Körper die neue Niere abstoßen könnte. Petersen: "Das war hart. Wir fragten uns damals, ob sich die OP überhaupt gelohnt hat." Doch nach einem guten halben Jahr ging es Barbara Matthiesen besser.
Inzwischen führt sie ein fast normales Leben. Zwar nimmt sie täglich Medikamente und muss auf sich und ihren Körper mehr achten als gesunde Menschen. Aber sie muss nicht mehr zur Dialyse, kann spontan verreisen, mit ihrem Partner Fahrrad fahren und essen, was sie möchte. Rückblickend sagt sie: "Mein Partner hat mir wirklich dass irrste Geschenk gemacht, das man einem Menschen machen kann. Das werde ich ihm nie vergessen."
*Namen geändert

Organspende
12.000 Menschen in Deutschland warten jährlich auf eine Organspende, 8000 davon auf eine neue Niere. Eine Lebendspende ist nur zugunsten eines engen Verwandten, Ehepartners, Verlobten oder einer anderen dem Spender nahe stehenden Person möglich. Näheres regelt das Transplantationsgesetz.

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