Wintereinbruch in Flensburg : Diese Folgen hat das Schnee-Chaos für Arbeitnehmer

Schnee und Eis haben Flensburg ins Chaos gestürzt. Am Donnerstag war der Verkehr nahezu komplett lahmgelegt. Hier schleppt der THW einen Linienbus ab.

Schnee und Eis haben Flensburg ins Chaos gestürzt. Am Donnerstag war der Verkehr nahezu komplett lahmgelegt. Hier schleppt der THW einen Linienbus ab.

Busse fallen aus, der Verkehr ist weitestegehend lahmgelegt. Was passiert, wenn Sie Ihren Arbeitsplatz nicht erreichen.

shz.de von
01. März 2018, 20:02 Uhr

Flensburg | Eine Stadt im Ausnahmezustand: Am Donnerstagmorgen versuchten Flensburger stundenlang, ihr Auto freizuschaufeln. Fahrzeuge blieben in Schneeverwehungen stecken, Busse fuhren nicht. Die Landespolizei riet unter anderem per Twitter, das Auto besser stehen zu lassen.

 

Die öffentlichen Schulen verkündeten frühzeitig, dass sie geschlossen bleiben. Aber was ist mit all den anderen, die ihren Arbeitsplatz erreichen müssen? Wenn ein Arbeitnehmer partout keine Möglichkeit hat, seinen Arbeitsplatz zu erreichen: Drohen ihm dann arbeitsrechtliche Konsequenzen wie eine Abmahnung oder gar eine Kündigung?

Die Flensburger Fachanwältin für Arbeitsrecht, Dr. Martina Mardini-Müther, erklärt: „Grundsätzlich trägt der Arbeitnehmer das Wegerisiko. Das heißt, dass er dafür sorgen muss, dass er frühzeitig von zu Hause aus zur Arbeit gelangt.“ Komme er zu spät oder gar nicht, könne er seine Arbeitskraft nur zum Teil oder gar nicht anbieten. „Das bedeutet, dass er keinen Lohnanspruch hat.“ Laut § 616 BGB gelte dies auch bei einem Schneechaos oder Sturmböen. So entscheide das Bundesarbeitsgericht seit 1982.

Arbeitgeberverband fordert eine großzügige Regelung

Rechtlich gesehen habe der Arbeitnehmer keinen Lohnanspruch, wenn er wegen eines Schneechaos' nicht auf der Arbeit erscheint. „Viele Unternehmen finden eine interne Lösung. Arbeitgeber und -nehmer regeln den Ausfall durch Überstunden-Abbau oder Urlaubstage“, so die Arbeitsrecht-Expertin.

„Unser Appell an die Arbeitgeber ist, eine großzügige Regelung zu haben“, sagt Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Flensburg-Schleswig-Eckernförde. Bei solchen extremen Bedingungen seien die meisten das auch. „Es hilft schließlich niemandem, wenn der Arbeitnehmer auf dem Weg verunglückt.“

Der Arbeitgeberverbands-Vorsitzende ist vom Flensburger Stadtteil Engelsby zu Fuß in die Neustadt gelaufen – auf die andere Seite der Stadt. „Den Kollegen habe ich es freigestellt zu kommen. Aber es sind alle heute erschienen“, so Geyer. Einige Institutionen und Einrichtungen in Flensburg sind geschlossen geblieben, andere haben ihre Öffnungszeiten verkürzt, damit die Mitarbeiter sicher nach Hause kommen.

Schwierig werde es in Krankenhäusern oder bei Pflegediensten, wo Menschen auf menschliche Dienste angewiesen sind, erklärt Geyer. Eine gewisse Notfallversorgung müsse also geleistet werden. „Und wenn das heißt, dass Mitarbeiter, die in Flensburg wohnen, ein paar Kilometer zu Fuß durch den Schnee stapfen müssen.“

Wenn absolut keine Möglichkeit besteht, den Arbeitsplatz zu erreichen, dürfen sie fern bleiben. „Das Risiko für einen Lohnentfall tragen jedoch die Mitarbeiter. Sie sollten unbedingt mit ihren Vorgesetzten klare Absprachen treffen“, fasst Geyer zusammen.

Lohnanspruch – Ja oder Nein?

Bevor Arbeitgeber den Lohn bei Unwetter kürzen, sollten sie in den Tarifvertrag schauen, rät Mardini-Müther. Mitunter gebe es abweichende Regelungen.

Generell gelte: „Wenn der Arbeitnehmer durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden gehindert ist, zum Dienst zu erscheinen, muss der Lohn gezahlt werden. Dies gilt beispielsweise im Krankheitsfall oder im Fall, wenn ein Verkehrsunfall ihn hindert, rechtzeitig zur Arbeit zu kommen“, erklärt die Fachanwältin. Gleiches gelte für einen Todesfall in der Familie, einen Arztbesuch oder die eigene Hochzeit. Dann besteht der Lohnanspruch trotz der Nichtleistung der Arbeit fort.

Kita geschlossen: Eltern dürfen zu Hause bleiben

Wenn der Kindergarten witterungsbedingt geschlossen bleibt, darf einer von beiden Elternteilen zu Hause bleiben, um auf das Kind aufzupassen. Dies gilt nur, wenn es keine andere Betreuungsmöglichkeit durch beispielsweise Großeltern gibt.

In diesem Fall muss der Arbeitgeber den Lohn fortzahlen. Der Arbeitnehmer ist jedoch verpflichtet, den Arbeitgeber unverzüglich zu informieren.

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