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Piratenpartei : Digitaler Wahlkampf in der analogen Welt

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Die Piratenparei, die sich doch vornehmlich im Internet organisiert, setzt noch immer auf altmodische Werbung wie Luftballons, Flyer und Plakate.

Kiel | Klar, diesen Aufsteller musste er mitbringen: "Trau’ keinem Plakat, informier’ Dich" steht darauf. Ein Klassiker der Piraten. Und einer, der die Partei in Schleswig-Holstein mitgegründet hat, befestigt es gern an der Emil-Lueken-Brücke in Kiel: Sven Krumbeck. 23 Jahre ist er erst alt, damit der jüngste  Abgeordnete, der in dieser Wahlperiode dem Landtag angehört – und immer noch will er ein bisschen anders sein als Politiker anderer Parteien. Denn bei den Piraten machen auch die Mandatsträger mit bei Plakatierungsaktionen. "Denn Geld haben wir immer noch nicht", sagt Krumbeck.

Doch warum setzt die Partei, die sich doch vornehmlich im Internet organisiert, noch immer auf altmodische Werbung wie Luftballons, Flyer und Plakate? "Wir leben in der realen Welt, und wir wollen so Menschen überzeugen, die vielleicht nicht so mit dem Netz vertraut sind", sagt Mario Tants, Sprecher  der Piratenfraktion. Er hätte auch sagen können: "Wir brauchen die Plakate, um überhaupt noch eine Chance zu haben, in den Bundestag einzuziehen." Denn findige Strategen haben herausgefunden, dass sich so nur die Wankelmütigen überzeugen lassen, die schon mal über eine Wahl der um sie werbenden Partei nachgedacht haben.

Gerade auf die sind die Piraten dringend angewiesen. Nach den Erfolgen bei der Landtagswahl vor eineinhalb Jahren ist der Hype verschwunden, wie Krumbeck ohne Weiteres zugibt, während er das Plakat mit Kabelbindern fixiert. Doch durch Bekanntwerden der Spähangriffe der US-Amerikaner spüre die Partei wieder Aufwind. Die Piraten veranstalten nun Cryptopartys, auf denen sie Interessierten zeigen, wie sie ihre Daten vor Spähprogrammen schützen – mit großem Erfolg,  wie Krumbeck sagt. "Wir sind in den Umfragen von zwei auf vier Prozent geklettert, das hätte uns vor ein paar Monaten keiner zugetraut. Wer die Piraten wählt, verschenkt seine Stimme nicht", sagt Mario Tants, auch weil er das als Sprecher so sagen muss. Doch wer sich mit den Piratenmitgliedern unterhält, merkt, dass sie wie Krumbeck wirklich an diese kleine Chance eines politischen Comebacks glauben.

Und was die Plakate angeht, haben sie sich auch etwas Besonderes ausgedacht. Wer denen nicht  traut, kann auf der Piraten-Homepage mit seinem eigenen Bild  ein Plakat gestalten und an Freunde schicken.

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erstellt am 02.Sep.2013 | 13:34 Uhr

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