AfD-Chefin boykottiert Sitzungen : Doris von Sayn-Wittgenstein: „Die Fraktion mobbt mich“

Fühlt sich von den übrigen Mitgliedern der AfD-Landtagsfraktion „in die Ecke gedrängt“: die Vorsitzende der Landespartei in Schleswig-Holstein, Doris von Sayn-Wittgenstein.
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Fühlt sich von den übrigen Mitgliedern der AfD-Landtagsfraktion „in die Ecke gedrängt“: die Vorsitzende der Landespartei in Schleswig-Holstein, Doris von Sayn-Wittgenstein.

Doris von Sayn-Wittgenstein nimmt nicht mehr an Fraktionsversammlungen teil und legt den Sitz im Agrarausschuss nieder.

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23. Januar 2018, 18:19 Uhr

Kiel | Die Mitglieder der AfD-Landtagsfraktion sind verschnupft. Fraktionschef Jörg Nobis im wahrsten Sinne des Wortes, der 43-Jährige liegt krank im Bett. Die übrigen Abgeordneten sind über das Verhalten ihrer Kollegin Doris von Sayn-Wittgenstein verstimmt. Die Landeschefin boykottiert seit Ende vergangenen Jahres die Fraktionsversammlungen. Gegenüber shz.de erklärte sie, sie werde von Mitarbeitern der Fraktion gemobbt, man würde gegen sie hetzen und ihr unterstellen „über Leichen zu gehen“. Zudem habe ihr der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Volker Schnurrbusch, in seiner Eigenschaft als Ersatzmitglied des Umwelt- und Agrarausschusses Informationen vorenthalten.

„Ich kann nur spekulieren, ob dies mit Vorsatz oder aus Vergesslichkeit geschehen ist“, so Sayn-Wittgenstein. Auch ihre frühere Referentin Angelika Wöhler-Geske habe ihr bestätigt, dass sie unter anderem wegen des Umganges der Fraktion mit Sayn-Wittgenstein nach Berlin in den Bundestag gewechselt sei. Der von der Fraktion eingestellte Nachfolger habe ihr nicht mehr vollständig zur Verfügung gestanden, sondern sei in der Pressestelle eingesetzt worden. Um sich „des Einflusses von Volker Schnurrbusch auf Landwirtschaftsthemen zu entziehen“, habe sie ihre Mitgliedschaft im Umwelt- und Agrarausschuss niedergelegt, so Sayn-Wittgenstein. Sie fühlt sich nach eigenen Worten von ihren Fraktionskollegen „nicht gerecht“ behandelt und „als Abgeordnete gegängelt“: „Wenn die vier mich als gewählte Abgeordnete in die Ecke drängen, dann ist das undemokratisch“, so die Parteichefin. An den Fraktionssitzungen werden sie bis auf weiteres nicht teilnehmen. „Die politische Arbeit findet in den Ausschüssen des Landtages statt“, erklärte die 63-Jährige. Sie sei unter anderem Mitglied im Petitions- und im Richterwahlausschuss. Für ihre dortige Tätigkeit benötige sie keinen Referenten und die Arbeit mache ihr Spaß.

Das gilt aber nicht für die Arbeit in der Fraktion: Höhepunkt der Auseinandersetzung war Sayn-Wittgensteins Forderung, einem Mitarbeiter zu kündigen. Dies hatten die übrigen Fraktionsmitglieder abgelehnt. „Gerade unsere Fraktionsversammlungen sind dazu da, über solche Dinge zu sprechen“, erklärte Volker Schnurrbusch. „Ich erwarte, dass Frau von Sayn-Wittgenstein alle ihre Vorwürfe belegt und mit statt über uns spricht.“ Die Fraktion sei zu klein und persönliche Befindlichkeiten dürften die Arbeit nicht gefährden, so Schnurrbusch, der alle Vorwürfe der Fürstin zurückwies. „Wir sind nur fünf Leute und wenn eine ausfällt, dann ist das für uns ein dickes Brett.“ Er hoffe auf ein klärendes Gespräch und forderte, Partei- und Fraktionsarbeit nicht zu vermengen.

Im AfD-Landesverband hatte es in der Vergangenheit zum Teil heftige Kritik an Sayn-Wittgensteins Führungsstil gegeben – zuletzt hatte Frank Hansen, der Kreisvorsitzende der Partei von Flensburg-Schleswig die Landesvorsitzende zum Rücktritt aufgefordert. In einem internen Schreiben kritisierte Hansen, Sayn-Wittgenstein habe „mal wieder führen mit herrschen verwechselt“, daher bleibe ihm „nichts anderes übrig als Sie aufzufordern, zurückzutreten“.

Zumindest im Landesverband will die AfD die Differenzen im Gespräch klären. Für den 2. Februar hat der Landesvorstand die Mitglieder zu einer Dialogveranstaltung eingeladen.


 
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