Landgericht Kiel : Dreijähriges Kind missbraucht – Prozessbeginn

Die Staatsanwältin listete insgesamt 18 Fälle von Januar 2012 bis März 2013 auf.
Die Staatsanwältin listete insgesamt 18 Fälle von Januar 2012 bis März 2013 auf.

Er soll sich in Kiel an einem erst drei Jahre alten Jungen vergangen haben. Mit einem weiteren Mann soll der 30 -Jährige zuvor in Karlsruhe ein anderes Kind missbraucht haben. Sie hatten sich zu den Taten verabredet.

shz.de von
26. November 2013, 13:21 Uhr

Kiel | Wegen sexuellen Missbrauchs eines dreijährigen Kindes aus Kiel muss sich seit Dienstag ein 30-jähriger Angeklagter vor dem Kieler Landgericht verantworten. Laut Anklage missbrauchte der Mann zuvor auch in Karlsruhe einen achtjährigen Jungen – gemeinsam mit einem inzwischen verurteilten Mittäter. Der Angeklagte kündigte zu Prozessbeginn ein Geständnis an. Dazu wurde zum Schutz der Persönlichkeitssphäre des Angeklagten und der Kinder die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Die Mutter des Dreijährigen hatte den Angeklagten im März 2013 angezeigt. Er sitzt seither in Untersuchungshaft. Die beiden Kinder sind als Nebenkläger zugelassen. Sie werden über ihre Eltern durch Rechtsanwältinnen vertreten. Der Mittäter in Karlsruhe wurde dort inzwischen zu einer Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Beide Männer hatten sich der Anklage zufolge über das Internet kennengelernt und zu den Straftaten verabredet.

Die Staatsanwältin listete insgesamt 18 Fälle von Januar 2012 bis März 2013 auf. Vier davon wertete sie als schwer. Sie warf dem 30-Jährigen auch Besitz und Verbreitung kinderpornografischer Bilder und Dateien vor. Seit 2008 soll der Mann entsprechendes Material heruntergeladen und über das Internet anderen zugänglich gemacht haben. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden demnach über 11.000 Bilddateien sichergestellt. Von den sexuellen Übergriffen liegen laut Anklage eine Vielzahl von Fotos vor, die der 30-Jährige mit seinem Handy gemacht haben soll.

Der Prozess soll am 3. Dezember fortgesetzt werden.

Aktuell laufende Prozesse in Schleswig-Holstein und Hamburg:

Schwimm-Trainer soll 16-Jährige missbraucht haben

Zwischen 2004 und 2006 soll sich ein Schwimmtrainer an einer ihm damals anvertrauten jungen Schwimmerin mehrfach vergangen haben – in seiner damaligen Kieler Wohnung, im Urlaub auf Kreta sowie in einem Berliner Hotel 2005. Insgesamt 18 Fälle sexuellen Missbrauchs wirft die Staatsanwaltschaft dem heute 41-Jährigen vor. Die Anklageschrift im neuen Verfahren ist dieselbe wie im ersten Prozess, der im August 2012 in Kiel gestartet war. Das Amtsgericht rollt den Ende 2012 geplatzten Prozess neu auf. Damals hatte die Verteidigung einen Antrag auf ein Glaubwürdigkeits-Gutachten der heute 25-jährigen Hauptbelastungszeugin gestellt. Es konnte in der geforderten Zeit jedoch nicht erstellt werden. Seit dem 19. November wird erneut verhandelt.

Führerschein verweigert – Sachbearbeiterin erstochen

Ein 57-Jähriger, der seine Führerschein-Sachbearbeiterin erstochen haben soll, muss sich seit Mitte November vor dem Landgericht Flensburg verantworten. Der bis dahin unbescholtene Mann war laut Anklage Ende April in Lürschau bei Schleswig in das Einfamilienhaus seiner Sachbearbeiterin eingedrungen. Dann soll er die 37-Jährige zunächst gewürgt und anschließend auf sie eingestochen haben. Hintergrund ist den Angaben zufolge die Nichterteilung einer Fahrerlaubnis. Laut Staatsanwaltschaft unternahm der Angeklagte nach der Tat einen Selbstmordversuch.

Mord an Lübecker Joggerin

Einem 45 Jahre alten Mann aus Lübeck wird vor dem Schweriner Landgericht neben Mord versuchte sexuelle Nötigung und ein Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt. Der Tatverdächtige soll eine 29-jährige Joggerin aus Lübeck Anfang Juli in einem Waldstück zwischen Lübeck und der westmecklenburgischen Gemeinde Herrnburg überfallen haben, um sich an ihr zu vergehen. Als die Läuferin – die mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Kind mittlerweile in Italien lebt und nur zu Besuch bei ihren Eltern war – sich gegen den sexuell motivierten Angriff wehrte, hat sie der Mann nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft gezielt erstochen. Die Staatsanwaltschaft geht nach eigenen Angaben von niedrigen Beweggründen für die Tat aus. Das Gesetz sieht dafür lebenslange Haft vor.

Methadontod der elfjährigen Chantal

Nach dem Methadontod der elfjährigen Chantal im Januar 2012 beginnt der Prozess gegen die Pflegeeltern nach Einschätzung der Hamburger Staatsanwaltschaft wohl nicht mehr im Jahr 2013. Mitte August hatte das Oberlandesgericht eine Entscheidung des Landgerichtes korrigiert, das nur gegen den Pflegevater verhandeln wollte. Nach Ansicht des Oberlandesgerichts ist die Anklage gegen die Pflegemutter ohne Einschränkung zuzulassen, da die Frau der fahrlässigen Tötung und der Verletzung ihrer Fürsorge- und Erziehungspflicht hinreichend verdächtig sei. Chantal war in Hamburg-Wilhelmsburg in der Obhut ihrer drogensüchtigen Pflegeeltern an einer Vergiftung mit der Heroin-Ersatzdroge Methadon gestorben.

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