Holnis : Ein Land-Job für die "Schwiegermutter"

Land-Verwendung: Heiner Schubarth (l.) und Spediteur Jan Fintzen brachten die „Schwiegermutter“ zurück nach Holnis. Foto: Dewanger
Land-Verwendung: Heiner Schubarth (l.) und Spediteur Jan Fintzen brachten die „Schwiegermutter“ zurück nach Holnis. Foto: Dewanger

Die ausgemusterte Fahrwassertonne vom Holnis-Haken hat gestern an der Abzweigung Kobbellück der Holnisser Umgehungsstraße Quartier bezogen.

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18. Dezember 2009, 12:01 Uhr

glücksburg | Sie ist wieder da. Ein paar hundert Meter weiter südwestlich zwar, und auch nicht mehr Meer umschlungen - aber die Segler der Flensburger Förde haben ihre "Schwiegermutter" wieder. Seit gestern hat die im Herbst ausgemusterte legendäre Fahrwassertonne vom Holnis-Haken an der Abzweigung Kobbellück der Holnisser Umgehungsstraße Quartier bezogen.

Es herrschten zwar eisige Umstände, dafür gab es einen warmherzigen Empfang für die Heimkehrerin -was nicht ganz selbstverständlich ist, denn in ihren aktiven Zeiten hatte sich die Tonne nicht nur Freunde gemacht. An der Spitze der extrem flachen Landzunge Holnis-Haken positioniert, strafte sie nahezu jeden, der sie auf der Landseite zu schneiden versuchte, mit einer mehr oder minder unangenehmen Grundberührung. Diese Eigenart brachte ihr weltweit den Beinamen "Schwiegermutter ein - denn Schwiegermütter schneidet man nicht.
Heiner Schubarth nahm sofort Verbindung zum Schifffahrtsamt Lübeck auf
Heiner Schubarth hatte sich als Segler immer als braver Schwiegersohn geführt. "Nein", grinst er, "ich habe da noch nie auf Schiet gesessen." Der Segler vom Club Nautic ist gleichzeitig Vorsitzender der Interessengemeinschaft Am Leuchtturm Holnis-Schausende. Als Schubarth vom bevorstehenden Ende des Wahrzeichens erfuhr, verlor er keine Zeit. Noch ehe die Tonne gegen ein festes Seezeichen ausgetauscht war, hatte er schon Verbindung mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck aufgenommen. "Es wäre doch schade gewesen, wenn dieses Wahrzeichen einfach so von der Flensburger Förde verschwindet."

Was dann seitens der Behörde folgte, gesteht er, habe ihn schon überrascht - im positiven Sinne. Der zuständige Sachgebietsleiter Mathias Fliege fand die Idee einer Adoption der alten Dame reizvoll, John Witt, Glücksburgs Stadtrat in der Verwaltungsgemeinschaft mit Flensburg auch. Er schloss letztendlich den Vertrag mit der Wasserstraßenverwaltung, Jan Fintzen, Klubkamerad von Schubarth und Spediteur, holte die knapp zehn Meter lange Dauerleihgabe zurück. Gestern wurde sie mit tätiger Hilfe des Glücksburger Bauhofs auf ihre neue Position gebracht. "Gut, dass alles so gut geklappt hat," freute sich John Witt. Es war nämlich am Ende noch einmal ziemlich eng gewesen. Auch die Dänen buhlten um die "Schwiegermutter". Liebend gerne hätte sie der Segelhafen Marina Minde bei Egernsund genommen.

Wer "Schwiegermutter" in ihrer vollen Blüte erlebte, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein. Thronte sie einstmals Respekt gebietend am Holnishaken, liegt sie jetzt ziemlich flach. Für ein passendes Fundament fehlte es einfach an Zeit und Geld. Immerhin liegt sie im Meer - einem Blumenmeer. Und eine Aufgabe hat sie auch: Sie weist den Weg nach Schaus ende und seinem Yachthafen Club Nautic - und auf der falschen Seite vorbeifahren sollte auch weiterhin niemand. Wer sie schneidet, landet im Straßengraben. . .

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