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Forschung : Ein Kleiner Vogel erzählt vom Klimawandel

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Wie stark sich das Klima in den vergangenen Jahrzehnten erwärmt hat, zeigt besonders deutlich das Verhalten der Zugvögel.

shz.de von
erstellt am 30.Jul.2011 | 07:26 Uhr

Helgoland | An einem nur 20 Gramm schweren Singvogel lässt sich das ganze Ausmaß des Klimawandels ab lesen. "Die Mönchsgrasmücke kommt heute 17 Tage früher als 1960, ein Zeichen für den Temperaturanstieg", erklärt Dr. Ommo Hüppop (55), Leiter der Vogelwarte Helgoland.
Das ganze Jahr über werden auf der Nordseeinsel Vögel in eine der drei Fangreusen getrieben, um sie zu vermessen und zu beringen. Jedes registrierte Tier kann später neue Erkenntnisse über das Zugverhalten der Vögel liefern.
"Die Langzeitdaten zum Vogelzug auf Helgoland sind weltweit einzigartig"
Die braune Mönchsgrasmücke reagierte bislang am empfindlichsten auf den Temperaturanstieg, wie eine wissenschaftliche Auswertung zeigt. Die ersten Daten stammen aus dem Jahr 1960. Demnach kehrte der Singvogel im Laufe der letzten Jahrzehnte immer etwas früher aus seinem Überwinterungsgebiet im Mittelmeerraum zurück, um den Sommer in Nord- oder Osteuropa zu verbringen.
"Die Langzeitdaten zum Vogelzug auf Helgoland sind weltweit einzigartig, da nirgendwo sonst der Vogelzug über einen so langen Zeitraum so standardisiert untersucht worden ist", sagt Professor Franz Bairlein, Leiter des Instituts für Vogelforschung in Wilhelmshaven, zu der die Station auf Helgoland gehört. Damit kann der Vogelzug auch fundierte Daten zum Klimawandel beisteuern, wie sich nicht nur am Verhalten der Mönchsgrasmücke ablesen lässt.
Im Schnitt kommen die Zugvögel 8,6 Tage früher
So ist dokumentiert, dass Amseln und Grauschnäpper 11 Tage, Fitis 13 Tage,
Klappergrasmücke und Zilpzalp 14 Tage und die Waldschnepfe 15 Tage früher aus ihrem Winterquartier in ihr Brutgebiet fliegen als vor etwa 50 Jahren. Als Mittelwert von 24 Arten konnte die Vogelwarte Helgoland eine Verfrühung von 8,6 Tagen feststellen.
"Die Verschiebung der jahresperiodischen Vorgänge bei Vögeln hängt eindeutig mit dem ungewöhnlich intensiven Klimawandel zusammen", meint Hüppop, der aus seinem Bürofenster direkt auf den Fanggarten der Vogelwarte blickt. Alljährlich überqueren etliche Millionen Vögel auf ihrem Zug die Deutsche Bucht. Viele nutzen Helgoland als Rastplatz. Somit ist die Insel ein idealer Ort für die Vogelforschung. Seit 1909 wurden etwa 900.000Vögel gefangen, mit Fußringen gekennzeichnet und dann wieder freigelassen.
(brumm, shz)

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