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Schleswig-Holstein

22. September 2017 | 13:53 Uhr

Susanne Brandt-Stange : Die Wegwerf-Helferin

vom

Wenn das häusliche Chaos Überhand nimmt, ist es Zeit für Susanne Brandt-Stange. Die Fengshui-Beraterin berät beim Entrümpeln.

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2009 | 08:47 Uhr

Bad Oldesloe | Wenn die Nachbarin maulig ist, der Gemüsemann miesepetrig, und die beste Freundin schon länger keine Lust mehr hat auf einen Kinobesuch, dann könnte es sich um einen Fall für Susanne Brandt-Stange handeln. "Viele Menschen tragen negative Gefühle mit sich herum, fühlen sich blockiert und unmotiviert, ohne die Hintergründe zu kennen", sagt die 49-jährige Bad Oldesloerin. "Oft liegt es nur daran, dass sie sich in ihrem eigenen Zuhause nicht wohl fühlen. Die Menschen umgeben sich mit zu vielen falschen Dingen."

Susanne Brandt-Stange weiß, wovon sie spricht: Die studierte Hauswirtschafts-Wissenschaftlerin und ausgebildete Fengshui-Expertin arbeitet seit mehreren Jahren erfolgreich als Aufräumberaterin in privaten Haushalten sowie in Firmen - und das Interesse an ihrem Rat steigt.
"Man badet regelrecht in Gefühlen"
Erst letzten Donnerstag hat die findige Entrümpel-Spezialistin auch in der ZDF-Talkshow "Kerner" erklärt, warum es vielen Menschen so schwer fällt, sich von Gegenständen zu trennen. "Beim Entrümpeln kommen nun mal ständig Gefühle auf - man badet regelrecht in Gefühlen, die man nicht so leicht abschütteln kann", erklärt Susanne Brandt-Stange. "Menschen, die darunter leiden, brauchen da einen neutralen Helfer, eben einen, der diese Gefühle nicht teilt."

Wenn die zweifache Mutter, die auch Kurse und Seminare über ihr Thema hält, zu einem Kunden gerufen wird, stellt sie bei jedem Gegenstand die gleichen drei Fragen: Steigert er meine Energie? Liebe ich ihn? Ist er nützlich? Wenn der Kunde, übrigens in der Mehrzahl Frauen, dreimal nein gesagt hat, muss das Teil aus dem Haushalt verschwinden. "Weil seine Anwesenheit negative Energie verbreitet", weiß Susanne Brandt-Stange. "Und genau die ist es, die uns unbewusst hinunterzieht."

Wenn Omas geerbtes Tee-Service also unbenutzt seit 20 Jahren auf dem Boden steht, ist es nicht pietätlos, es wegzugeben. "Es bedeutet Oma gegenüber eine größere Nichtwertschätzung, das Service im Karton verpackt aufzubewahren, als es zu verkaufen." Ihr Tipp: Fotografieren, dann weggeben.
"Das Loslassen öffnet den Blick nach vorn"
Dass wirklich nur das Nötigste weggeworfen wird, ist Susanne Brandt-Stange besonders wichtig. "Ich stelle drei Kartons auf: Einen mit der Aufschrift ,Wohltäter (geht an Bedürftige oder wird bei Ebay und auf Flohmärkten verkauft), einen mit ,Müll, einen mit ,Weiß nicht. Was man aus dem letzten Karton binnen eines Jahres nicht gebraucht hat, kommt zwölf Monate später weg."

Wer die 300 Euro für ihren sechsstündigen Einsatz nicht ausgeben möchte, dem rät die Entrümpel-Expertin zur beliebten Salami-Taktik. "Fangen Sie klein an mit dem Aufräumen. Fürs Erste genügen das Portemonnaie, die Handtasche, der Kofferraum im Auto."

Seit sie in ihrem eigenen Haushalt regelmäßig Klarschiff macht, empfindet sie selbst größere Zufriedenheit, Gelassenheit und Freiheit. "Man muss lernen loszulassen", hat Susanne Brandt-Stange begriffen. "Das Loslassen öffnet den Blick nach vorn. Und das ist es doch, was uns weiterbringt im Leben."

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