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Schleswig-Holstein

24. Oktober 2017 | 09:48 Uhr

Elefanten-Rettung aus der Luft

vom

Nicole Tepperies und Marcel Romdane haben vor einem Jahr den Verein "Fly for elephants" gegründet, um Wilderer in Kenia zu bekämpfen

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Flensburg/Nairobi | Mit Äxten und Macheten malträtieren die Wilderer die Köpfe der vergifteten afrikanischen Elefanten. Sie trampeln auf den sterbenden Dickhäutern herum. Als Souvenir nehmen sie ein Stück des Schwanzes des Tieres mit. Und die Stoßzähne. Die Worte, mit denen Nicole Tepperies und Marcel Romdane das Übel beschreiben, das sie bekämpfen, sind drastisch. Und realistisch. Die beiden Flensburger "fly for elephants" - sie fliegen für Elefanten.

Unter diesem Namen fliegt Romdane als Buschpilot Patrouille über dem kenianischen Naboisho Conservancy, Masai Mara, und "um Präsenz zu zeigen", erklärt Nicole Tepperies. Er könne dann Ranger am Boden dorthin lotsen, wo die Wilderer sind. Sie kümmere sich eher um die administrativen Aufgaben. Derzeit zumeist von Deutschland aus. "Ich habe die ganze Zeit zwei Leben", erklärt die Mutter eines elfjährigen Sohnes. Eines ihrer Leben spielt in Afrika: zuerst in ihrem Kopf, erst recht nach einer Safari in Kenia. Die Wilderei dort bezeichnet Nicole Tepperies als extrem und wachsend. Acht Prozent der afrikanischen Savannen- und Waldelefanten würden jährlich gewildert, sagen die Flensburgerin und der World Wide Fund of Nature (WWF). Zwischen 470 000 bis 690 000 Tiere soll es insgesamt geben.

Romdane erwirbt den Pilotenschein, beide kaufen eine gelbe "Piper Super Cub" und machen sie einen Sommer lang "buschfertig", erzählt die gelernte Buchhalterin. In Turbulenzen geraten die Elefantenfreunde erstmals im Januar 2012 in Kenia, und zwar mit der Bürokratie. Tepperies pendelt zwischen Europa und Afrika, Romdane knüpft Kontakte von Nairobi aus. Was folgt, ist ernüchternd: "Es gibt viele Organisationen, aber es passiert nichts, es ändert sich nichts", resümiert Nicole Tepperies und dass sich die meisten Kenianer nicht für Elefanten interessieren. Sie räumt ein, naiv nach Kenia gegangen zu sein. "Jedenfalls wollte keiner unsere Hilfe haben." Im Sommer 2012 standen die beiden Deutschen vor der Frage: "Aufgeben oder eine eigene Organisation gründen?"

Tepperies und Romdane geben natürlich nicht auf, sondern gründen im Juni vor einem Jahr "Fly for elephants", eine gemeinnützige Organisation. Die Mission sei klein gestartet, die "Vision aber so groß wie ein Elefant", erklären sie auf Facebook. Das soziale Netzwerk und ihre Website nutzen beide, um ihre Botschaft zu verbreiten. Sie teilen gute und schlechte Nachrichten vom Kampf gegen die Wilderer mit inzwischen über 2100 Freunden. "Wir hatten nicht einen Moment Angst, eher fühlten wir eine befriedigende innere Stille", schreiben sie zum Beispiel über die erste Nacht in der Wildnis. Oder, wie sie zweieinhalb Wochen um einen mit einem Pfeil vergifteten Elefanten gekämpft haben, der schließlich stirbt. Oder wie sie versuchen, Ranger zu erreichen, die jedoch erst wieder am Montag im Einsatz sind. Ihre Anfrage kam am Mittwoch.

Aber auch Neuigkeiten wie diese geben sie weiter: "Heute sind vier Tonnen Elfenbein in Hongkong konfisziert worden. Im Wert von 3,4 Millionen US-Dollar. Alle kamen aus Tansania und Kenia." Ein Stoßzahn könne es auf rund 40 Kilogramm bringen, weiß Tepperies. Der WWF Deutschland beziffert den Erlös für ein Kilogramm Elfenbein mit 1800 Euro - 90 Prozent der Stoßzähne gingen nach China und Thailand. Schachfiguren und dubiose Mittelchen würden daraus hergestellt. "Die wissen nicht, dass der Elefant dafür sterben muss", sagt Tepperies.

Deshalb und weil Fliegen in Afrika allein nichts ändert, erweitern die beiden ihre Strategie. "Der Druck müsste größer sein, und er muss von außen kommen", sagt sie. "Fly for elephants" wünscht sich ein Bewusstwerden für das grausame Geschäft mit der Wilderei und bereitet einen Flug über Afrika, das Mittelmeer und Europa nach Amerika vor. "Das ist ein Charity-Land", sagt die 39-Jährige und weiß sich dort der Unterstützung anderer Idealisten sicher. Mit Spenden, die sie über einen Button auf ihrer Website empfangen können, finanzieren die beiden Deutschen Treibstoff und Wartung ihres Flugzeugs. Eine Stunde in der Luft koste 250 Dollar. Außerdem verkaufen sie Werbeflächen auf ihrer gelben Piper - um Aufmerksamkeit zu erregen. Zwei Sponsoren haben sich das Heck schon gesichert, berichtet die Flensburgerin. Zum 4. Oktober, dem "World Animal Day", wollen Marcel Romdane und Nicole Tepperies in San Francisco sein, um sich am "March for Elephants" zu beteiligen. Der Weg ist weit, aber bietet Gelegenheit, gesehen und gehört zu werden.www.fly4elephants.com

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