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Neue SH-Kampagne : "Echter Norden": Unternehmer wollen Inhalte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die neue Kampagne Schleswig-Holsteins unter dem Motto “Echter Norden“ spaltet die Wirtschaft des Landes. Die Leser von shz.de haben dagegen eine klare Meinung.

Auch am Tag nach der Präsentation des neuen Landesslogans „Schleswig-Holstein. Der echte Norden“ geht die Debatte über Für und Wider der Werbekampagne weiter. „Das ist ein erster, handwerklich ordentlicher Aufschlag, doch jetzt beginnt erst die eigentliche Arbeit“, meint der Präsident der Unternehmensverbandes Nord, Uli Wachholtz. Die Dachmarke müsse mit Inhalten gefüllt werden „und vor allem muss die Zusammenarbeit mit Hamburg mit ausgestaltet werden“. Insgesamt wird in Wirtschaftskreisen daran erinnert, der Norden habe schon oft Geld für Marketingkonzepte ausgegeben – „mal waren wir Wellnessland, mal Pferdeland, dann sollten wir Wissenschaftsland sein“. Die Kräfte müssten endlich gebündelt sonst werde man das Image als „Land der Rapsfelder und der politischen Skandale“ nie los. Namentlich genannt werden will man jedoch mit dieser Kritik nicht. Auch die Industrie- und Handelskammer in Kiel hält sich zurück und will zunächst das Meinungsbild auf der Vollversammlung Ende Oktober abwarten.

Da ist das Volk schon weiter. Bis gestern Abend hatten sich rund 370 Leser an einer Online-Umfrage auf shz.de beteiligt. Ergebnis: 59,7 Prozent finden, der Werbespruch sei völlig misslungen, 13 Prozent meinen „geht so“ und nur 27,3 Prozent sind zufrieden. Exemplarisch ist auch das Facebook-Posting von Markus Schölzel, dem weder der Spruch noch das Logo gefällt und der Streit mit den anderen Nordländern befürchtet. „Norden gibt es viel. Kommt auf den Ort an, an dem man sich befindet. Für uns Bayern ist Norden auch schon Hessen. ‚Land der Horizonte‘ ist viel emotionaler – und auf Emotionen kommt es in der Werbung an“. Mike Vulfgard Brauer sieht das anders: „Einen Horizont hat jedes Land!“

Der Chef der Tourismusagentur Christian Schmidt kündigt an, dass die Fremdenverkehrswirtschaft „des Landes zwischen den Meeren“ (!) bei der Dachmarkenkampagne eine bedeutende Rolle spielen wird. Klar positioniert haben sich dagegen die Piraten im Landtag. Deren Fraktionschef Patrick Breyer findet den 90 000 Euro teuren Slogan „geradezu lächerlich“. Er habe schon bei Etatberatungen beantragt, die ursprünglich veranschlagten 500 000 Euro für die Dachmarkenwerbung zu streichen. „Der Schwachsinn, dafür Geld auszugeben, hat sich jetzt bestätigt.“ Nur mit Druck sei es gelungen, von der halben Millionen Euro im Werbeetat 40 000 Euro für die chronisch unterfinanzierten Verbraucherzentralen abzuzweigen. „Diese Diskussion wiederholt sich jetzt, der Wirtschaftsminister will 2014 für Werbung erneut 500 000 Euro haben und die Verbraucherzentralen müssen Filialen schließen“, so der Pirat.

Die Grünen, die Logo samt Slogan im Kabinett absegneten, hatten als Opposition noch dafür plädiert, die einst von Ex-Minister Austermann angezettelte Aktion Schildertausch schnell einzudampfen. „Land der Horizonte“ sei ein guter Spruch meinte die heutige Finanzministerin Monika Heinold. Die damals für Landeswerbung veranschlagten 60 000 Euro seien besser woanders angelegt. Ihr Vorschlag „sparen durch nichts tun“ und alles beim Alten zu lassen, scheint heute nicht mehr zu gelten.

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erstellt am 29.Aug.2013 | 05:19 Uhr

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