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Rettungsschwimmer : DLRG sucht noch 160 Strandwächter

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Der Sommer naht - und der Bedarf an Rettungsschwimmern. Doch kürzere Aufenthaltsdauer und Sanierungsstau bei den Unterkünften erhöhen den Druck.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2012 | 10:38 Uhr

Kiel | Es wird immer schwieriger, die Wachdienste an den Badestränden Schleswig-Holsteins mit Rettungsschwimmern zu besetzen. Darauf hat der Landes-Einsatzleiter der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Thies Wolfhagen, hingewiesen. Weil die meistens aus anderen Bundesländern angereisten Kräfte - wie die normalen Touristen - zunehmend kürzer bleiben, müssen umso mehr von ihnen angeworben werden, damit keine Lücken entstehen.
Bis in die 90er Jahre hinein blieben die meisten DLRG-Wachleute für drei Wochen im Norden. Dadurch reichten für einen Sommer 1500 von ihnen aus. In diesem Jahr werden für die zwölf Stationen an der Nord- und 40 Stationen an der Ostsee fast 2200 Ehrenamtler benötigt. Sie müssen als Mindestanforderung einen Rettungsschwimmerschein in Silber besitzen und einen Erste-Hilfe-Lehrgang für Fortgeschrittene nachweisen, der höchstens drei Jahre zurückliegt. Mehr und mehr, so Wolfhagen, befänden sich auch Rettungssanitäter oder Krankenpfleger und -schwestern unter den eingesetzten Männern und Frauen.
Verstärkung besonders für die Vorsaison gesucht
"Besonders für die Vorsaison zwischen Pfingsten und Anfang Juli suchen wir noch Verstärkung", erklärt der Landes-Einsatzleiter. 160 Strandwachen werden für diesen Zeitraum noch gebraucht. Es wäre noch schwieriger, sagt er, hätte die DLRG nicht vor drei Jahren die getrennten Einsatzleitungen für Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zusammengefasst. Seitdem bewerben sich Interessenten zentral bei der Bundesgeschäftsstelle in Bad Nenndorf bei Hannover statt teils dreimal an unterschiedlichen Adressen. "Dadurch ist es logistisch einfacher geworden, die Pläne der Stationen und die der Ehrenamtlichen unter einen Hut zu bringen", erklärt Wolfhagen.
Die Disponenten können so leichter erkennen, wo noch Lücken sind und Bewerber gezielt für bestimmte Vakanzen an bestimmten Orten interessieren. Von den in Schleswig-Holstein eingesetzten Rettungsschwimmern stammt mit 45 Prozent der Löwenanteil aus Nordrhein-Westfalen. Hessen, Baden-Württemberger, Bayern und Niedersachsen sind ebenfalls häufig vertreten.
Unterkünfte im Charme der 70er
Noch aus einem zweiten Grund muss sich die DLRG laut Wolfhagen "immer mehr anstrengen, um genug Leute an die Küste zu bekommen": wachsende Schwierigkeiten, die Schwimmer einigermaßen passabel unterzubringen. Dies obliegt den Strandbetreibern, in der Regel den kommunalen Tourismusbetrieben. Angesichts der Ebbe in den Gemeindehaushalten jedoch können die nicht immer Unterkünfte bieten, die den Ansprüchen aller DLRGler genügen. "Es geht keinesfalls um die Kategorie Fünf Sterne plus", stellt der Landes-Einsatzleiter klar.
"Aber gehobener Jugendherbergs-Standard sollte es schon sein - schließlich ist der Aufenthalt für die meisten Helfer ihr Sommerurlaub. Für die ein oder andere kleine Gemeinde oder den ein oder anderen privaten Campingplatz müssen wir schon darum kämpfen, um Rettungsschwimmer zu begeistern", erzählt Wolfhagen. "Der Charme der 70er Jahre hilft da nicht weiter." Seine Prognose lautet: "Für Kommunen, die nicht in Unterkünfte investieren, wird es mittelfristig ein Problem, den Strand bewachen zu können."
57 Menschen vor dem Ertrinken gerettet
Als positives Gegenbeispiel nennt die DLRG Neustadt-Pelzerhaken: Dort hat die Stadt 750.000 Euro in die Hand genommen, um eine gerade eröffnete DLRG-Station mit Übernachtungsplätzen für 23 Personen zu errichten. Schwedeneck und Hasselberg/Kronsgaard etwa hätten auch als kleinere Gemeinden in jüngerer Vergangenheit Neubauten hinbekommen.
Auch, wenn die Wassertemperaturen noch keine Lust aufs Baden machen: An diesem Wochenende sind bereits gut 100 DLRG-Leute am Strand im Einsatz, meist hauptsächlich befasst mit Vorbereitungen für die Saison. Im vergangenen Jahr leisteten DLRGler an den Wachstationen im Land 4000-mal Hilfe und bewahrten 57 Badende vor dem Ertrinken.

Aktion Strandpate
Auch wer kein Rettungsschwimmer ist kann Verantwortung für die Sicherheit an seinem Lieblingsstrand übernehmen: Er kann DLRG-"Strandpate" werden. Nach dem Start der Aktion im vergangenen Sommer machen bisher 70 Schleswig-Holsteiner mit - für einen Betrag zwischen wahlweise 25 und 100 Euro pro Jahr. Das Geld hilft der DLRG, Kürzungen des Landes bei Ausbildungshilfen zu kompensieren und soll zugleich die Identifikation von Strandgängern mit ihrem bevorzugten Küstenabschnitt stärken. Infos über Telefon 04351/717717 oder strandpaten-kontakt@schleswig-holstein.dlrg.de

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