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Kommentar zum Fußballnachwuchs : Ehrenamtler im Abseits

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Der Fußball wählt den falschen Weg zur Bekämpfung des Nachwuchsproblems – ein Kommentar von Matthias Wohlrab

shz.de von
erstellt am 25.10.2013 | 07:30 Uhr

Es ist schon mal eine gute Nachricht, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und sein Präsident  Wolfgang Niersbach das Problem erkannt haben. Beim Bundestag des größten Sportfachverbandes der Welt geht es derzeit  auch um die Nachwuchsmisere an der Basis – und  nicht nur um die glitzernde Welt des Profifußballs. Das ist positiv, und es ist nötig. Denn: Den Vereinen drohen bundesweit die Kinder auszugehen, allein in Schleswig-Holstein sind in dieser Saison 2500 Nachwuchskicker weniger aktiv als noch im Vorjahr. Die schlechte Nachricht in diesem Kontext  ist jedoch, dass Niersbach sich zwar für eine medienwirksame, aber womöglich falsche Maßnahme entschieden hat, um das Problem zu bekämpfen.

Der DFB-Boss kündigte eine 2,5 Millionen teure Kampagne an, mit der das Image des Jugendfußballs aufpoliert werden soll. Werbung also – aber warum? Die Kinder lieben Deutschlands Volkssport Nummer eins ohnehin. Was auch kein Wunder ist, sie wachsen in Zeiten einer boomenden Bundesliga und einer außergewöhnlich spektakulär spielenden Nationalelf auf.

Wer sich in Schleswig-Holsteins Vereinen umhört, bekommt häufig Folgendes zu hören: Es fehlt – trotz geburtenschwacher Jahrgänge, eines immer üppigeren Freizeitangebots und der steigenden Zahl von Ganztagsschulen – nicht an Kindern. Es kommen genug, die kicken wollen. Was fehlt, sind Trainer, Betreuer, Helfer. Logisch, wer opfert schon gern  seine Freizeit als Ehrenamtler, um am Ende noch finanziell draufzuzahlen.

Niersbach und der DFB haben eine Chance vertan, das Ehrenamt  und den Jugendfußball zu stärken. Nicht mit einer Imagekampagne – sondern mit  zusätzlichem Geld, das direkt  bei den kleinen Amateurclubs landet. Und das dann zum Beispiel verwendet werden könnte für: höhere Aufwandsentschädigungen sowie  Fortbildungen für Trainer, Zuschüsse für sozial benachteiligte Kinder, Projekte zur Förderung der Zusammenarbeit von Schulen und Vereinen.

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