Zwischen Hollingstedt und Osterfeld : Edler Zander aus dem Stall

Zanderzucht ohne Medikamenteneinsatz: Gesellschafter Andreas Hansen und Heinz-Erwin Käding mit Lasse Hansen, der seinen Vater in der Fischzucht unterstützt (v. r. ). Foto: volkert bandixen
Zanderzucht ohne Medikamenteneinsatz: Gesellschafter Andreas Hansen und Heinz-Erwin Käding mit Lasse Hansen, der seinen Vater in der Fischzucht unterstützt (v. r. ). Foto: volkert bandixen

Andreas Hansen baut in seinem landwirtschaftlichen Betrieb zwischen Schleswig und Husum erste Aquakulturanlage für den Edelfisch im Land auf

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20. Juli 2012, 08:15 Uhr

Hollingstedt/Ostenfeld | Zwischen Hollingstedt und Ostenfeld, Husum und Schleswig befindet sich der landwirtschaftliche Betrieb von Andreas Hansen. Er hatte viel über die Nachnutzung der Ställe nachgedacht. Da gegenüber eine Biogasanlage arbeitet und noch genügend Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk vorhanden ist, hat er sich mit Freunden überlegt, eine Aquakulturanlage zu bauen. Hier bietet die Kombination von Biogasanlage und Fischzucht eine sinnvolle Möglichkeit zur Kreislaufwirtschaft.

Es sei nicht einfach gewesen, Informationen zu erhalten. Aufzucht des Edelfisches Zander wäre möglich. Der Zander erfreut sich bei Konsumenten in aller Welt zunehmender Beliebtheit, und vor allem in den Restaurants besteht eine konstante Nachfrage. Er wird in Deutschland aber immer weniger gefangen. Das Gros der Importe kommt als Tiefkühlware aus Kasachstan. Hier sah man eine Marktlücke für frische Ware mit hoher Qualität.

Der Anlagenhersteller "F&M Anlagenbau" GmbH aus Soltau bot eine modulare Anlage an, mit der das vorhandene leer stehende Stallgebäude ideal um- und weitergenutzt werden kann. "Unser Grundsatz: Die Nutzung der Abwärme aus der Biogasanlage und eine biologische Aufzucht, in denen Zander wassersparend und umweltschonend aufwachsen sollen", so Andreas Hansen. Er gründete mit drei Gesellschaftern 2010 die Fischaufzucht Drellborg GmbH und Co KG. Auch über Einkauf, Vermarktung und Marketing machten sich die Partner Gedanken und schlossen sich der Erzeugergemeinschaft Norddeutsche Fischhandelsgesellschaft an. Bislang haben sie die einzige Aquakulturanlage für Zander in Schleswig-Holstein. Fünf weitere Anlagen gibt es in Niedersachsen und eine Pilotanlage in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Stall wurde umgebaut und erhielt eine Schaumisolierung. Dort steht nun eine Anlage von zehn Modulen mit jeweils zwei Becken von 12 500 Litern mit Trommelfilter, Feststoffaustrag, mechanischer und biologischer Reinigung, Tropfkörperklärbehälter und Sauerstoffeintrag. Die Wasserkreislaufanlage spart Energie. Ein Biofilter baut Ammonium zu Nitrat ab. Die Feststoffe werden als landwirtschaftliche Gülle weiterverarbeitet. 5 Prozent des Wassers wird jeden Tag ausgetauscht. Die Wärme für Halle und Wasser kommen über Wärmeaustauscher von der Biogasanlage. Die Luft wird auf 28 Grad Celcius erwärmt, das Wasser auf 22 Grad.

Der Zander ist ein anspruchsvoller Fisch, trotzdem wird hier ohne Medikamenteneinsatz gezüchtet. Den Besatz bezieht man noch aus Dänemark. Es wird jedoch angedacht, ihn selbst aufzuziehen. Nach zwölf bis 15 Monaten erreichen die Fische ein Gewicht von einem Kilogramm. In der Natur brauchen sie vier bis fünf Jahre. In den Vertrieb gehen die Zander ab 200 Gramm auf den Besatzfischmarkt und ab einem Kilogramm in die Gastronomie.

"Zander wachsen unterschiedlich schnell und müssen immer nach Größe sortiert werden. Wenn die Größenunterschiede zu groß werden, kann es zu Kannibalismus kommen. Wenn man nicht aufpasst, kann das Becken schnell nur noch halb so viel Zander haben", erläutert Mitgesellschafter Heinz Erwin Käding.

Anfangsschwierigkeiten bereitet der Aufbau der Vermarktung. Der Großfischhandel tue sich noch schwer, langfristige Verträge mit Mindestabnahmen abzuschließen. Mittelfristig sollen 20 Tonnen Fisch pro Jahr verkauft werden. 80 Tonnen müssten es sein, um den Betrieb hauptberuflich zu führen.

Wenn Andreas Hansen den Betrieb erweitern möchte, macht das Baugesetzbuch Schwierigkeiten. Die Aufzucht und Mast von Fischen in künstlichen Becken gehört nicht zur Landwirtschaft. Er darf in seinem Betrieb keine neue Hallen bauen, nur vorhandene Gebäude nutzen. Diesen Rahmen zu verbessern, sei aufwändig, die Aquakulturlobby noch zu klein. "Hier ist die Politik gefordert. Sie weiß, dass 85 Prozent der Fische in Deutschland importiert werden und der Bedarf in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist. Das natürliche Angebot wird immer geringer, und die entstehende Lücke kann zukünftig nur über die Aquakultur geschlossen werden", sagt der gelernte Agraringenieur Hansen.

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