„Lotte in Weimar“ : Ein Hauch von Goethe

Alles nur ein Traum? Patrick Heppt als Carl und Ingrid Noemi Stein als Lotte.
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Alles nur ein Traum? Patrick Heppt als Carl und Ingrid Noemi Stein als Lotte.

Am Lübecker Theater serviert Marco Štorman schwere Kost.

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17. November 2013, 09:33 Uhr

Lübeck | Junge Liebe, späte Leiden – mit „Lotte in Weimar (Werther revisited)“ setzt das Theater Lübeck sein Wagner-trifft-Mann-Projekt fort. Regisseur Marco Štorman zeigt eine anspruchsvolle Inszenierung, die die Abgründe menschlicher Normalität lustvoll beleuchtet und gelegentlich zu viel will.

Es ist das Gipfeltreffen kultureller Schwergewichte. Thomas Mann erzählte 1939 in seinem heiteren Roman „Lotte in Weimar“ vom Treffen der inzwischen gealterten ehemaligen Liebenden Charlotte Kestner und Goethe in Weimar. Dort ist Charlotte als Werthers Lotte konserviert. Die Bühnenfassung des Romans stammt von John von Düffel. Und weil Thomas Manns Goethe-Porträt von Selbstanalyse getränkt ist, ersteht er in der Gestalt des Sekretärs Dr. Riemer auf, dargestellt von Sven Simon, der schon im „Felix Krull“ einen eindrucksvollen Mann/Krull -Cocktail gegeben hat. Und das Ganze bitte im Mann’schen Sinne heiter (was liegt da näher als von „Werthers Echter“ zu schwärmen?). Dies bildet die reichhaltige Basis für die Geschichte der Charlotte K. (Ingrid Noemi Stein), die in Weimar als Superstar der Sturm-und-Drang-Kultur empfangen wird, die sich in den Huldigungen sonnt und zugleich hinnehmen muss, dass diese doch einer Frau gelten, die sie nicht ist – oder doch?

Das Treffen mit Goethe wird zum emotionalen Fiasko. Dass man einander nichts mehr zu sagen hat, nimmt Štorman wörtlich. Minutenlang schweigen sich Goethe und Lotte auf der Bühne an; das verwirrte Publikum – ein Gast hat schon entnervt den Saal verlassen - versucht, die Situation mit zaghaftem Applaus zu lösen. Das aber ist so vergebens wie der Versuch, überwundene Gefühle neu zu beleben. Die vermeintliche Erlösung findet schließlich mit verbalen Nichtigkeiten statt.

Štorman serviert hartes Brot. Dass seine Inszenierung intuitiv zugänglich bleibt, ist den Darstellern und ganz besonders der Bühne von Frauke Löffel zu danken, die Lotte in einen Glaskasten setzt: ausgestellt, gefangen, konserviert; das Glas wird obendrein bemalt zur Projektionsfläche.

Wie gesagt: Leicht verdaulich ist Štormans Inszenierung nicht. Aber es findet sich viel Thomas Mann in ihr und am Ende zeigt sie, dass Dichterfürsten auch nur Menschen sind.

Nächste Termine: Fr., 22. November, 20 Uhr; So., 15. Dezember, 16 Uhr. Theater Lübeck (Kammerspiele), Beckergrube 16. Theaterkasse: 0451-399600.

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