Eisiges Glück im Swimming-Pool

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19. Januar 2011, 11:31 Uhr

Kollund | Die meisten Poolbesitzer decken ihr heimisches Schwimmbecken im Winter ab, Svend Aage Toft hackt lieber ein großes Loch hinein. Denn so einen vereisten Pool im Winter kann man schließlich noch für eine nahe liegende Leidenschaft nutzen: Eisbaden.

Vielen wird schon vom bloßen Zuschauen ganz frostig ums Herz, für Menschen wie Svend Aage Toft aus Kollund gibt es aber nichts Schöneres, als sich mitten im Winter - wenn alle anderen sich nur dick eingepackt mit Mütze, Schal und Mantel vor die Tür wagen - ins eisige Wasser zu stürzen. Svend Aage Toft ist Eisbader aus Überzeugung. Ihn hält auch eine dicke Eisschicht nicht vom täglichen Winterbad ab. Eisbaden direkt vor der eigenen Haustür: "Ich setze ja nur, wenn der Sommer vorbei ist, das Baden fort." Für Toft ist es völlig normal, dass auf dem Wasser noch gut 25 Zentimeter Eis schwimmen. "Ich schwimme ja auch im Herbst!"

Nicht ganz normal ist allerdings der Ort für seine winterlichen Badeausflüge. Normalerweise suchen Winterbader in offenen Gewässern nach dem eiskalten Kick, für Svend Aage Toft ist der Weg allerdings viel kürzer, denn den heimische Swimmingpool wählt Toft am liebsten für ein kühlendes Bad. Während Saunagänger sich nach einigen verdampften Minuten in der heißen Sauna im kalten Wasser abkühlen, geht Svend Aage Toft vor seinen Bädern erst einmal Laufen. Das Wetter ist ihm dabei fast egal. "Ich laufe seit mindestens 30 Jahren", schildert Toft. Dabei hat er eine feste Route, auf die er nur dann verzichtet, wenn das Wetter es wirklich nicht mehr zulässt. Schneemassen stören ihn zum Beispiel nicht - dafür hat er Schuh-Schneeketten.

Stattdessen muss er vor Antritt seiner Runde daran denken, seine Badestelle "vorzubereiten". Denn im Sommer kann er in dem Pool zwar gemächlich seine Bahnen ziehen, an kalten Wintertagen muss er sich allerdings mit weniger begnügen. In die dicke Eisschicht hat er ein Loch gehackt, das groß genug ist, damit er problemlos ins Wasser kommt. Für mehr ist kein Platz. Viel zu schnell friert die Wasserstelle wieder zu, und fast täglich muss er vorher die Stelle wieder vom Eis befreien. "Es ist schwer, das Loch offen zu halten!"

Nach den Vorbereitungen und einer anstrengenden Joggingrunde folgt dann endlich der eigentliche Höhepunkt: das Eisbad. Und das genießt Svend Aage Toft in vollen Zügen und ist auch nicht zimperlich. Die Temperatur wird nicht erst zaghaft mit dem Zeh getestet. Ganz im Gegenteil: Mit einigen beherzten Schritten geht er die Leiter runter, bis er ganz im Wasser ist. Dann genießt er die eisige Kälte, umgeben von gut 25 Zentimeter dickem Eis, das seinen Pool bedeckt, und nach einer kurzen Minute ist das Abenteuer schon wieder vorbei. Unangenehm sei die Kälte ihm dann aber auch nicht: "Das ist kein Problem für mich." Ein trainierter Körper reagiere nicht auf die ungewohnte Kälte wie ein ungeübter, der sofort zu frieren beginnt.

Vor fünf Jahren wollte Toft das erste Mal testen, ob Eisbaden wirklich so reizvoll ist, wie viele passionierte Eisbader behaupten. "Ich wollte erstmal probieren, wie lange ich es aushalten kann", erinnert er sich an die ersten Versuche. Dabei sei es ganz leicht, sich ans Eisbaden zu gewöhnen, man dürfte nach Ende des Sommers einfach nicht mit dem Baden aufhören. "Ich glaube, dass es wirklich gesund ist", sagt Toft und ist überzeugt, auch seinem Körper etwas Gutes zu tun und sein Immunsystem zu stärken.

Seine Familie konnte er mit seiner Leidenschaft bisher allerdings nicht anstecken. "Meine Familie kann es nicht verstehen - überhaupt nicht", lacht er. Sie würden vermutlich wie die meisten das Eisbaden für sich grundsätzlich als Sport aussortieren. Denn: "Man muss das wollen!" Wenn es einem schon beim Zuschauen einen unangenehmen Schauer über den Rücken jage, mache es wenig Sinn.

Aber das sei auch ein wenig der Reiz für ihn, weiterhin täglich ins vereiste Becken zu steigen und die Erfrischung zu genießen. "Es macht mir auch ein bisschen Spaß, dass die Leute schauen und fragen, wie ich das machen kann." Viele reagieren verwundert auf den Mann, der auch ganz allein seine Freude daran findet, wie ein Pinguin auf einer Eisscholle - in diesem Fall in seinem Pool - zu sitzen. Aus seiner Familie wollte bisher zumindest kein einziges Mitglied zu ihm ins Becken steigen.

Eine kleine Unannehmlichkeit muss der passionierte Winterbader aber trotz allem auf sich nehmen: die Badehose. "Das ist sehr unangenehm. Das fühlt sich so kalt an", findet Toft. Deswegen verzichtet er auf das ungeliebte Stoffstück, so oft er kann - allerdings nur wenn er alleine ist. "Aber meine Frau mag es nicht, wenn ich bade und sie nicht zu Hause ist", lacht Svend Aage Toft.

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