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Sturmtief „Grischa“ : DWD warnt: Unwetterartige Böen in SH am Wochenende

vom
Aus der Onlineredaktion

Meteorologen gehen vor allem am Sonntag von Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h aus und warnen vor Verkehrsbehinderungen.

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erstellt am 27.Okt.2017 | 13:39 Uhr

Kiel | Schleswig-Holstein kann sich am Wochenende auf den nächsten Herbststurm einstellen. Am Sonntag erwarten Meteorologen schwere Sturmböen. „Vor allem ein breiter Streifen von der Nordsee bis zu den sächsischen und bayerischen Bergländern dürfte betroffen sein“, hieß es dazu am Donnerstag auf kachelmannwetter.de. Örtlich sei mit Böen bis zur Orkanstärke zu rechnen, schreibt der Metorologe und Autor des Portals, Thomas Sävert. Auf Straßen und Schienen könne es deshalb zu erheblichen Beeinträchtigungen kommen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab am Sonnabend eine Unwetterwarnung heraus für die Gebiete:

  • Kreis Nordfriesland
  • Kreis Dithmarschen
  • Insel Helgoland

Im Zeitraum von Samstag, 21 Uhr, bis Sonntag, 10 Uhr, sei hier mit unwetterartigen Böen zwischen 105 km/h und örtlich über 120 km/h (Bft 11 bis 12) aus Nordwest zu rechnen. Zwischen Flensburg und Fehmarn sowie östlich von Fehmarn bis Rügen werden Böen der Stärke 11 erwartet, östlich von Rügen der Stärke 10.

Nachdem Sturm Xavier vor drei Wochen den Bahnverkehr in Norddeutschland tagelang lahmgelegt hat, seien alle Aufräumarbeiten erledigt. „Wir schneiden die Vegetation auf unseren Strecken so weit es geht zurück und haben unser Personal in Bereitschaft“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn in Hamburg zu shz.de. Wie sich das Wetter am Wochenende auf den Verkehr auswirkt, bleibe abzuwarten. Aber beim Betrieb des Sylt Shuttles seien wetterbedingte Einschränkungen sehr wahrscheinlich. Aktuelle Meldungen zu Zugausfälle teilt die Bahn hier mit.

Höhepunkt der Sturmböen in der Nacht zu Sonntag

Auch die Experten der Kieler Wetterwelt gehen von einem windigen Wochenende aus. Hintergrund sind ein Tief über Skandinavien namens „Grischa“ und ein kräftiges Hoch vor Westeuropa. „Wir sind auf der Rückseite des Tiefs in der nordwestlichen Strömung. Die Luftdruckgegensätze sind gerade in Norddeutschland sehr hoch. Dadurch wird es sehr windig“, erklärt Alina Voss auf Nachfrage.

Die Diplom-Meteorologin geht davon aus, dass kühle Polarluft übers Wochenende langsam nach Schleswig-Holstein hereinströmt. Schon am Donnerstagabend könne es an der Nordsee mit Böen der Windestärke 8 stürmisch werden. Dies werde sich am Freitag fortsetzen. „Am Samstag verstärkt sich der Wind. Auch im Inland werden dann Böen möglich sein. An der Nordsee sind am Samstag Sturmböen der Stärke 9 möglich“, so Voss. Sie werden voraussichtlich in der Nacht zu Sonntag ihren Höhepunkt erreichen. Kachelmannwetter geht von Windgeschwindigkeiten bis etwa 100 km/h aus.

Auch der Deutsche Wetterdienst warnte am Freitag vor einer gefährlichen Sturmlage am Wochenende: „In der Nacht zum Sonntag weht der Wind verbreitet stark bis stürmisch aus West- bis Nordwest, bis in tiefe Lagen werden Sturmböen, an der See und im Bergland werden schwere Sturm- und exponiert Orkanböen erwartet.“ Demnach erreicht die Sturmlage Sonntagfrüh im Norden ihren Höhepunkt. „An der Küste und in Hochlagen treten schwere Sturm- und Orkanböen auf, in tiefen Lagen zumindest Sturmböen und in Verbindung mit kurzen Gewittern auch orkanartige Böen auf“, teilte der DWD mit. Durch umstürzende Bäume und herabfallende Äste bestehe Lebensgefahr. So soll sich der Wind übers Wochenende laut DWD entwickeln:

 

Eine Sturmflut ist wahrscheinlich

„Eine leichte Sturmflut wird es garantiert geben“, sagt die Wetterwelt-Expertin Voss voraus. „Nach derzeitigem Stand ist am Wochenende mit deutlich erhöhten Wasserständen an der deutschen Nordseeküste sowie im Weser- und Elbegebiet zu rechnen. Für das Morgen-Hochwasser bzw. Vormittag-Hochwasser am Sonntag besteht die Möglichkeit einer Sturmflut“, sagt auch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH, Stand Freitag, 8 Uhr) und rät dazu, sich regelmäßig über die Wasserstandsvorhersage zu informieren (Hier klicken).

