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Beseitigung der Kadaver : Elfenbein und Biodiesel: Was aus den toten Pottwalen wird

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein trauriges Bild: Acht Tote Wale liegen am Strand. Nun müssen sie irgendwie weg und entsorgt werden. Fragen und Antworten zum Ablauf.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 21:01 Uhr

Kaiser-Wilhelm-Koog | Nach dem Tod der Wale müssen sich die Verantwortlichen nun um die Beseitigung der acht verendeten Pottwal-Jungbullen im Kaiser-Willhelm-Koog kümmern. Aufgrund des starken Windes und der Flut musste der Beginn der Bergung auf Mittwoch vertagt werden. Was mit den Kadavern geschehen wird, ist bereits größtenteils durchgeplant.

Wo werden die Kadaver hingebracht?

Die Mitarbeiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) werden mit einem Kettenfahrzeug an die Tiere herangefahren. Nach der Teilzerlegung und der Prüfung durch Veterinäre und Techniker werden die Pottwale am Deich mit speziellen Gerätschaften in Container geladen und per Lkw zum Lagerplatz 2 im Meldorfer Speicherkoog transportiert. Dort sollen die Tiere weiter zerlegt und untersucht werden. Die in Jagel ansässige Firma Rendac wird sich in der nächsten Woche um den finalen Abtransport und um die Tierkörperbeseitigung kümmern.

Was hat es mit dem „Elfenbein“ auf sich?

Zunächst sollten am Dienstag die Kiefer der Wale geborgen – besser gesagt: beschlagnahmt – werden. Denn wie man bei einem Pottwal vor Nordstrand sehen konnte gibt es Vandalen, die es auf die zehn bis 20 Zentimeter langen Zähne abgesehen haben. Deren Material  wird als Elfenbein bezeichnet

Da Pottwale eine gesetzlich streng geschützte Art sind, darf damit kein Handel betrieben werden. Das geborgene Elfenbein bleibt laut Umweltministerium der Nutzung in Öffentlichkeitsarbeit, Bildung und Forschung verbehalten, die von offiziellen Stellen genehmigt werden kann.

Was geschieht bei der Tierkörperverwertung?
Foto:Christina Weiss

Die Beseitigung verendeter Wildtiere ist streng reglementiert. Gestrandete und verendete Wale sind Abfall, der in erster Linie der Verbrennung zugeführt wird. Die Körper werden laut Rendac zunächst in Jagel zerkleinert, thermisch sterilisiert, gekocht, auf 320 Grad erhitzt, entfettet und getrocknet. Am Ende des Prozesses bleiben die Bestandteile Fett und Tiermehl übrig.

Was geschieht mit dem Tiermehl und dem Fett?

Die Weiterverarbeitung von Walresten ist verboten. Das Tiermehl wird in Kohlekraftwerken oder Zementwerken verbrannt. Das Fett wird zu einer Anlage in Eindhoven gebracht und dort raffiniert. Man müsse als Unternehmen auch die wirtschaftliche Seite im Blick haben, so der Sprecher von Rendac. Das Endprodukt dieser Prozedur landet laut seiner Aussage dann auch im Auto: Als Bestandteil von Biodiesel oder als Schmierfett. Das Landesministerium hatte zuvor gegenteilig mitgeteilt, dass keinen Wal am Zapfhahn gebe, bestätigte aber dann die Angaben des Unternehmens.

Die Verfütterung an landwirtschaftliche Nutztiere war früher üblich, ist aber zur Vorbeugung gegen die Verbreitung der Krankheit BSE gesetzlich verboten worden.

Acht verendete Wale – werden die Skelette alle präpariert und ausgestellt?

Laut Auskunft des Ministeriums liegen der Nationalparkverwaltung für zwei Skelette konkrete Anfragen vor. Was mit den anderen geschieht, ist noch offen.

Was machte man früher aus Walen?

Wale waren in der Geschichte so etwas wie eine schwimmende Ölquelle. Fast alle Körperteile hatten für die Menschen einen Nutzen. Deshalb wurden sie massiv bejagt und bis an den Rand der Ausrottung gebracht. Aus zermahlenen Walknochen machte man Klebstoffe und Geliermittel. Das Fleisch wurde als Steak gegessen oder zu Tierfutter verarbeitet. Vor allem Pottwale waren für die Weiterverarbeitung interessant: Den Walrat im Kopf verwendete man für Salben und das Ambra im Darm – ein unverdautes Gewölle – war die Basis für erotisierende Luxus-Parfüms.

Den Anfang der Waljagd bestimmte vor allen das Interesse an Waltran. Dieser wurde schon im Mittelalter als Lampenöl genutzt. Später machte man daraus auch Margarine, Seife, Bleichmittel und Kunstharz.

Sehr kritisch wurde es um die Walbestände zu Beginn der Industrialisierung. Denn als Schmiermittel für die Maschinen war Waltran zunächst unabdingbar, bis mineralische Substanzen billiger wurden. Im 1. Weltkrieg diente Tran überdies zur Herstellung von Nitroglycerin.

Ein weiteres Beispiel für den Tran-Hunger der Industrie: Von der Firma Henkel wurde das Walfangschiff „Jan Wellem“ ab 1936 bis zum Kriegsausbruch 1939 zu drei Fangreisen in die Antarktis ausgesandt. Das Unternehmen brauchte Tran als Grundstoff für die Herstellung von Persil.

 

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