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Schleswig-Holstein

20. Oktober 2017 | 17:04 Uhr

"Ein Stück aus dem Tollhaus"

vom

Das Projekt Kailine auf der Nördlichen Wallhalbinsel könnte für Lübeck existenziell werden / Furcht vor Investoren-Flucht

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

LÜBECK | Die gute Nachricht zuerst: In die seit 2005 brachliegende Fläche rund um das abgerissene Hochhaus im Pinassenweg kommt Bewegung: Die städtische Grundstücksgesellschaft Trave möchte die 22 000 Quadratmeter große Fläche verkaufen. Verhandlungen stehen vor dem Abschluss. "Wir rechnen noch in diesem Jahr mit einem positiven Ergebnis", sagt Trave-Chef Hartmut Sörensen. Ab 2014/15 könnten dort Reihen- und Mehrfamilienhäuser gebaut werden.

Projekte wie dieses könnten aber schon bald nicht mehr zustande kommen: Nach langen Diskussionen über die Architektur auf der Nördlichen Wallhalbinsel könnte das Projekt Kailine existenziell für Lübeck werden. Erstmals melden sich jetzt Vertreter der Wohnungswirtschaft zu Wort, die dunkle Wolken über Lübeck aufziehen sehen. "Das ist ein Stück aus dem Tollhaus. Man kann nicht einen Bebauungsplan beschließen und ihn dann wieder aufheben", sagt Trave-Chef Hartmut Sörensen. Es sei investorenfeindlich, so ein weltstädtisches Projekt in Gefahr zu bringen.

Dem stimmt auch Stefan Probst, Vorstandsmitglied des Lübecker Bauvereins, zu. Würde die Bürgerschaft das Kailine-Projekt kippen, ist sich Probst sicher, dass Investoren der Hansestadt den Rücken kehren würden. Und: Eine negative Entscheidung der Bürgerschaft könnte kostspielig werden: "Das wäre schadenersatzpflichtig" - schließlich wurde bereits intensiv in die Planungen des Projekts investiert. Es sei skandalös, so Probst, zum jetzigen Zeitpunkt noch über das Projekt zu diskutieren. Schließlich sei Baurecht geschaffen worden.

Von einem Imageschaden spricht auch Ingo Siegmund vom Architektur-Forum, dem unabhängigen Zusammenschluss von Stadt- und Landschaftsplanern, Architekten, Ingenieuren und baukulturinteressierten Bürgern. "Egal, wie man zur Kailine steht, die Verlässlichkeit für zukünftige Bauvorhaben ist dahin", sagt Siegmund. Dabei sei das Verfahren bis jetzt "so gelaufen, wie man es sich wünscht". Diverse Gremien haben sich mit Entwürfen und Plänen beschäftigt, die Bürger seien befragt worden, ein Bebauungsplan sei beschlossen worden. Werde dieser zurückgenommen, "wird sich das rumsprechen", ist sich Siegmund sicher. "Wir halten die Kailine für den richtigen Schritt", sagt Ulf Hahn, Prokurist des Koordinierungsbüros Wirtschaft in Lübeck (KWL), die die Fäden für das Projekt in den Händen hält. Was folgen müsste, wäre eine Weiterentwicklung gerade auch des angrenzenden Bereichs bis hin zum ehemaligen Schlachthof und der Industrieflächen an der Roddenkoppel - beides am westlichen Ufer der Nördlichen Wallhalbinsel gelegen. Und es sind die letzten verbliebenen Flächen für eine Innenstadterweiterung. "Wenn das Projekt Kailine stolpert, werden Jahre ins Land gehen, bis sich Investoren finden lassen, die sich des gesamten Gebiets annehmen, sagt Hahn.

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