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Ehemals Freiwillige Feuerwehr : Ein Jahr Pflicht-Wehr in Friedrichstadt: Bedenkenträger „jetzt begeistert dabei“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Grund für die Pflicht-Wehr war Ärger zwischen Mitgliedern. Doch eine Pflicht-Wehr kann auch Spaß machen.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2017 | 17:38 Uhr

Friedrichstadt | Seit rund einem Jahr gibt es in Friedrichstadt eine Pflicht-Feuerwehr. Als die Einsatzstärke der Freiwilligen Feuerwehr nicht mehr erreicht wurde, bekam der Ort eine „Unfreiwilligen“-Wehr. Es war nicht der demografische Wandel, sondern persönliche Auseinandersetzungen der Mitglieder, die zu massiven Austritten geführt hatten, hieß es damals übereinstimmend in mehreren Presseberichten. Seitdem fahren die Feuerwehrleute in dem malerischen Holländerstädtchen nicht mit Blaulicht zu den Einsatzorten, weil sie Gefallen an der Wehr finden, sondern weil sie dazu verpflichtet wurden.

Viele Vereine und die Freiwillige Feuerwehr haben mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen. Ein Grund ist meistens der demografische Wandel. Dass es eine Pflichtwehr gibt, ist trotzdem deutschlandweit selten.

Ein offizielles Datum für den Start der Pflicht-Feuerwehr in Friedrichstadt gibt es nicht. Als Beginn könne der 22. April 2016 gesehen werden, sagte Kreissprecher Hans-Martin Slopianka. 50 Einwohner hätten an jenem Tag ihre Verpflichtung zugestellt bekommen.16 von denen sind letztlich geblieben und absolvierten die Grundausbildung. „Manche hatten erst Bedenken, aber in der Ausbildung haben sie ,Feuer gefressen', und sind jetzt begeistert dabei“, sagte Kreiswehrführer Christian Albertsen.

<p>Nordfrieslands Kreiswehrführer Christian Albertsen.</p>

Nordfrieslands Kreiswehrführer Christian Albertsen.

Foto: dpa
 

Mittlerweile sind die „menschelnden“ Probleme der ehemaligen Freiwilligen Wehr in Friedrichstadt Vergangenheit, und es herrscht wieder Ruhe im Feuerwehrgerätehaus. Die Sollstärke von 50 Feuerwehrleuten ist fast erreicht, und alle hoffen, dass die Pflicht-Wehr bald wieder eine freiwillige wird. „Die Motivation der Leute ist einfach höher, wenn der Dienst freiwillig ist“, sagte Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband. „Viele wissen nicht, dass nach der Gemeindeordnung jeder Bürger verpflichtet ist, sich ehrenamtlich für seine Gemeinde einzusetzen“, erklärte Albertsen. Das Problem: Jeder fordere diese Hilfe, aber viele seien nicht bereit, sie zu geben. Kennedys Ausspruch: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst“, sei immer noch hoch aktuell, sagte Albertsen.

Das kann man übrigens auch mit Spaß in einer Pflicht-Wehr, wie das Beispiel Burg im Kreis Dithmarschen zeigt. Dort sind viele „Zwangs-Verpflichtete“ vom Wert ihrer ehrenamtlichen Arbeit mittlerweile so überzeugt, dass die Wehr aktuell eine 17-köpfige „First Responder“-Gruppe stellt. Das ist ein freiwilliger Notfall-Trupp mit zusätzlichen Kenntnissen zur Wiederbelebung und Notfallbewältigung.

50 bis 80 Stunden dauert die Ausbildung zum Lebensretter, dazu kommen jährlich mindestens 20 Stunden Fortbildung. „Gerade als Pflicht-Wehr war hierzu niemand verpflichtet“, sagte Burgs Wehrführer Thomas Kusch: „First Responder sind vom Wert ihrer Arbeit überzeugte Freiwillige, die helfen wollen - insbesondere da, wo es um Leben und Tod geht.“

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