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Differenz zum Normalpreis wird immer größer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

von
erstellt am 07.Dez.2013 | 18:44 Uhr

Von Jahr zu Jahr werden die Unternehmen dreister, wenn es um die Preisgestaltung der Weihnachts-Verpackungen ihrer Süßigkeiten geht. Das belegt auch eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, die seit 2008 die Preise zu Weihnachten vergleicht. Während die maximale Differenz zwischen dem Grundpreis in einer normalen Verpackung und dem für die weihnachtliche Verpackungsvariante im Jahr 2008 noch bei 74 Prozent lag, kletterte diese 2010 bereits auf 125 Prozent – das heißt für den gleichen Inhalt im festlichen Design wurde mehr als doppelt so viel Geld verlangt. In diesem Jahr schlagen die Hersteller noch viel stärker zu: Bis zu 282 Prozent mehr zahlen Verbraucher in dieser Saison für Naschereien im Weihnachtsgewand, wie die Kieler Verbraucherschützer errechnet haben. Dieses Ergebnis deckt sich mit den Recherchen von Schleswig-Holstein am Sonntag (siehe große Übersicht).

„Wem die dekorativen Verpackungen trotz der teuren Preise gefallen, dem wollen wir die Freude am Kauf nicht verderben“, sagt Gudrun Köster, Lebensmittel-Referentin bei der Kieler Verbraucherzentrale. „Aber nach unseren Erfahrungen sind vielen Menschen diese Anbieterstrategien nicht bewusst.“ Ein Blick auf den Grundpreis zeige, wie teuer Verbraucher die Naschereien in Stern-, Glocken- oder Tannenbaumform bezahlen. Diese Angabe sei seit dem Jahr 2000 Pflicht, führe aber immer noch ein Schattendasein. Köster bemängelt außerdem, dass die Grundpreis-Angaben an den Regalen meist sehr klein gedruckt seien und dadurch nicht gerade zum Vergleich einladen würden. „Wem es also mehr um den Inhalt und weniger um die Verpackung geht, sollte hier aufpassen.“

Unterstützt wird die Preisstrategie der Süßwarenhersteller durch Sonderregale und Platzierungen an verschiedenen Stellen im Laden, die den Kunden einen Preisvergleich erschweren – bloß nicht in der Nähe der regulären Regale mit Naschereien. Teilweise verschwindet die reguläre Ware nach den Beobachtungen der Kieler Verbraucherschützer zu Weihnachten sogar ganz aus den Läden.

Was das Ganze noch undurchsichtiger macht: Die unzähligen Verpackungs-Varianten und Inhaltsmengen der gleichen Produkte. So gibt es zum Beispiel die Rocher-Pralinen von Ferrero in Form eines Sterns, einer Baumkugel, Tanne, eines Geschenks oder als Pyramide, mit jeweils unterschiedlichen Inhaltsmengen. Mal sind es 42 Gramm, mal 106, 157 oder 283 Gramm – der Blick auf den Gesamtpreis für das Produkt wird dadurch verzerrt, nur der Grundpreis bietet eine Orientierungshilfe für den Kunden.

So richtig zugelangt wird auch bei Adventskalendern. Die Hamburger Verbraucherzentrale untersuchte in diesem Jahr zehn Kalender aus sieben verschiedenen Geschäften. Das Ergebnis: Das meiste Geld geht für die Verpackung drauf – und die wandert später in den Müll. 11,24 Euro kostete die teuerste Verpackung bei einem getesteten Kalender: Die Schokolade im 16,90 Euro teuren Kalender hätten die Kunden für unter sechs Euro lose kaufen und selbst verpacken können, haben die Verbraucherschützer ausgerechnet. Für den Lebensmittelexperten Armin Valet ist das Abzocke – zumal die Inhalte oft einfallslos seien und dem Standardsortiment entsprächen, das es ganzjährig im Supermarkt gibt.

Nur: „Die Leute schätzen festlich verpackte Produkte und zahlen dafür, sie fertig einkaufen zu können“, sagt Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. „Dass sie dafür dann mehr bezahlen als für Produkte ohne Weihnachtsverpackung ist ihnen der Service wert“, sagt der Sprecher. „Sonst würden ja mehr Leute die Süßigkeiten für ihre Kinder selber verpacken.“ In der Produktion fielen im Übrigen neben Materialkosten auch zusätzliche Kosten für den Verpackungsprozess an.

Die erhöhten Preise schaden der Kauflust offenbar nicht. Der Verband der Süßwarenindustrie erwartet in diesem Jahr sogar eine Absatzsteigerung. Die Kritik der Verbraucherschützer ändere daran nichts.

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