Insekten-Versand : Die Zukunft schmeckt nach Mehlwurm

<p>Insekten liefern viele Proteine.</p>

Insekten liefern viele Proteine.

Folke Dammann aus Schleswig-Holstein verkauft Heuschrecken, Mehlwürmer und Grillen – und die Nachfrage danach steigt.

shz.de von
27. März 2017, 18:26 Uhr

Der Blick in den Warenkorb ist gewöhnungsbedürftig: Schokolade verziert mit Mehlwürmern, Heuschrecken, Energieriegel mit gerösteten Buffalowürmern und Insektenmehl. In dem Onlineshop auf wuestengarnele.de werden Insekten zum Verzehr angeboten. Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmer und Buffalowürmer. Und tatsächlich: Es gibt eine Nachfrage. Dieser kommen der Gründer des Unternehmens Snack Insects, Folke Dammann, und seine Frau nach. Aus dem kleinen Witzeeze im Kreis Herzogtum Lauenburg verschicken sie wöchentlich mehrere 100 Pakete nach ganz Europa.

Der gebürtige Hamburger hat vor einigen Jahren einen Bericht der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) über das sogenannte „Fleisch der Zukunft“ gelesen und wurde neugierig. „Ich fand es sehr spannend und die Argumente waren einleuchtend.“ Somit gründete Dammann 2013 den Speiseinsekten-Versand Snack Insects.

<p>Folke Dammann zeigt sein Angebot.</p>
Folke Dammann

Folke Dammann zeigt sein Angebot.

Die Speiseinsekten bezieht er von verschiedenen Insektenfarmen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Die Ware kommt gefriergetrocknet geliefert. „Das bedeutet, dass ihnen bei der Konservierung die gesamte Feuchtigkeit entzogen wird, sodass das Produkt sehr lange haltbar und qualitativ hochwertig ist“, erklärt der 35-Jährige. Je nach Zubereitungsart nehmen die Insekten auch wieder Flüssigkeit auf und erreichen nahezu ihr ursprüngliches Gewicht.

Dammann ist sehr zufrieden, im Laufe der letzten vier Jahre hat er mehr und mehr Speiseinsekten auf die Teller gebracht. Sogar einen eigenen Energieriegel „Bug Break“ hat der Geschäftsmann zusammen mit einem Partner kreiert. Das ist aber noch nicht alles: „Wir haben sehr schnell gemerkt, dass es gut angenommen wird und schon bald nach dem Start eigene Rezepte mit Insekten entwickelt und online gestellt. Daraus entstand die Idee für ein Kochbuch, welches wir dann 2015 mit dem Kosmos Verlag veröffentlicht haben.“ Schließlich sei es für viele Menschen erst einmal eine Herausforderung, mit Insekten zu kochen. Dabei eignen sich beispielsweise Heuschrecken ganz besonders gut als Beilage zu einer Pasta. Die nach Haselnuss schmeckenden Buffalowürmer würden sich sehr gut auf Schokotalern machen – schon mal vormerken für die Weihnachtszeit.

Insektenteller: Vom PR-Gag auf die Speisekarte

Wer sich vorerst nicht in der eigenen Küche austoben möchte, hat auch die Möglichkeit, Insekten außer Haus zu essen. Wie etwa in dem asiatischen Restaurant Mongos in Hamburg, das neben Frühlingsrollen, Suppen und Currys auch einen Insektenteller anbietet. Dieser wurde 2013 im Rahmen des Dschungelcamps als PR-Gag angeboten, erzählt Dennis Heisterkamp, Marketingleiter der Mongos Gastro GmbH. „Dann wurde der Insektenteller aber so gut angenommen, dass wir ihn nun dauerhaft auf der Karte haben.“ Und das in allen Filialen in ganz Deutschland. Serviert bekommt der Gast eine Mischung aus Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmern und passenden Dips.

Die Insekten-Mischungen von Folke Dammann seien auch einer seiner Verkaufsschlager, erzählt er. Zudem könne man sich selbst davon überzeugen, dass
Buffalowürmer tatsächlich einen nussigen Geschmack haben und Heuschrecken – wie der Name schon verrät – nach Heu schmecken. Für Einsteiger biete sich zudem sehr gut die Insektenschokolade an. „Schokolade ist ein angenehmer Geschmacksträger und verdeckt zudem die Optik der Insekten“, sagt Dammann.

Doch egal wie man den Mehlwurm nun kuvertiert, frittiert oder wendet – Speiseinsekten sind zumindest in Europa noch ungewöhnlich. Da stimmt auch Folke Dammann zu. „Momentan ist es bei uns noch nicht normal, Insekten zu essen. Doch da nehme ich immer gerne Sushi als Beispiel. Rohen Fisch zu essen war vor einigen Jahren auch noch sonderbar in Deutschland.“

Die Lebensmittelindustrie erforscht das Thema

Zudem haben Speiseinsekten ihren Preis, erklärt Dammann weiter. Das aktuell noch hohe Preisniveau komme zustande, weil Insekten für den Verzehr in Europa noch nicht in Massen gezüchtet werden. Bisher sind sie nur in Belgien klar als Lebensmittel deklariert und können daher noch nicht in allen europäischen Ländern für die industrielle Lebensmittelproduktion eingesetzt werden; in Frankreich oder Großbritannien werden essbare Insekten zu großen Teilen auf dem Markt nur toleriert. Derzeit werde noch erforscht, welche Insektenarten – beispielsweise in gemahlener Form – ohne Risiko für die Lebensmittelindustrie eingesetzt werden können. Bis dahin bleibt die Rechtslage in Europa konfus und Unternehmen in Deutschland müssen sich weiterhin gedulden, wenn es um die Produktion von Lebensmitteln aus Insekten geht.

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