An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste werde der Wind zwar nicht ganz so stark, „aber auch dort sind Sturmböen drin. Es gilt die gleiche Sturmgefahr“, sagt Alina Voss von der Wetterwelt. Durch den Einstrom kühler Höhenluft sind im ganzen Land zudem Schauer möglich, die sich zu Graupel oder Hagel entwickeln können. Voss: „Richtung Mecklenburg-Vorpommern die Wahrscheinlichkeit für Hagel am Wochenende am höchsten.“

Feuerwehr gibt Sicherheitstipps

Die rund 1400 Freiwilligen und vier Berufsfeuerwehren in Schleswig-Holstein seien auf das stürmische Wochenende vorbereitet, teilte der Landesfeuerwehrverband am Freitag mit. Es sei davon auszugehen, dass auch diese Wetterlage das nahezu durchweg ehrenamtliche System der Feuerwehren erneut stark fordern werde. „Wir bitten daher alle Arbeitgeber um Verständnis, wenn ehrenamtliche Feuerwehrangehörige durch das erhöhte Einsatzaufkommen nicht ihrer regulären Tätigkeit nachgehen können“, appellierte die stellvertretende Landesvorsitzende, Ilona Dudek. In Vorbereitung auf Sturm „Grischa“ gab der Landesverband folgende Sicherheitstipps:

Vor dem Sturm

  • Gebäude sichern: „Achten Sie vor allem auf möglicherweise bereits vorhandene Beschädigungen. Schwachstellen können lose Ziegel, Schornsteine oder Dachrinnen sein.“
  • Fahrzeug sicher abstellen: „Bei älteren Gebäuden, Baustellen oder morschen Bäumen kann der Wind Teile lockern, die dann eventuell auf das Auto herabstürzen können.“
  • Keller und Niedergänge rechtzeitig vor eindringendem Wasser sichern, wenn Überflutungsgefahr besteht.
  • Die Rückschlagventile im Keller sollten funktionsfähig sein.
  • Laub aus Wassereinläufen wie Gullys oder Abflussrinnen entfernen.
  • Balkone und Terrassen sichern, sodass Möbel oder Pflanzen nicht umhergewirbelt werden können.

Während des Sturms

  • Während des Unwetters das Haus möglichst nicht verlassen.
  • Wälder und Alleen meiden – nicht nur während, sondern auch nach dem Orkan. „Instabile Bäume und herab fallende Äste gefährden Sie auch in den Stunden danach.“
  • Falls sich das Autofahren nicht vermeiden lässt: „Passen Sie ihre Fahrgeschwindigkeit an. Achten Sie auf unvorhergesehene Hindernisse wie umherfliegende Gegenstände oder abgebrochene Äste. Beim Ein- und Aussteigen Fahrzeugtüre vorsichtig öffnen und den Griff fest in der Hand halten. Windböen können sonst die Türe aufreißen und erheblichen Schaden anrichten.“
  • Seitenabstand beachten: „Vor allem auf Landstraßen können selbst Schwerfahrzeuge wie Lkw oder Busse um mehr als einen Meter versetzen. Im schlimmsten Fall landet man plötzlich im Straßengraben oder gerät auf die Gegenfahrbahn.“
  • Erhöhte Gefahr bei Brücken oder Tunnelausfahrten: „Fahrbahnglätte, Dachlasten oder Aufbauten, die eine breite Angriffsfläche bieten, können auch dazu beitragen, dass das Fahrzeug vom Sturm verrissen wird.“
  • Dachlasten und Anhänger sollten an stürmischen Tagen vermieden werden. Der Schwerpunkt sollte möglichst tief liegen, das Gewicht aufbeide Fahrzeugachsen verteilt sein.
  • Wenn man von einer Sturmböe erfasst wird: „Ruhe bewahren. Jede heftige Bewegung mit dem Lenkrad macht das Fahrzeug nur noch instabiler. Um das Auto wieder zurück auf die Spur zu bringen, nur gefühlvoll gegenlenken.“
  • Gefahrenstellen und Schäden, bei denen Hilfe benötigt wird, unter der europaweiten Notrufnummer 112 melden: „Bitte halten Sie die Notrufleitungen der Feuerwehrleitstellen während des Unwetters frei und melden Sie Schäden, von denen keine akute Gefahr ausgeht, erst nach dem Ende des Unwetters“
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