Leibnitz-Zentrum in Borstel : Die schöne Forscherin - warum fälschte sie?

Steht im Mittelpunkt der Manipulationsvorwürfe: Prof. Dr. Dr. Silvia Bulfone-Paus.
Steht im Mittelpunkt der Manipulationsvorwürfe: Prof. Dr. Dr. Silvia Bulfone-Paus.

Die Institutsdirektorin des Leibniz-Zentrums in Borstel soll Publikationen gefälscht haben. Doch warum tat Silvia Bulfone-Paus das?

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16. Januar 2011, 06:32 Uhr

Borstel | Schön, intelligent, eine Karriere wie aus dem Bilderbuch: Als Professor Dr. Dr. Silvia Bulfone-Paus (46) vor zehn Jahren als erste Frau in Schleswig-Holstein zur Leiterin einer Forschungsabteilung ernannt wurde, galt sie als Shooting-Star. Noch ahnte keiner ihrer Kollegen am Leibniz-Zentrum Borstel (Segeberg), dass ihre Direktorin schon bald in einen schweren Manipulationsskandal verwickelt sein würde.
Wie jetzt bekannt wurde, soll sie jahrelang Studien mit teilweise gefälschten Abbildungen veröffentlicht haben. Dabei ging es um einen für das Immunsystem bedeutenden Botenstoff, der Körperzellen davon abhalten kann, sich selbst zu zerstören. Der Schaden für das Institut ist immens, die Ergebnisse fanden international Beachtung.
Leidenschaftliche und eloquente Wissenschaftlerin
Dabei fing für Silvia Bulfone-Paus alles so gut an. Nach ihrem Medizinstudium in Turin arbeitete die gebürtige Italienerin an der renommierten Universität Yale, wurde dann Abteilungsleiterin an der freien Universität Berlin. Schließlich kam die Immunologin nach Borstel, lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im nahe gelegenen Hamburg. Der charmanten Blondine schien alles leicht von der Hand zu gehen. Bulfone-Paus gilt als leidenschaftliche, eloquente Wissenschaftlerin. Sie und ihr Team publizierten in zahlreichen Zeitschriften, warben begehrte Fördermittel ein.
Vor einem Jahr fiel einer ehemaligen Institutsmitarbeiterin auf, was die steile Karriere von Bulfone-Paus nun abrupt beenden könnte. Bei Recherchen für einen Artikel stieß die Quickborner Biologin Dr. Karin Wiebauer auf die manipulierten Abbildungen. "Erst dachte ich, es wäre ein Versehen. Dann stellte ich aber fest, dass sich dieses Muster in anderen Artikeln wiederholte."
Amt ruht seit Mitte Dezember
Inzwischen musste Silvia Bulfone-Paus zwölf Publikationen, die in ihrer Verantwortung liegen, zurückziehen. An den Fachartikeln waren auch zwei Mitarbeiter des Instituts beteiligt, deren Zeitverträge inzwischen ausgelaufen sind.
Ihr Amt als Institutsdirektorin lässt Bulfone-Paus seit Mitte Dezember ruhen. Eine Kommission ihres Dienstherrn, der Universität Lübeck, untersucht derzeit die Vorwürfe. Wie die Professorin selbst zu den Vorwürfen steht? Ihr Mann Dr. Ralf Paus winkte auf Nachfrage von "Schleswig-Holstein am Sonntag" ab: "Meine Frau will sich zu dem Verfahren nicht äußern."
Faulheit oder Schönung der Ergebnisse
Ihr Kollege Professor Ulrich Schaible, Direktor am FZ, kann sich aber nur schwer vorstellen, dass sie von den Manipulationen nichts wusste. "Als Gruppenleiterin sollte man die Originaldaten kennen." Warum die Daten gefälscht wurden? Diese Frage muss noch geklärt werden. "Entweder handelt es sich um Faulheit oder Schönung der Ergebnisse." Schaible räumt aber ein: "Der Druck auf die Forscher ist groß. Je mehr und besser sie publizieren, umso schneller bekommen sie Geld für ihre Projekte."
Und dass Bulfone-Paus an vielen Veröffentlichungen interessiert war, ist laut Karin Wiebauer sicher. "Ihr war daran gelegen, Artikel immer schnell in wichtigen Magazinen zu platzieren. Sie meinte oft, ich würde ihre Höhenflüge stoppen. Letztendlich habe ich das ja auch getan."
(heg, shz)

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