Strecke Hamburg-Westerland : Ein Jahr hat's gedauert – jetzt sind alle Marschbahn-Züge repariert

Repariert: Die Kupplungen an allen Zügen der Marschbahn sind überholt – ab Montag können laut Wirtschaftsminister Bernd Buchholz alle 90 Waggons wieder auf der Strecke rollen.
Repariert: Die Kupplungen an allen Zügen der Marschbahn sind überholt – ab Montag können laut Wirtschaftsminister Bernd Buchholz alle 90 Waggons wieder auf der Strecke rollen.

Alle 15 Züge sollen wieder zur Verfügung stehen. Wirtschaftsminister Buchholz geht davon aus, dass der Betrieb wieder verlässlich läuft.

Kay Müller von
08. November 2017, 09:24 Uhr

Husum/Kiel | „Das Ersatzkonzept ist Geschichte.“ Das sagt Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) zur aktuellen Situation der Marschbahn. Nach Informationen von shz.de will der Minister in der heutigen Sitzung des Wirtschaftsausschusses bekannt geben, dass ab Montag wieder alle 15 Züge der Marschbahn, die seit einem Jahr wegen Kupplungsschäden repariert wurden, auf der Strecke zwischen Hamburg und Westerland zur Verfügung stehen. „Es ist gut, dass nach einem Jahr Geduldsprobe nun endlich alle Wagen für die Marschbahn wieder einsetzbar sind. Mir ist bewusst, dass die Situation vor allem den Pendlern sehr viel abverlangt hat.“ Und: „Ich gehe davon aus, dass die Deutsche Bahn nun einen verlässlichen Betrieb organisieren kann“, sagt Buchholz auf Nachfrage.

Das möchte Achim Bonnichsen von der Pendlerinitiative auch – allerdings mag er nicht recht daran glauben. „Es gibt immer wieder Probleme an den Zügen der Marschbahn – sei es an den Türen, an der Elektrik, bei der Wasserversorgung oder der Heizung.“ Zudem seien die Loks, die die Bahn einsetze, unzuverlässig.

Loks können trotzdem immer wieder aus dem Betrieb genommen werden

Das weiß auch Buchholz. „Leider sind wir bei den Loks noch nicht ganz im grünen Bereich. Ich habe deshalb die Bahn noch einmal gebeten, Wartung und Instandhaltung zu optimieren, um mögliche Störungen schneller in den Griff zu bekommen.“ Die Bahn arbeitet daran, wie Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis sagt. Zurzeit hat die Bahn 15 Lokomotiven im Einsatz – dazu kommen drei Reserveloks. Noch bis September 2018 absolvieren alle eine so genannte Rollkur, was bedeutet, dass sie immer wieder aus dem Betrieb genommen und generalüberholt werden. Vor allem die Motoren werden dabei überarbeitet. Bisher haben sechs Lokomotiven diese Rollkur hinter sich „und sie laufen seitdem deutlich verlässlicher“, erklärt Meyer-Lovis.

Bonnichsen ist damit allerdings nicht zufrieden. „Wir bekommen ein Bananenprodukt, das erst beim Kunden reift“, schimpft er. „Wir sind Versuchskaninchen, dabei sind wir auf die Züge angewiesen.“ Die Bahn beteuert jedoch, dass sie mit den Loks und den 15 reparierten Zügen der Marschbahn den Winterfahrplan einhalten könne. Dafür genügten zehn Züge plus zwei Züge Reserve. Bonnichsen ist skeptisch. „Wir kennen den Winterfahrplan noch nicht.“ Er fürchtet, dass es deutlich weniger Verbindungen geben könnte – vor allem am Wochenende. Dass nach einem Jahr das Leiden der Pendler ein Ende habe, sieht er nicht.

Gutachten zum Kupplungsriss soll Mitte November vorliegen

Alles begann am 10. November 2016, als der damalige Streckenbetreiber Nord-Ostsee-Bahn (NOB) alle Marschbahnwagen wegen eines Kupplungsrisses stilllegen musste. Ein Gutachten des TÜV Süd kam im Frühjahr 2017 zum Ergebnis, dass die Kupplungen repariert werden können und müssen. Das Endergebnis des Gutachtens soll bis Mitte November diesen Jahres vorliegen. Darin soll auch stehen, wie lange die Kupplungen eingesetzt werden können. Der Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft Nah.SH, Bernhard Wewers, sagt dazu: „Alle Fachleute gehen davon aus, dass der Gutachter den Kupplungen die so genannte Betriebsfestigkeit bescheinigen wird. Das bedeutet, dass das Thema Kupplungen jetzt wirklich durch ist.“

Für Achim Bonnichsen ist das Thema noch lange nicht durch – er fürchtet weitere Zugverspätungen und -ausfälle. Und wenn eine Lok in Westerland oder Niebüll liegen bleibe, dauere es viel zu lange, um aus Hamburg Ersatz zu besorgen. Bonnichsen: „Für uns hören die Probleme nicht auf.“

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