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G8 und G9 im Vergleich : Doch kein doppelter Abitur-Jahrgang in SH

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Zahlen des Bildungsministeriums zeigen: Beim Abi in acht Jahren hatten viele Schüler Probleme. Von einem doppelten Jahrgang kann keine Rede sein.

shz.de von
erstellt am 08.Mär.2016 | 07:58 Uhr

Kiel | Von wegen doppelter Abiturjahrgang – in Wirklichkeit handelt es sich nur um einen anderthalbfachen. Denn lediglich 57 Prozent derjenigen, die 2008 auf ein Gymnasium mit Turboabitur gewechselt sind, wurden jetzt zur Reifeprüfung zugelassen. Von Schülern, die 2007 auf einem Gymnasium angemeldet wurden, das in neun statt acht Jahren zum Abitur führt, blieben nur 30 Prozent sitzen oder warfen ganz das Handtuch, 70 Prozent erreichen jetzt voraussichtlich ihr Ziel – zeitgleich mit den G8lern.

Um das Abitur tobt seit Jahren ein Streit. Seit 2008 gibt es die Möglichkeit in Schleswig-Holstein, nach acht Jahren auf der weiterführenden Schule das Abitur zu machen (G8). Parallel dazu ist aber auch G9 möglich. 2016 werden demnach zwei Jahrgänge gleichzeitig die Schulen verlassen. Das sorgt für einige Kuriositäten.

Die Küstenkoalition begründet die Diskrepanz der Absolventenzahlen mit Anlaufschwierigkeiten bei G8. „Dass der Abiturjahrgang 2016 nur etwa 50 Prozent größer ist als der Abiturjahrgang 2015 und nicht wirklich ein doppelter Jahrgang, liegt in erster Linie daran, dass die Umstellung damals nicht optimal gelungen ist. Inzwischen haben sich die Gymnasien aber konzeptionell auf G8 eingestellt“, kommentierte am Montag SPD-Bildungsexperte Martin Habersaat die neusten Zahlen aus dem Bildungsministerium.

Prognose: 2017 normalisieren sich die Zahlen

Einiges spricht dafür, dass es sich tatsächlich nur um Startschwierigkeiten handelt. Schon im zweiten G8-Jahrgang – also bei den Schülern, die 2009 auf ein Turbo-Gymnasium wechselten – sehen die Zahlen ganz anders aus: Von knapp 11.000 Schülern erreichen nach Prognose des Ministeriums gut 83 Prozent das Abitur. Die Zahl ist wegen der vielen Wiederholer aus dem vorausgehenden Schuljahr so hoch. 2010 normalisieren sich dann die Werte: von 10.880 Fünftklässlern werden wohl 73 Prozent nach acht Jahren – also ohne Ehrenrunde – das Abitur mache. „Inzwischen ist der achte Jahrgang G8 am Start – mit dem ersten Durchgang ist das nicht mehr zu vergleichen, an den meisten Schulen läuft es inzwischen rund“, lobt die Grüne Abgeordnete Anke Erdmann.

Opposition sieht andere Gründe

Trotzdem sieht die Opposition Handlungsbedarf. Auch wenn für Hochschulen und Wohnungsmarkt zunächst leichte Entspannung angesagt ist, weil der „doppelte Abiturjahrgang“ kleiner ausfällt als gedacht, stehe hinter jedem Schüler, der sein Abitur jetzt nicht schaffe, ein persönliches Schicksal. „Die Tragweite scheint den Koalitionären nicht klar zu sein“, meint die FDP. Und CDU-Frau Heike Franzen sieht im Wegfall der Schulartempfehlung, im Verbot von Jahrgangswiederholungen sowie im Verbot des Wechsels vom Gymnasium auf die Gemeinschaftsschule die wahren Gründe für die Misserfolge der Schüler. „Die Gymnasien müssen G8 jetzt mit einer völlig unzureichenden Personalausstattung unter dem Regelwerk der Gemeinschaftsschule realisieren“, so Franzen. Sie ist überzeugt, dass „SPD, Grüne und SSW am Scheitern der Gymnasien arbeiten, um ihre Einheitsschule durchzusetzen“.

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