Ein Beispiel für Ökumene

Kardinal: Walter Kasper. Foto: dpa
Kardinal: Walter Kasper. Foto: dpa

Gestern: Ehrendes Gedenken für evangelischen Pastor / Heute: Seligsprechung der katholischen Kapläne

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25. Juni 2011, 09:03 Uhr

Lübeck | . Die Nordelbische Kirche hat am Freitagabend in der Lutherkirche in einem Gottesdienst der vier Lübecker Märtyrer gedacht, die im November 1943 von den Nazis hingerichtet worden waren. Zu den Märtyrern gehört auch der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink, dessen Wirkungsstätte die Lutherkirche war. Hier war er von 1934 bis zu seiner Hinrichtung als Seelsorger tätig. Mit Stellbrink waren die katholischen Geistlichen Hermann Lange, Eduard Müller und Johannes Prassek umgebracht worden, die heute selig gesprochen werden. Rund 10 000 Gäste wollen der Zeremonie beiwohnen.

Der Vorsitzende der Kirchenleitung Nordelbiens, Bischof Gerhard Ulrich, rief in dem Gedenkgottesdienst unter Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Kirchen, Politik und Gesellschaft - darunter auch Waltraut Kienitz, Tochter des ermordeten Pastors Stellbrink - dazu auf, der vier Lübecker Märtyrer ökumenisch zu gedenken. "Der Leidensweg der drei Kapläne und des Pastors Karl Friedrich Stellbrink ist beispielhaft für eine Ökumene der Märtyrer", so Ulrich. Der Bischof betonte, dass diese durchlebte und durchlittene Ökumene unter dem Kreuz eine deutliche Richtung auch für Christen unterschiedlicher Konfessionen heute sei. Das Glaubenszeugnis der vier Lübecker Märtyrer sei heute als ein aufrüttelnder Ruf nach vorwärts zu verstehen.

An dem Gottesdienst in der Lutherkirche nahm auch der katholische Kardinal Walter Kasper teil. Kasper war Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und somit bis vor kurzem für die ökumenischen Beziehungen des Vatikans verantwortlich. Kardinal Kasper betonte: "Auch in unserer heutigen Situation brauchen wir Christen, die den Mund aufmachen und den Kopf hinhalten. Auch heute kann Christsein nicht der bequeme Weg der Anpassung und des geringsten Widerstands sein. Die vier Lübecker Märtyrer erinnern uns an den Ernstfall des Christseins."

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