„Füchse verboten“ : Die Rettung von Olands Vogelwelt vor dem Fuchs

Ein nicht ganz ernst gemeintes Schild „Für Füchse verboten“ steht am Lorendamm zwischen Dagebüll und der Hallig Oland.

Ein nicht ganz ernst gemeintes Schild „Für Füchse verboten“ steht am Lorendamm zwischen Dagebüll und der Hallig Oland.

Die Füchse kommen nur für wenige Stunden am Tag auf die Hallig, richten aber großen Schaden in den Vogelkolonien an.

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09. Juni 2018, 10:33 Uhr

Oland | „Füchse verboten“ – ein durchgestrichener Fuchs auf einem Schild, eher im Scherz aufgestellt von einem Halligbewohner am Lorendamm zwischen Dagebüll und der Hallig Oland. Und doch symbolisiert es, was Naturschützer sich wünschen: Raubsäugerfreie Halligen. Denn diese sind Rückzugs- und Brutort vieler Vogelarten.

Feinde wie Füchse, Marder oder Dachse leben auf den kleinen Eilanden im schleswig-holsteinischen Wattenmeer eigentlich nicht. Doch durch die Verbreiterung und Erhöhung des Lorendamms nach Oland vor knapp zehn Jahren ist eine Art Landbrücke entstanden, die es den Füchsen leichter macht, die Hallig zu erreichen.

Seit 2013 kommen die Füchse vermehrt auf die Hallig

Füchse haben keine Bauten auf Oland, kommen nur stunden- oder tageweise auf die Hallig. Und trotzdem: „Der Einfluss auf die Brutvögel von Oland ist sehr erheblich“, sagt die Biologin Maria Schiffler. Seit acht Jahren lebt und arbeitet sie während der Brutzeit von Mai bis Juli auf Oland. Sie erforscht den Einfluss der Raubsäuger auf die Vogelwelt. Seit 2013 habe es kein Jahr mehr gegeben, in dem nicht mindestens ein Raubsäugetier während der Brutzeit immer wieder auf die Hallig komme, sagt Schiffler.

Seitdem seien die Verluste deutlich zu merken. „Selbst ein einzelner Fuchs oder Marder kann einen ganz erheblichen Schaden anrichten.“ Bei einigen Vogelkolonien gehe der Bruterfolg gegen Null. So brüteten die Löffler dieses Jahr gar nicht mehr auf Oland – obwohl die Rahmenbedingungen hier eigentlich optimal seien. Bis vor einigen Jahren habe es noch eine Kolonie mit 60 Brutpaaren gegeben. Doch dann seien die Füchse gekommen. „Der Brutausfall ist in diesem Fall sehr leicht auf den Fuchs alleine zurückzuführen“, sagt Schiffler.

Ein künstlicher Damm mit einer Fuchsfalle steht auf dem Lorendamm zwischen Dagebüll und der Hallig Oland.
Carsten Rehder/dpa

Ein künstlicher Damm mit einer Fuchsfalle steht auf dem Lorendamm zwischen Dagebüll und der Hallig Oland.

Raubsäuger zurückzudrängen sei bei der Bedeutung dieses Gebiets sehr wichtig. Denn das Wattenmeer entlang der Nordseeküste Deutschlands, Dänemarks und der Niederlande ist nach Angaben der Tierschutzorganisation WWF eines der vogelreichsten Gebiete der Erde: „Zehn bis zwölf Millionen Gänse, Enten, Watvögel, Möwen und Seeschwalben rasten, fressen, brüten oder mausern hier.“ Damit die Hallig Oland trotz der ständigen Anbindung ans Festland weitgehend fuchsfrei bleibt, testen die Verantwortlichen des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) immer neue Maßnahmen entlang des Lorendamms, um Füchsen den Weg zu erschweren. Dies ist auch eine Auflage gewesen, um den Damm überhaupt auf diese Art erneuern zu dürfen.

Es gibt Gitterroste im Gleis, auf einer Länge von 100 Metern wurde der Steindamm aufgebrochen und die Schienen wurden auf Pfählen verlegt. Damit die Prädatoren den Priel unter den Pfählen nicht durchschwimmen können, wurde zudem eine 400 Meter lange Schwimmleine verlegt. Auch soll ein hochfrequenter Ton den Fuchs zur Umkehr bewegen – ebenso wie stark nach Menschenschweiß riechende Kugeln und Badelatschen, die entlang der Strecke montiert sind.

Eine Biologin zeigt Spuren eines Fuchses auf dem Lorendamm zwischen Dagebüll und der Hallig Oland.
Carsten Rehder/dpa

Eine Biologin zeigt Spuren eines Fuchses auf dem Lorendamm zwischen Dagebüll und der Hallig Oland.

 

Und dennoch: Direkt an der Stelle, wo die Schienen auf den Pfählen liegen, sind im schlickigen Wattboden Fuchsspuren zu sehen. Wie alt sie sind, ob der Raubsäuger vor wenigen Stunden oder einigen Tagen hier entlang gelaufen ist, lässt sich laut Schiffler schwer sagen.

Als Rückschlag sehen die Naturschützer diesen Fuchsnachweis jedoch nicht. Sie wissen, dass ihre Maßnahmen Füchse nicht zu 100 Prozent von der Hallig abhalten. „Wir sind ja nicht naiv.“ Nichtsdestotrotz seien die Maßnahmen wichtig, sagt Schiffler. Weil sie beispielsweise verhinderten, dass noch mehr Füchse kommen, und weil jede neue Maßnahme auch auf die Füchse, die sich auskennen, irritierend wirkt und sie vielleicht nicht mehr so häufig kommen. Bei einer nur wenige Wochen dauernden Vogelbrutzeit könne dies durchaus relevant sein. „Wir haben eine nationale und internationale Verantwortung.“ Also heißt es weitermachen.

LKN-Mitarbeiter Jürgen Bahnsen wirft auf dem Lorendamm zwischen Dagebüll und der Hallig Oland Futter in eine Fuchs-Falle.
Carsten Rehder/dpa

LKN-Mitarbeiter Jürgen Bahnsen wirft auf dem Lorendamm zwischen Dagebüll und der Hallig Oland Futter in eine Fuchs-Falle.

Jürgen Bahnsen vom LKN holt eine Tüte mit Hunde-Trockenfutter aus seiner Lore und verteilt es in Röhrenfallen, die entlang der Strecke aufgestellt sind. „Manchmal nehmen wir auch Räucherfisch, aber im Sommer vergammelt der zu schnell“, sagt Bahnsen. Es sei leicht, sich über die Maßnahmen lustig zu machen, sagt LKN-Sprecher Hendrik Brunckhorst. Mehrere hunderttausend Euro wurden seit dem Bau des neuen Lorendamms in die Fuchssperre gesteckt.„Aber es ist uns ernst.“ Der Druck auf die Bodenbrüter nehme entlang der ganzen Westküste zu. Die Zahl der Brutvögel auf den Festlands-Salzwiesen habe dramatisch abgenommen. „Deswegen sind die Inseln und Halligen als Brutgebiete noch wichtiger geworden.“

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