Überschwemmungen und Hochwasser : Drohnen-Bilder von überfluteter Stör – steigender Elbe-Pegel in Lauenburg

Die Pegelstände der Stör sinken, die der Elbe in Lauenburg steigen noch.

shz.de von
08. Januar 2018, 14:33 Uhr

Kellinghusen/Lauenburg | Dauerregen in Schleswig-Holstein hatte die Stör bei Kellinghusen (Kreis Steinburg) am Freitag über die Ufer treten lassen. Straßen und Wiesen wurden überschwemmt. Anwohner mussten mit Sandsäcken und Flutschutzwänden ihre Grundstücke sichern. In der Nacht zu Samstag war der Pegelstand leicht zurück gegangen. Bei Willenscharen liefen die Wassermassen von den Wiesen langsam zurück in die Stör. Auch am Montag senkte sich der Pegel weiter ab (die einzelnen Pegelstände der Stör können Sie hier nachlesen).

sh:z-Fotograf Michael Ruff ist am Sonntag mit einer Drohne bei Kellinghusen über die Stör geflogen:

Steigender Elbe-Pegel in Lauenburg

In Lauenburg steigt der Elbe-Pegel noch. Gut sieben Meter – normal sind 4,50 Meter – dürfte der Pegelwert zum Wochenende betragen. Die Elbuferpromenade ist längst überschwemmt, die Twieten sind gesperrt, die Anwohner beobachten die Situation in ihren Häusern. Von Hektik ist allerdings nichts zu spüren, zumal der Scheitelpunkt in Dresden am Sonntag erreicht war und damit die größte Unsicherheit aus den Prognosen genommen wurde.

„Wir sind relativ entspannt, haben die Prognosen der Hochwasserzentrale aber im Blick“, sagte Reinhard Nieberg, der Leiter des Lauenburger Stadtentwicklungsamtes, am Montag. Er geht von einem „normalen Winterereignis“ aus. Im Januar 2011 hatte die Elbe vor Lauenburg einen Wasserstand von 9,14 Meter erreicht, höchster Wert der vergangenen Jahre waren dann 9,64 Meter beim Hochwasser im Juni 2013. Die Rekordmarke stammt mit 9,88 Metern aus dem Jahr 1855. Nieberg: „Wir haben auch Kontakt zu den Kollegen am Rhein, die ja ihre neuen Flutwände aufbauen. Aber das wird bei uns nicht nötig sein.“ Mobile Wände gibt es in Lauenburg aber auch nur an der Palmschleuse.

Beim Hochwasser im Juni 2013 erreicht die Elbe in Lauenburg einen Pegel von 9,64 Meter. Daran kommt das aktuelle Hochwasser noch lange nicht.
Timo Jann

Beim Hochwasser im Juni 2013 erreicht die Elbe in Lauenburg einen Pegel von 9,64 Meter. Daran kommt das aktuelle Hochwasser noch lange nicht.

„Bisher sehen wir keine große Gefahr. Aber es zeigt ja mal wieder, wie wichtig ein grundsätzlicher Schutz für unsere Altstadt ist“, sagte am Montagmorgen Sven Scharnweber, Anwohner der Elbstraße. „Wäre der ganze Regen, den wir hier hatten, woanders gefallen, wären die Prognosen jetzt vielleicht deutlich anders“, so Scharnweber. Denn der Regen, der vergangene Woche für Überschwemmungen in der Region gesorgt hatte, hat auf die Elbe keinen Einfluss. Das Hochwasser im Fluss kommt aus dem Einzugsgebiet der Elbe, das sich vor allem in Tschechien befindet und in Ostdeutschland durch Zuflüsse gespeist wird. Scharnweber: „Ich hoffe, dass das Stauwehr in Geesthacht auch sinnvoll gesteuert wird, um für Abfluss zu sorgen.“

In Dresden stand der Pegel am Wochenende bei 3,31 Metern, normal sind 1,80 Meter. In Lauenburg wurde die Prognose seit vergangener Woche immer weiter nach oben angepasst, weil selbst für Dresden noch kein Höchststand absehbar war. Der wurde jetzt erreicht. „Ich gehe davon aus, dass wir hier nicht großartig aktiv werden müssen“, sagt Feuerwehrchef Lars Heuer. Erst ab neun Metern wird es wirklich kritisch. „Wir haben die Entwicklung im Augen und würden notfalls natürlich für eventuelle Einsätze bereit stehen“, so Heuer.

Um mögliche Evakuierungen bei künftigen Hochwasserlagen geht es am 18. Januar (19 Uhr) in der Osterwold-Halle. Dann stellen Studenten ihre Erkenntnisse vor. Anwohner der Elbstraße, die im Juni 2013 evakuiert wurden, hatten im Nachgang kritisiert, dass sie Schäden geringer hätten halten können, wenn sie ihre Häuser weiterhin hätten verteidigen dürfen. Jetzt, gut viereinhalb Jahre danach, soll die damals getroffene Entscheidung zur Evakuierung auf den Prüfstand und die ehemals Betroffenen sollen mitreden dürfen. Die Grundlage der künftigen Bewertung soll die Analyse von zwei Studenten der Hochschule für Angewandte Wissenschaften sein. Der Krisenstab des Kreises hatte 2013 die Evakuierung von mehr als Altstadtbewohnern angeordnet. Der Hochwasserschutz für die Altstadt lässt derweil noch immer auf sich warten, zuletzt war 2028 als Jahr der Fertigstellung genannt worden.

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