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Kommentar : Ebola: Nur keine Selbstgefälligkeit

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Je gründlicher das Gesundheitswesen auf Ebola vorbereitet ist, desto besser kann die Angst davor bekämpft werden. 

Die Ebola-Ansteckungen des texanischen Klinikpersonals wurden zum Politikum. US-Präsident Obama griff persönlich ein, nachdem sich laxe Schutzvorkehrungen und mangelhafte Schulung der Pflegekräfte als Ursache erwiesen. Zwar sind die EU-Richtlinien für Infektionskrankheiten der höchsten Gefahrenstufe strikter als in den USA. Nach Darstellung des Berliner Gesundheitsministeriums stehen bundesweit 50 Betten in Sonderisolierstationen bereit. Dort müssen Pfleger und Ärzte allein für das Anziehen der Schutzkleidung drei Dutzend Prüfpunkte berücksichtigen. Abgesehen davon aber, dass Infektionsmediziner die Zahl der tatsächlich zur Verfügung stehenden Betten für geringer halten, sind texanische Verhältnisse bei uns nicht ausgeschlossen.

Zur Betreuung des in Leipzig behandelten Ebola-Patienten musste sich das Klinikum anderenorts zusätzliche Schutzanzüge besorgen. Die Sonderisolierstation war für den Ernstfall nicht umfassend vorbereitet. Umso problematischer wäre die Einrichtung behelfsmäßiger Isolierstationen in Normalkliniken, falls es zu zahlreichen Ebola-Erkrankungen käme. Notfallpläne sind zwar reichlich vorhanden. Wir stünden aber vor dem gleichen Problem wie das Krankenhaus in Dallas: Vielen Mitarbeitern mangelte es an spezieller Schulung für schwerste Infektionskrankheiten.

Zur Selbstgefälligkeit besteht also kein Anlass. Einerseits ist das Infektionsrisiko durch Ebola bei Beachtung aller Schutzvorschriften sehr gering. Andererseits macht der internationale Reiseverkehr bessere Vorbereitungen für den Ernstfall erforderlich. Eine Ansteckungswirkung hatte Ebola bereits: Viele Deutsche sind von Angst erfasst und beäugen jeden Afrikaner argwöhnisch. Auch mancher Mediziner, dessen Bereitschaft für den afrikanischen Einsatz ermutigt werden sollte, sorgt sich um die eigene Behandlung im Krankheitsfall. Dass genügend Spezialflugzeuge internationaler Anbieter für den Heimtransport bereitstehen, reicht nicht aus. Je gründlicher das Gesundheitswesen auf Ebola vorbereitet ist, desto besser kann die Angst davor bekämpft werden. 

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erstellt am 18.Okt.2014 | 09:10 Uhr

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