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Stallpflicht wegen Geflügelpest : Eier-Trick: Robert Habeck greift Bundesminister an

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Norden müssen Freiland-Eier als Eier aus Bodenhaltung verkauft werden – in Baden-Württemberg nicht.

Kiel/Berlin | Der Aufkleber sitzt. Jürgen Schröder steht neben einer Etikettiermaschine im Lager seines Hofladens in Klein Wittensee (Kreis Rendsburg-Eckernförde). „Wir schreiben jetzt auf unsere Eierkartons ,wegen Stallpflicht aus Bodenhaltung‘, obwohl unsere Hühner ja weiter frei laufen“, sagt der 51-jährige Eierproduzent. Der Aufdruck sei „bewusst provisorisch“ gehalten.

Seit gestern müssen das alle Erzeuger in Schleswig-Holstein tun. Denn weil die Stallpflicht wegen der Geflügelpest seit 84 Tagen gilt, müssen die Eier laut EU-Recht als solche aus Bodenhaltung verkauft werden. Für Hans-Peter Goldnick aus Nehms (Kreis Segeberg), Vorsitzender des Geflügelwirtschaftsverbands Schleswig-Holstein und Hamburg, ein herber Schlag. Im Schnitt würden die Eierproduzenten im Norden pro Ei einen Verlust von rund zehn Cent machen, wenn die Kunden die teureren Freilandprodukte mit dem neuen Aufdruck nicht mehr kauften. „Die Eier, die wir produzieren, kommen aber immer noch aus denselben Ställen. Die meisten Hühner würden bei dem Wetter ohnehin nicht rausgehen. Die laufen frei, nur unter Dach.“

Goldnick ärgert sich darüber, dass Schleswig-Holstein nicht dem Beispiel Baden-Württembergs folgt, das durch einen Trick die Umetikettierung umgangen hat. Das Land im Südwesten hat die Stallpflicht am Dienstag aufgehoben, heute tritt sie wieder in Kraft. Dann beginnt die 84-Tage-Frist von Neuem.

„Ich wünschte unserem Landwirtschaftsminister Robert Habeck ein wenig mehr Mut, um auch diesen Weg zu gehen“, sagt Goldnick. „Er könnte sich ja überlegen, die Stallpflicht aufzuheben, und nachdem er eine Nacht darüber geschlafen hat, sich wieder anders entscheiden, weil es vielleicht neue Erkenntnisse gibt.“

Habeck spricht von Rechtsbruch

Habeck lehnt das ab, er fühlt sich dem Verbraucherschutz verpflichtet. „Man kann natürlich von einem Minister verlangen, dass er Rechtsbruch begeht, aber da bin ich der Falsche für.“ Der Grüne plädiert für eine bundeseinheitliche Regel. Deshalb habe er bereits vor 14 Tagen mit seinen Kollegen aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern einen Brief an den Bundeslandwirtschaftsminister geschrieben – aber keine Antwort erhalten. „Der Bund hat sich aus der Verantwortung gestohlen.“ Was Baden-Württemberg jetzt im Alleingang mache, sei „nicht fair, denn deren Hühner stehen genauso lange im Stall wie unsere.“ Der Alleingang sei aus seiner Sicht und nach den Signalen, die er aus dem Bundesministerium bekommen habe, nicht rechtens, so Habeck. „Wenn das jetzt ohne Kritik und ohne Folgen bleibt, dann brauchen wir auch kein Bundeslandwirtschaftsministerium mehr.“

Die Geflügelzüchter wollen trotzdem, dass Habeck „kreative Lösungen findet, wie die aus Baden-Württemberg“, sagt Jürgen Schröder, der seit 21 Jahren seinen Betrieb führt – „und so etwas noch nicht erlebt hat“. Denn der Branche drohten enorme Einbußen. „Wer wie ich 30.000 Eier am Tag produziert, dem könnte ein Verlust von 60.000 Euro im Monat drohen“, sagt Hans-Peter Goldnick. Das Land zahlt den Produzenten eine maximale Entschädigung von 15.000 Euro. Habeck sagt dazu: „Das ist ja schon was, das Geld liegt auch nicht auf der Straße.“

Nun hoffen Eier-Produzenten wie Jürgen Schröder, dass ihnen die Kunden treu bleiben und trotzdem das Geld für ein Ei eines freilaufenden Huhns zahlen, das im Stall steht, der an der Seite offen sei und in dem die Tiere sogar einen „Wintergarten“ hätten. „Mit unserer Verpackung zeigen wir ja, dass alles beim Alten ist. Trotzdem bleibt es ein Feldversuch.“

Was Schröder dennoch erzürnt, ist eine EU-Verordnung für Bio-Eier. Die dürfen auch weiter als solche verkauft werden – auch wenn die Tiere im Stall stehen.

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erstellt am 03.Feb.2017 | 13:06 Uhr

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